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Deutsche Investmentfonds: Sind Sie und Ihr Depot auf die 5 wichtigsten Änderungen zum 01.01.2018 vorbereitet?

Die Einführung der Abgeltungssteuer zum Jahresbeginn 2009 war die letzte wesentliche Änderung, was die Besteuerung von Kapitalanlagen betrifft.

Im Dezember 2016 hat der Deutsche Bundestag ein neues Gesetz beschlossen, das die Besteuerung von Investmentfonds ganz grundlegend verändert und das zum 01.01.2018 in Kraft treten wird. Vor allem bei in Deutschland aufgelegten Investmentfonds kommt es zu mehreren Änderungen.

Die aktuellen Regelungen sind europarechtswidrig

Ausländische Fonds mit Erträgen aus deutschen Quellen waren bislang steuerlich schlechter gestellt als deutsche Fonds. Das widerspricht dem Europarecht.

Deswegen waren die Änderungen zwingend erforderlich. Ein weiterer Grund ist das Bestreben, das Steuersystem einfacher und verständlicher zu gestalten. Allerdings ist von einer Vereinfachung des Steuersystems in meinen Augen weit und breit nichts zu sehen.

Das war wohl auch nicht wirklich zu erwarten.

Die 5 wichtigsten Änderungen ab 2018 auf einen Blick

  1. Körperschaftsteuer

Bisher waren Erträge auf Fondsebene steuerfrei, die Besteuerung fand in der Regel erst auf Anlegerebene statt. Ab 2018 müssen deutsche Fonds Dividendenausschüttungen, Mieteinnahmen sowie Kursgewinne aus Immobilienverkäufen mit 15 % versteuern, sofern diese Einkünfte in Deutschland erzielt werden.

Sämtliche anderen Erträge bleiben auf Fondsebene steuerfrei, etwa Gewinne aus Veräußerungen von Wertpapieren oder Erträge aus Zinsen und Termingeschäften.

  1. Zwischengewinnbesteuerung

Die bisherige Zwischengewinnbesteuerung fällt weg. Steuerliche Kennzahlen wie Zwischengewinn und Immobiliengewinn werden somit abgeschafft.

  1. Zufluss-Prinzip

Die Fondsbesteuerung wird auf ein Zufluss-Prinzip umgestellt. Das bedeutet, dass Ausschüttungen zukünftig stets in voller Höhe steuerpflichtig sind. Es wird keine Unterteilung der Ausschüttungen nach steuerfreien und steuerpflichtigen Anteilen mehr geben.

  1. Basisertrag und Vorabpauschale

Zukünftig ermittelt die depotführende Bank einen sogenannten Basisertrag, der versteuert werden muss. Er beträgt 70% des sogenannten Basiszinssatzes.

Der Basiszins leitet sich aus der langfristigen Rendite öffentlicher Anleihen ab, den die Deutsche Bundesbank jeweils auf den ersten Börsentag des neuen Jahres errechnet.

Für das Jahr 2016 beträgt dieser 1,1%. Erfreulicherweise ist dieser Basisertrag auf den Wertzuwachs im Kalenderjahr begrenzt. Dadurch wird nichts besteuert, was nicht auch Erwirtschaftet wurde.

Falls ein Fonds nicht ausschüttet (thesauriert) oder weniger als den Basisertrag ausschüttet, gilt die Differenz zum Basisertrag als sogenannte Vorabpauschale. Durch dieses Verfahren stellt der Gesetzgeber sicher, dass der Fonds-Anleger einen Mindestbetrag zu versteuern hat.

Wirtschaftlich betrachtet ist die Vorabpauschale eine vorweggenommene Besteuerung zukünftiger Wertsteigerungen. Daher wird die Vorabpauschale beim Verkauf der Fondsanteile auch vom tatsächlichen Veräußerungsgewinn abgezogen.

Technisch behält Ihre Bank als depotführende Stelle am ersten Tag des neuen Kalenderjahres die Abgeltungsteuer auf die Vorabpauschale ein. Damit es nicht zu einer Doppelbesteuerung kommt, werden als Ausgleich zukünftige Erträge beim Anleger teilweise freigestellt. Diese Teilfreistellung beträgt zum Beispiel bei Aktienfonds 30%.

  1. Bestandsschutzwegfall

Für Investmentfondsanteile, die vor dem 01.01.2009 erworben wurden, entfällt ab 01.01.2018 der Bestandsschutz für erzielte Kursgewinne. Das ist schmerzlich. Allerdings werden die aufgelaufenen Gewinne zum 31.12.2017 automatisch steuerfrei realisiert, ohne dass Sie tätig werden müssen.

Danach erhalten Sie einen hohen, einmaligen Freibetrag in Höhe von 100.000 Euro. Erst wenn dieser in der Zukunft aufgebraucht ist, müssen Sie wieder Steuern auf Kursgewinne Ihrer Investmentfonds, die einen Bestandsschutz hatten, bezahlen.

Für Eheleute erhöht sich dieser Freibetrag sogar auf 200.000 Euro.

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Über den Autor
Markus Miller

Markus Miller (geb.: 1973) ist ein gefragter Experte, wenn es um das komplexe Thema internationale Vermögensstrukturierung und die globale Steuerung von Vermögenswerten geht.

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