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Altersvorsorge mit Fonds

In den meisten europäischen Ländern und ganz besonders in den USA hat die private Altersvorsorge auf der Basis von Investmentfonds als Ergänzung staatlicher Rentenleistungen eine lange Tradition. Doch seitdem wir wissen, dass in Deutschland die staatlichen Renten in Zukunft nur noch eine Basisversorgung garantieren können, bieten die Fondsgesellschaften auch hier den Anlegern zahlreiche Möglichkeiten zur privaten Altersvorsorge mit Investmentfonds. Trotzdem stehen viele Menschen diesen Angeboten sehr skeptisch gegenüber. Die Kursentwicklung von Wertpapieren – so das hierzulande weit verbreitete, grundsätzliche Gefühl – ist keine ausreichend verlässliche Basis, um den Ruhestand finanziell abzusichern.

 

Tatsächlich übernehmen Fondsgesellschaften keine Garantie für eine bestimmte Mindestrendite, wie es zum Beispiel bei Vorsorgeprodukten der Banken und Versicherungen üblich ist. Darüber hinaus kann sich der Anleger bei der Vorsorge mit Investmentfonds in der Regel auch nicht absolut sicher sein, dass ihm mit dem Eintritt in den Ruhestand wenigstens sein investiertes Kapital vollständig zur Verfügung steht. Betrachtet man das Risiko des Kapitalverlustes zum Beispiel bei einem international anlegenden Aktienfonds aber genauer, so zeigt sich: Bei langfristiger Anlage ist das Risiko sehr gering, die Aussichten auf hohe Renditen und damit auf eine gute Altersvorsorge dagegen hoch; vorausgesetzt, dass der Zeithorizont des Anlegers mindestens 20 Jahre und mehr beträgt.

 

Je früher man mit der Rücklage von Kapital für den Ruhestand beginnt, desto stärker sollte man Investmentfonds und zwar insbesondere Aktienfonds in die Vorsorgeplanung mit einbeziehen. Lediglich für Anleger, die nur noch wenige Arbeitsjahre bis zum Eintritt in den Ruhestand vor sich haben, ist in der Regel die finanzielle Absicherung über Investmentfonds weniger empfehlenswert. Sie sollten auf verzinste Garantieprodukte wie private Rentenversicherungen oder Banksparpläne setzen.

 

Die klassische Möglichkeit, auf der Basis von Investmentfonds Kapital für das Alter anzusparen, bieten Fondssparpläne. Mit Abschluss eines Fondssparplans erwirbt der Anleger regelmäßig Anteile eines Investmentfonds zu einem bestimmten Betrag. Damit ein Sparbetrag in immer gleich bleibender Höhe möglich ist, werden Bruchteile von Fondsanteilen erworben. Der festgelegte Mindesteinsatz liegt zumeist bei rund 50 Euro monatlich.

 

Fondssparpläne zeichnen sich im Vergleich zu anderen zur Altersvorsorge genutzten Anlageformen wie Banksparplänen und privaten Rentenversicherungen durch hohe Flexibilität und Liquidität aus. Der Anleger kann sowohl die Sparrate als auch den Sparrhythmus während der gesamten Laufzeit des Fondssparplanes variieren. Hat er zum Beispiel zu einem bestimmten Zeitpunkt eine größere Summe zur Verfügung, so kann er seine Raten erhöhen. Ist der Sparer dagegen knapp bei Kasse, besteht meistens die Möglichkeit, die regelmäßigen Einzahlungen zu senken oder aber sogar einige Monate ganz auszusetzen. Darüber hinaus kann das gesamte Kapital oder ein Teil davon ohne Einhaltung einer Kündigungsfrist jederzeit ausbezahlt werden.

 

Die Fondsgesellschaften bieten in der Regel für fast alle ihre Fonds Sparpläne an, aber für eine langfristig orientierte Anlage mit dem Ziel der Kapitalbildung zur Altersvorsorge eignen sich grundsätzlich nur Fonds mit breiter Diversifizierung. Branchen- oder Länderfonds sind zu diesem Zweck nicht empfehlenswert. Wer einen Fondssparplan zur Altersvorsorge abschließen möchte, sollte sich bei der Auswahl auf global investierende Renten-, Aktien- oder Mischfonds beschränken.

