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Aufbau eines Fondsdepots (Fortsetzung)

(Fortsetzung des gestrigen Artikels)

Die Frage, die sich nun stellt, ist: Welche langfristigen Investmentchancen gibt es?

Hierbei greife ich meist auf einen globalen Makroansatz zurück, um Trends zu identifizieren. Diese untersuche ich dann weiter, differenziere und überprüfe mittels der technischen Analyse grob, wann ein guter Einstiegszeitpunkt vorliegt. Diversifikation im Portfolio erfolgt sowohl über einzelne Assetklassen (d.h. z.B. Aktien, Anleihen, Rohstoffe, Devisen, etc.) sowie über alternative Strategien (marktneutrale Absolute Return Konzepte z.B.).

Werden wir doch etwas konkreter mit ein paar Beispielen:

Rein fundamental betrachtet springt hier natürlich im Bereich Makrotrends Gold ins Auge, denn die aktuelle Krise ist noch keineswegs gelöst. Dazu gibt es das Phänomen der Goldpreismanipulation und eine lange Tradition von Gold als Geld, besonders in Krisenzeiten und Zeiten von Vertrauensverlust in Papierwährungen.

Natürlich ist das nicht der einzige Megatrend. Sei es der weltweite Bevölkerungswachstum, der Aufstieg Chinas oder begrenzte Agrarflächen / steigende Agrarrohstoffpreise bzw. weltweiter Wassermangel, gute Trends gibt es durchaus.

Unter anderem die hier genannten Bereiche würde ich mir näher vornehmen und differenziert in diesen Trends nach geeigneten Anlagemöglichkeiten (spezielle Themenfonds z.B.) für ein Fondsdepot suchen.

Wer direkt auf den Goldpreis setzen möchte, kann dies z.B. über entsprechende ETCs tun oder den SPDR Goldtrust. Goldminenfonds hingegen lassen sich sehr fein differenzieren nach Minenkategorien (junior, senior, Explorer, Produzent, etc.). Hier können Sie genau auswählen, was Ihrer Risikoneigung entspricht.

Ähnlich sieht es auch bei den anderen Megatrends aus. Auch hier lassen sich entsprechende Fonds mit ein wenig Suche finden.

Etwas thematisch breiter aufgestellt ist das Feld der alternativen, marktneutralen Strategien. Jedoch auch hier lassen sich in der Regel interessante Konzepte finden (notfalls mit der Hilfe eines Spezialisten auf diesem Gebiet).

Kriterien, die ich bei Fonds beachten würde

Natürlich beurteile ich jeden Fonds letztlich einzeln, was das Gesamtbild angeht.

Aber ein paar grundsätzliche Eckpunkte, an denen ich mich orientiere, sind u.a.

  • Wie lange ist der Fonds bereits am Markt bzw. wie lange wird die Strategie des Fonds bereits umgesetzt? Je nach Strategie achte ich hier darauf, dass der Fonds bereits seit mindestens 5 Jahren erfolgreich am Markt ist.
  • Hat der Fonds in dieser Zeit jedes Jahr den Vergleichsindex geschlagen und brachte damit einen Mehrwert für die Managementgebühr (ansonsten wäre ja auch ein reiner Indexfonds hinreichend, welche meist billiger ausfallen)?
  • Wie volatil ist der Fonds in Korrekturzeiten?
  • Wie hoch ist das Fondsvolumen?
  • Welche Gesellschaft steht hinter dem Fonds? Stehen die verlangten Gebühren im Verhältnis zur Konkurrenz und zur erzielten Outperformance des Vergleichsindex bzw. absoluten Performance?
  • Was sind die Top 10 Positionen (mehr als 14% Anteil am Gesamtvolumen des Fonds möchte ich pro Position eigentlich nur ungern sehen)? Gibt es hier gar ein Klumpenrisiko (Man stelle sich nur mal einen Fonds mit 35% Investment in eine Aktie vor und diese berichtet dann schlecht…)?
  • Wie breit bzw. über welche bzw. wie viele Werte streut der Fonds seine Anlage? Wird die Streuung eventuell gar übertrieben (oft ein Zeichen, dass der Manager teilweise nicht weiß, was er kaufen soll und daher „sichergehen“ will).
  • Gibt es unerwünschte Möglichkeiten im Fondskonzept (etwa, wenn ein Anleger einen reinen Aktienfonds möchte und die Gesellschaft sich aber vorbehält, in bestimmten Marktlagen dem Fonds auch Anleihen beizumischen)?

Worauf ich dann bei diesen Fonds achte, ist in der Regel der Wochenchart und ggf. der P&F-Chart. Hier möchte ich Aufwärtstrends sehen, die auch noch einigen Spielraum nach oben haben. Bei klarem Trendbruch erfolgen Gewinnmitnahmen. Um die Sache in unklaren Situationen ein wenig genauer zu machen, greife ich ab und zu auch auf Daily-Charts zurück.

Ein ganz gutes Mittel zur Trendorientierung kann auf Tagesbasis die 200-Tage-Linie sein (darauf achten, ob diese steigt und wie sich der Kurs zu ihr verhält). Im Wochenchart liefert in der Regel auch der EMA(20) eine gute Hilfe bei der Fondsüberwachung.

Bei den alternativen Strategien hingegen achte ich weniger auf den Chart, sondern mehr darauf, dass ich

  • die Strategie zu 100% verstehe
  • abschätzen kann, auf welche Faktoren eine schwächere Phase einer alternativen Strategie zurückzuführen ist
  • auf verschiedene alternative Strategien setze und auch hier diversifiziere, d.h. dass diese Strategien von unterschiedlichen Faktoren abhängig sind.

Ein Beispiel:

Wenn Sie drei Fonds haben, welche alle auf bestimmte Optionsstrategien setzen, die bei einem Einbruch der Volatilität leiden (etwa Calender Spreads), wird dies auch Ihr Portfolio belasten. Haben Sie hingegen Strategien, welche nur jeweils zum Teil von jeweiligen Marktfaktoren abhängen (z.B. ein Fonds, der bei Volatilitätssteigerungen profitiert und ein anderer, der eher ein wenig abnimmt) gleichen sich solche Punkte in der Gesamtvolatilität Ihrer Portfoliokomponente wieder aus.

Sehen wir uns nun einmal die besprochene kurz- und mittelfristigere Seite des Portfolios an.

(Fortsetzung am Montag hier bei Investoren Wissen)

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Über den Autor Alexander Hahn

Alexander Hahn stieß Ende 2007 zum Investor Verlag und ist Chefanalyst des kostenlosen Newsletters Value Daily.

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Alte Kommentare
  • Peter Sprotz schrieb am 27.08.2010, 20:00 Uhr

    Sehe geehrter Herr Hahn, wie sieht die steuerliche Seite beim SPDR Goldtrust in Deutschland aus? MfG P. Sprotz

  • Hartmut Fischer schrieb am 28.08.2010, 11:22 Uhr

    Der Aufbau eines Fondsdepots sollte ja eigentlich eine vereinfachte Anlagemöglichkeit für Leute sein, die nicht Zeit, Lust oder genug Kenntnisse für die Auseinandersetzung mit dem Gesamtmarkt haben. Das aber ist bei den von Ihnen genannten vielfältigen Kriterien nicht gegeben. Beibt also doch wieder nur das Vertrauen in einen Börsendienst oder eine verkürzte Analyse auf Basis vergangener Performance und Struktur der Fonds und grober eigener Markteinschätzung!

    • Alexander Hahn antwortete am 02.09.2010, 18:52 Uhr

      Naja, das sehe ich nicht ganz so. Es ist viel mehr eine Frage des Anspruchs, den Sie an die aktuelle Marktlage stellen. Welchen Sinn soll es haben, einfach irgendwelche long-only Fonds in solch einer Marktlage zu kaufen, nur damit es "einfach" bleibt. Wenn, dann würde ich höchstens den alternativen Bereich (marktneutrale Strategien) empfehlen. Danke dennoch für Ihren Kommentar. Sie sprechen einen guten Punk an.