 

Je länger ein Fondssparplan läuft, desto mehr profitiert der Anleger von zwei Faktoren, die entscheidenden Einfluss auf die Rendite haben. Der erste dieser Faktoren ist der Zinseszinseffekt. Fondssparpläne funktionieren grundsätzlich wie thesaurierende Fonds. Es werden also nicht nur von den regelmäßigen Einzahlungen des Sparers, sondern auch von seinen anteiligen erwirtschafteten Fondserträgen immer wieder neue Investment-Zertifikate hinzugekauft. Durch diese Wiederanlage wächst das Vermögen sozusagen durch sich selbst. Der Zinseszinseffekt entfaltet seine volle Wirkung allerdings nur bei langfristiger Anlage von mindestens zehn Jahren und länger.

 

Wie stark sich der Zinseszinseffekt bei einem Fondssparplan mit langer Laufzeit auswirkt, zeigt die Tabelle auf Seite 208. Sie belegt: Je länger der Anleger in den Sparplan einzahlt, desto weniger eigenes Kapital muss er einsetzen, um mit 65 Jahren Millionär zu sein. Wer zum Beispiel ab seinem 20. Lebensjahr monatlich 399 Euro in einen Fondssparplan investiert, hat mit 65 Jahren insgesamt 215.460 Euro eingezahlt. Bei einer angenommenen durchschnittlichen Rendite von sechs Prozent pro Jahr wird durch den Zinseszinseffekt aus diesem Anlagebetrag während der Laufzeit von 45 Jahren ein Vermögen von einer Million Euro.

 

Die in der Tabelle angesetzten durchschnittlichen Jahresrenditen zwischen vier und acht Prozent sind nicht unrealistisch, wie Berechnungen des BVI zeigen. Ein 2005 abgelaufener Fondssparplan mit monatlichen Sparraten von 50 Euro erbrachte demnach – je nach Fondsgattung – über zehn, 20 oder 30 Jahre Laufzeit in etwa folgende Renditen pro Jahr: C Aktienfonds (Europa) 10 Jahre = ca. 3,0 Prozent; 20 Jahre = ca. 6,7 Prozent; 30 Jahre = ca. 7,9 Prozent C Mischfonds 10 Jahre = ca. 3,2 Prozent; 20 Jahre = ca. 5,8 Prozent; 30 Jahre = ca. 7,6 Prozent C Rentenfonds (international) 10 Jahre = ca. 4,7 Prozent; 20 Jahre = ca. 6,1 Prozent; 30 Jahre = ca. 7,0 Prozent C Offene Immobilienfonds 10 Jahre = ca. 2,9 Prozent; 20 Jahre = ca. 4,4 Prozent; 30 Jahre = ca. 5,2 Prozent

 

Der zweite positiv wirkende Faktor ist der so genannte Cost-Average-Effekt oder Durchschnittskosteneffekt. Hierunter versteht man die Reduzierung des durchschnittlichen Kaufkurses von Wertpapieren. Wer über einen längeren Zeitraum regelmäßig denselben Betrag in Wertpapiere derselben Art – zum Beispiel in Fondsanteile – investiert, erwirbt bei nied- rigen Kursen mehr, bei steigenden Kursen weniger Wertpapiere. Auf lange Sicht verhält sich der Anleger mit diesem Kaufverhalten wie ein Börsenprofi: Er kauft »antizyklisch« beziehungsweise gegen den Trend und sichert sich so einen niedrigen Durchschnittspreis.

 

Anders als bei einer Einmalanlage in einen Fonds entfällt bei einem langfristigen Fondssparplan durch den Cost-Average-Effekt die Suche nach dem günstigsten Einstiegszeitpunkt. Eigentlich ist es bei schwankenden Rücknahmepreisen für Fondsanteile nicht so einfach, genau den Zeitpunkt abzupassen, zu dem man für einen möglichst niedrigen Kapitaleinsatz möglichst viele Anteile erhält. Die regelmäßige, langfristige Einzahlung in einen Fondssparplan kann dagegen zu jedem beliebigen Zeitpunkt beginnen, da der Cost-Average-Effekt über einen längeren Zeitraum zwangsläufig dazu führt, dass der Anleger die Anteile zu einem günstigen Durchschnittspreis erwirbt. Was den Beginn eines Fondssparplanes zur Altersvorsorge betrifft, so muss der Anleger also nur eine einzige Regel beachten. Sie lautet: Je früher der Einstieg erfolgt, desto höher ist die Rendite.

 

Den besten Ausstiegszeitpunkt aus einem Fondssparplan zu finden ist nicht ganz so einfach. Wenn der Anleger nicht flexibel ist und sein Kapital unbedingt mit dem Beginn des Rentenalters benötigt, kann dies unter Umständen ein Problem sein. Da die Rücknahmepreise für Fondsanteile schwanken, könnte der Anleger in die unangenehme Situation geraten, gerade dann seine Investment- Zertifikate zu Bargeld machen zu müssen, wenn die Wertpapierkurse beziehungsweise die Immobilienpreise (falls der Anleger in einen Immobilienfonds eingezahlt hat) auf einem Tiefpunkt liegen.

 

Insbesondere bei Aktienfonds, deren Anteile stärker schwanken als die Investment- Zertifikate von Renten-, Misch- oder offenen Immobilienfonds, kann dies zu empfindlichen Einbußen bei der Rendite führen. Ein teilweiser Verlust des eingezahlten Kapitals ist – vorausgesetzt, der Anlagezeitraum des Fondssparplanes lag bei etwa 20 Jahren und mehr – zwar unwahrscheinlich17 , aber Abstriche bei der Rendite können im ungünstigsten Fall durchaus im Bereich mehrerer Prozentpunkte liegen. Wer sich für einen Fondssparplan auf Aktienfondsbasis zur Sicherung der Altersvorsorge entscheidet, steigert seine Aussichten auf eine gute Rendite, wenn er beim Ausstiegszeitpunkt flexibel ist. Der Anleger sollte am besten von vornherein die Möglichkeit einplanen, nach zum Beispiel 25 Jahren zwar seine Ratenzahlungen in den Sparplan zu beenden, das Kapital aber – falls die Rendite noch nicht die erwartete Höhe hat – im Fonds zu belassen und abzuwarten. Diese Flexibilität eröffnet nicht nur die Möglichkeit einer höheren Rendite, sondern sichert auch gegen etwaige Verluste ab. So errechnete die Stiftung Warentest, dass bei einem Fondssparplan mit einer Laufzeit von 20 Jahren eine mögliche fünfjährige Wartezeit vor der Auszahlung des Kapitals dazu führt, dass das Risiko, einen Teil der investierten Summe zu verlieren, nur noch bei 1,9 Prozent liegt. Ohne diese flexible Pufferzeit zwischen Ablauf eines 20-jährigen Fondssparplanes und der Auszahlung der Fondsanteile trägt der Anleger ein Verlustrisiko von 3,6 Prozent.18

 

Gerade bei der Altersvorsorge erscheint vielen Menschen selbst ein recht geringes Verlustrisiko von 1,9 bis 3,6 Prozent als zu riskant. Inzwischen haben die Fondsgesellschaften auch spezielle Angebote entwickelt, die einen Kapitalverlust bei Fondssparplänen fast ganz ausschließen. Dazu gehören unter anderem so genannte gemischte Fondssparpläne. Sie sind besonders für Anleger geeignet, die sehr sicher investieren möchten und nicht flexibel sind, sondern das Kapital aus einem Fondssparplan definitiv zu einem vorher festgelegten Zeitpunkt benötigen.

 

Anders als bei einem normalen Fondssparplan muss sich der Anleger bei den meisten gemischten Fondssparplänen für eine Mindestlaufzeit (in der Regel mindestens zehn Jahre) entscheiden. Der Grund: Bei gemischten Fondssparplänen verlagert die Fondsgesellschaft das Kapital schrittweise von Aktienfonds in Fonds mit festverzinslichen Wertpapieren. Dieser Ablauf muss planmäßig erfolgen und setzt eine vorher festgelegte Anlagedauer voraus. Je nach Ausgestaltung des Sparplanes wird die Umschichtung des Kapitals entweder erst gegen Ende der Laufzeit (meist in den letzten fünf Jahren) vorgenommen oder in prozentual steigenden Anteilen über die gesamte Laufzeit verteilt. Im Laufe der Zeit fließt dementsprechend immer weniger Geld in renditestarke Aktienanlagen und immer mehr in sichere, aber renditeschwächere Rentenpapiere (manchmal auch in Immobilien). Dies senkt natürlich die Gesamtrendite eines gemischten Fondssparplans, führt aber auch dazu, dass ein Kapitalverlust nahezu unmöglich wird. Darüber hinaus bewirkt die Umschichtung in Rentenpapiere, dass der Rücknahmepreis der Fondsanteile am Ende der Laufzeit des Sparplanes keinen oder nur sehr geringen Schwankungen unterliegt. Dies ist wichtig, denn wenn der Anleger sein Geld zu einem exakten Termin benötigt, muss der Wert seiner Fondsanteile zu diesem Zeitpunkt stabil sein und darf nicht dem Risiko eines plötzlichen Verlusts ausgesetzt sein.

 

Wer sich für einen Fondssparplan zur Altersvorsorge interessiert, sollte bei der Auswahl nicht nur Wertentwicklung und Anlagestrategie der für ihn in Frage kommenden Investmentfonds im Blick haben, sondern auch die anfallenden Gebühren genau unter die Lupe nehmen. Grundsätzlich gilt: Bei einem Fondssparplan muss der Anleger für jedes Investment- Zertifikat, das er mit seinen regelmäßigen Einzahlungen erwirbt, den fondsüblichen Ausgabeaufschlag zahlen. Außerdem fällt noch eine jährliche Verwaltungsvergütung auf das gesamte Guthaben im Fonds an. Bei einem Ausgabeaufschlag von fünf Prozent, Verwaltungskosten von 1,25 Prozent und einer Laufzeit von 20 Jahren mindert dies die eigentlich erreichte Auszahlungssumme um rund ein Sechstel!

 

Der Anleger sollte sich daher darüber informieren, ob es nicht günstiger ist, das Angebot einer Online-Bank oder eines Discount-Fondsvermittlers zu nutzen, statt den Sparplan direkt über die Fondsgesellschaft abzuschließen. Sehr häufig erhält man so Rabatte von bis zu 50 Prozent auf den Ausgabeaufschlag. Wenn man die lange Laufzeit eines Fondssparplans betrachtet, steigern diese Rabatte die Rendite erheblich. Dabei ist zu beachten, dass mancher freie Fondsvermittler zwar Rabatte auf den Ausgabeaufschlag gewährt, dafür jedoch hohe Depotgebühren in Rechnung stellt. Viele Direktbanken bieten den Anlegern dagegen auch für die Verwaltung von Fondssparplänen ein Depot zum Nulltarif.

 

Eine echte Kostenfalle für Anleger sind die seit neuestem auf dem Markt angebotenen, speziell zur Altersvorsorge entwickelten so genannten gezillmerten oder vorab provisionierten Fondssparpläne. Die Struktur dieser Produkte geht auf den Versicherungsmathematiker August Zillmer zurück, der 1863 ein nach ihm benanntes und bis heute genutztes Vergütungssystem für Versicherungen entwickelte. Grundgedanke des Modells ist, dass ein bestimmtes Finanzprodukt (ursprünglich eine Versicherung) sich umso besser verkauft, je höher die Provision des Verkäufers ist und je schneller diese in seine Tasche fließt. Der Vermittler einer Kapitallebensversicherung erhält zum Beispiel seine Provision zeitnah nach Vertragsabschluss. Das bedeutet, er hat sein Geld verdient – auch dann, wenn der Versicherungsnehmer die Versicherung frühzeitig vor Ablauf kündigt.

 

Dieses Provisionsmodell hat insgesamt eher negative Folgen. Viele Menschen machen immer wieder äußerst unangenehme Erfahrungen mit »hoch motivierten« Versicherungsvertretern, die ihnen mit allen zur Verfügung stehenden Überredungskünsten völlig überflüssige oder überteuerte Versicherungen verkaufen.

 

In der Branche der Fondsvermittler war dies bisher nicht möglich. Wer einem Anleger einen Fondssparplan vermittelt, erhält von der Fondsgesellschaft eine – zumeist monatlich gezahlte – Provision aus dem regelmäßig vom Anleger gezahlten Ausgabeaufschlag. Die Zahlungen an den Fondsvermittler laufen bei diesem Modell so lange wie der Sparplan des Anlegers. Endet dieser, versiegt die Einnahmequelle des Vermittlers.

 

Nun greifen auch Fondsgesellschaften auf das gezillmerte Modell der Versicherungsbranche zurück. Das »neue« Produkt wird ganz speziell zur Altersvorsorge angeboten und soll – laut Werbung – die Kosten des Anlegers bei langfristiger Anlage senken.

 

Das Prinzip vorab provisionierter Fondssparpläne beruht darauf, dass ein hoher Prozentsatz der Einzahlungen des Anlegers im ersten Jahr (manchmal auch in den ersten zwei Jahren!) direkt in die Provision des Vermittlers fließt. Gleichzeitig garantiert die Fondsgesellschaft den Wegfall der Ausgabeaufschläge, sobald die Provision abgezahlt ist. Ab einer Laufzeit von etwa zehn Jahren, so verheißen die Fondsgesellschaften, sei die Rendite vorab provisionierter Fondssparpläne höher als die herkömmlicher Fondssparpläne, bei denen der Ausgabeaufschlag regelmäßig bis zum Ende anfällt. Dieses Argument ist nicht überzeugend! Die Modelle der Fondsgesellschaften, mit denen die angeblichen Vorteile des neuen Modells bewiesen werden sollen, rechnen zumeist mit einem Ausgabeaufschlag von fünf Prozent. Dies ist aber kaum realistisch, schließlich erwerben viele Anleger ihre Investment- Zertifikate inzwischen mit Rabatten. Nutzt man diese Angebote, dauert es wesentlich länger als die von den Fondsgesellschaften angenommenen zehn Jahre, bis sich für den Anleger bei einem vorab provisionierten Fondssparplan ein – im Übrigen sehr geringer – Vorteil ergibt.

 

Die Nachteile vorab provisionierter Fondssparpläne gegenüber herkömmlichen Fondssparplänen wirken dagegen nicht erst nach Jahrzehnten, sondern sofort. Durch die Zahlung der Vertriebsgebühren zu Beginn der Laufzeit büßt der Anleger einen Teil des Zinseszins ein. Gerade die ersten, in einen Sparplan fließenden Raten sind aber im Hinblick auf den Zinseszins besonders wichtig, da sie am längsten im Fonds »arbeiten«. Wird dieses Kapital durch hohe, vorab zu zahlende Provisionen geschmälert, ergibt sich ein negativer Effekt, der – je nach Ausgestaltung des Sparplanes und Wertentwicklung des Fonds – in der gesamten Laufzeit kaum eingeholt werden kann.

 

Die für die Provision abzuzweigenden hohen Beträge führen zusätzlich dazu, dass die Anleger im ersten Jahr des Fondssparplanes nicht in vollem Umfang von der Wertentwicklung der Märkte profitieren. Da ihr im Fonds befindliches Kapital stark reduziert ist, sind demgemäß auch ihre anteiligen Erträge automatisch geringer. Um den drohenden langfristigen Renditenachteil auszugleichen, müssten die Anleger theoretisch genau dann in den Fonds einsteigen, wenn sie für die unmittelbare Zukunft eine negative Entwicklung an den Börsen voraussetzen. Dies widerspricht völlig der allgemeinen Anlegerpsychologie: Menschen investieren normalerweise gerade dann in Fonds, wenn sie mit steigenden Kursen rechnen.

 

Der letzte Einwand gegen vorab provisionierte Fondssparpläne ist ihre mangelnde Flexibilität. Ein vorzeitiger Ausstieg, der bei herkömmlichen Fondssparplänen völlig unproblematisch ist, führt bei dem neu eingeführten Produkt zu empfindlichen Verlusten für den Anleger. Will er den Sparplan vor Ende der Laufzeit beenden, ist es unmöglich, die vorab bezahlte Provision durch den Wegfall des Ausgabeaufschlags auszugleichen. Der Anleger bleibt buchstäblich auf den Kosten sitzen.

 

Grundsätzlich sind gezillmerte Fondssparpläne niemandem zu empfehlen. Gesellschaften wie DWS, dit oder Activest, die dieses Produkt zurzeit mit großem Werbeaufwand auf den Markt bringen, haben keinesfalls die Vorteile des Anlegers im Blick. Tatsächlich geht es hier nur um eines: Der finanzielle Anreiz für die Vermittler soll den Absatz von Fondssparplänen steigern.

 

Das Kalkül funktioniert: Viele Vermittler lassen sich von den hohen, schnell fließenden Provisionen offensichtlich motivieren und gewinnen immer mehr Kunden für den Abschluss gezillmerter Fondssparpläne. Das zeigen unter anderem die Zahlen der DWS. Seit Einführung des neuen Produktes mit dem Namen »Zukunftsplan System« Anfang 2005 verkaufte die Fondsgesellschaft schon mehr als 70.000 vorab provisionierte Fondssparpläne. Allein 55.000 davon wurden über das Vertriebsnetz des mit der Deutschen Bank kooperierenden Finanzdienstleisters DVAG (Deutsche Vermögensberatung AG) abgeschlossen. Das entspricht einem Anlagevolumen von fast einer Milliarde Euro!19

 

Viele Fondsgesellschaften bieten den Anlegern nicht nur Fondssparpläne zur Altersvorsorge, sondern auch so genannte Entnahmepläne, die mit dem Ende der Laufzeit eines Sparplanes einsetzen können. Bei einem Entnahmeplan erhält der Anleger sein in Fondsanteilen steckendes Kapital nicht in einer Einmalauszahlung zurück, sondern in Raten. Diese können zum Beispiel über viele Jahre monatlich ausgezahlt werden und wirken so wie eine zusätzliche Rente.

 

Der Anleger kann sich dabei grundsätzlich für ganz unterschiedliche Varianten der Auszahlung entscheiden, denn Fondsentnahmepläne sind sehr flexibel. Die Höhe der Raten und der Auszahlungsrhythmus lassen sich je nach den eigenen Bedürfnissen festlegen. Darüber hinaus sind auch größere Einmalauszahlungen möglich.

 

Während der Laufzeit des Entnahmeplanes nimmt das im Sondervermögen des Fonds verbleibende Kapital des Anlegers weiterhin an der Wert- entwicklung teil. Die erwirtschafteten anteiligen Erträge können nach dem Prinzip des thesaurierenden Fonds direkt wieder in neue Investment-Zertifikate investiert werden. Der Anleger muss sich jedoch darüber im Klaren sein, dass er während der Laufzeit des Entnahmeplans nicht nur von den Renditechancen des Fonds profitiert, sondern auch die möglichen Verlustrisiken akzeptieren muss.

 

Der Anleger hat bei der Konzeption eines Fondsentnahmeplans prinzipiell die Wahl zwischen zwei verschiedenen Möglichkeiten: dem Entnahmeplan mit Kapitalverzehr und dem Entnahmeplan ohne Kapitalverzehr.

 

Entnahmeplan mit Kapitalverzehr

 

Bei einem Entnahmeplan mit Kapitalverzehr verbleibt im Laufe der Zeit ein immer geringerer Teil des Kapitals im Fonds. Ist das Kapital aufgebraucht, endet der Entnahmeplan.

 

Die Auszahlungsmodalitäten können unterschiedlich gestaltet sein. Eine Möglichkeit ist, jeden Monat die gleiche Menge von Fondsanteilen zurückzugeben. Dies hat zur Folge, dass der Anleger von vornherein genau abschätzen kann, wie lange der Entnahmeplan andauert. Besitzt er zum Beispiel zu Beginn seines Ruhestandes 1.000 Fondsanteile und legt fest, dass er monatlich vier dieser Anteile an die Fondsgesellschaft zurückgibt, so wird sein Kapital mindestens für 20 Jahre und zehn Monate ausreichen. Grundsätzlich kann man davon ausgehen, dass während der langen Laufzeit des Entnahmeplans das im Fonds verbleibende Kapital weitere Erträge erwirtschaftet. Wenn diese Erträge direkt in neue Fondsanteile investiert werden, erhält der Anleger sogar über den vorher errechneten Zeitpunkt hinaus Zahlungen.

 

Nachteil dieser Konzeption ist, dass der Anleger nicht jeden Monat mit exakt dem gleichen Betrag rechnen kann. Sind seine Fondsanteile am Beginn des Entnahmeplans zum Beispiel 60 Euro pro Stück wert, so erhält er zu diesem Zeitpunkt eine monatliche Zahlung von 4 x 60= 240 Euro. Der Rücknahmepreis wird aber niemals über die gesamte Laufzeit von über 20 Jahren genau 60 Euro betragen. Der Anleger muss sich also darauf einstellen, mal mehr und mal weniger hohe Raten zu erhalten.

 

Möchte man diese Schwankungen vermeiden, kann eine regelmäßige Zahlung in immer gleicher Höhe vereinbart werden. Die Fondsgesell- schaft nimmt dann immer genauso viele Anteile beziehungsweise Bruchteile von Anteilen zurück, wie für die vorher festgelegte Rate nötig sind.

 

Soll also – wie im Beispiel oben – die monatliche Zahlung immer 240 Euro betragen, dann werden bei einem Rücknahmepreis von 60 Euro vier Fondsanteile eingelöst. Sinkt der Rücknahmepreis auf 40 Euro, so müssen sechs Fondsanteile für die monatliche Zahlung zurückgegeben werden.

 

Der Nachteil: Auf dieser Basis lässt sich nur sehr schwer abschätzen, wie lange das Vermögen ausreicht.

 

Entnahmeplan ohne Kapitalverzehr

 

Möchte der Anleger einen Verbrauch des Kapitals zu seinen Lebzeiten vermeiden, so kann er sich für einen Entnahmeplan ohne Kapitalverzehr entscheiden. In diesem Fall zahlt die Fondsgesellschaft die Raten lediglich aus den Erträgen, die die Fondsanteile des Anlegers erwirtschaften. Die Zahlungen fallen dementsprechend immer niedriger aus als bei einem Entnahmeplan mit Kapitalverzehr. Verläuft die Wertentwicklung des Fonds negativ, können sie auch sinken.

 

Der Vorteil dieser Lösung liegt darin, dass die Zahlungen in der Regel keine zeitliche Grenze haben, also andauern, solange der Anleger lebt. Da viele Menschen, die heute mit 65 Jahren in den Ruhestand treten, noch mehr als 30 Lebensjahre vor sich haben, kann dieser Faktor sehr wichtig sein! Darüber hinaus freuen sich Kinder und Enkel über Entnahmepläne ohne Kapitalverzehr. Denn bei dieser Variante bleibt das in Fondsanteilen steckende Vermögen unangetastet und kann vererbt werden.

 

Doch Achtung: Wer mit einer Fondsgesellschaft einen Entnahmeplan zur Altersvorsorge vereinbart, muss sich grundsätzlich darüber im Klaren sein, dass das in einem Fonds angelegte Kapital niemals absolut sicher ist! Es unterliegt immer den spezifischen Chancen und Risiken des jeweiligen Investmentfonds und seiner Anlagestrategie. Im schlimmsten Fall ist auch ein teilweiser Kapitalverlust nicht ausgeschlossen. Ein Fondsentnahmeplan sollte daher nie als Basisversorgung für den Ruhestand dienen, sondern immer nur als zusätzliche Rente.

 

Seit 2002 gibt es für alle Anleger, die Pflichtbeiträge in die Rentenversicherung einzahlen, eine neue Möglichkeit der Altersvorsorge: die Riester-Rente. Zum Angebotsspektrum dieser durch staatliche Zuschüsse geför- derten privaten Vorsorgemöglichkeit gehören auch Fondssparpläne. Anders als bei den meisten anderen Vorsorgekonzepten mit Riester-Zuschüssen wird den Anlegern, die sich für einen Fondssparplan entscheiden, keine Mindestrendite garantiert. Das haben Riester- Fondssparpläne mit herkömmlichen Fondssparplänen gemein.

 

Völlig neu und für alle auf Sicherheit bedachten Anleger äußerst vorteilhaft ist, dass die Fondsgesellschaften für ihre Riester-Sparpläne eine Kapitalgarantie übernehmen. Am Ende der Laufzeit erhält jeder, der einen Riester- Fondssparplan abgeschlossen hat, mindestens sein eingezahltes Kapital zuzüglich der staatlichen Zulagen zurück. Selbst im schlechtesten Fall erzielt der Anleger so eine – wenn auch geringe – Rendite, die dadurch entsteht, dass er nicht das gesamte Kapital selbst aufbringt.

 

Während der Laufzeit gilt die Kapitalgarantie nicht: Wer vor Vertragsende wechselt, muss Verluste einkalkulieren.

 

Riester- Fondssparpläne eignen sich besonders für Anleger, die eine hohe Rendite anstreben und langfristig investieren möchten. Mit Eintritt der Rente (frühestens ab dem 60. Lebensjahr) beginnt die Auszahlungsphase des Riester-Modells. Wer zu diesem Zeitpunkt eine größere Summe zur Verfügung haben möchte, kann sich auch 30 Prozent seines Kapitals sofort auszahlen lassen.

 

Bei der Gestaltung der Rentenzahlungen aus einem Riester- Fondssparplan hat der Anleger zwei Möglichkeiten: Entweder wird das angesparte Fondsvermögen sofort in eine Rentenversicherung investiert, die eine lebenslange Rente garantiert, oder der Anleger entscheidet sich für eine Kombination aus Fondsentnahmeplan mit anschließender lebenslanger Rente. Bei der zweiten Variante schichtet die Fondsgesellschaft nur einen Teil des angesparten Kapitals in eine Rentenversicherung um, die dann dem Anleger ab seinem 85. Lebensjahr bis zum Lebensende regelmäßige monatliche Zahlungen in gleicher Höhe garantiert. Das restliche Kapital verbleibt im Fonds. Es dient als Grundlage für einen Entnahmeplan mit Kapitalverzehr, aus dem der Anleger in der Zeitspanne vom Eintritt in den Ruhestand bis zu seinem 85. Lebensjahr monatliche Zahlungen erhält. Solange der Entnahmeplan läuft, darf laut Gesetzgeber die Zusatzrente einmal etwas höher und einmal etwas niedriger ausfallen. So sind – trotz schwankender Rücknahmepreise – eine gleichmäßige Rücknahme der Fondsanteile und damit eine exakte Planung der Laufzeit für die Auszahlungen möglich. Verstirbt der Anleger vor Ablauf des Fondsentnahmeplans, so erhalten seine Erben das noch im Fonds befindliche Restkapital abzüglich der staatlichen Zuschüsse.

 

Zurzeit bieten mehrere Fondsgesellschaften Angebote zur Altersvorsorge auf der Basis von Investmentfonds an, die alle gesetzlich festgelegten Ansprüche für die Förderung erfüllen. Die Ausgestaltung der Angebote ist dabei sehr unterschiedlich. Einige Fondsgesellschaften – wie zum Beispiel die DWS – orientieren sich bei ihren Riester-Sparplänen an einem Lebenszyklusmodell, das wie ein gemischter Fondssparplan funktioniert. Andere Angebote – wie das von Union Investment – setzen fast zu 100 Prozent auf Aktien. Nur wenn der Sparer es wünscht, schichtet die Fondsgesellschaft in den letzten vier Jahren vor Ablauf des Sparplanes sein Kapital in sicherere Rentenpapiere um. Dieses Modell bietet hohe Renditechancen, ist aber nur für Anleger geeignet, die sehr langfristig investieren und etwaige Tiefs an den Aktienmärkten aussitzen können.

 

Trotz der gesetzlichen Garantie, dass zu Beginn der Rente mindestens die eingezahlten Beiträge inklusive der staatlichen Zulagen zur Verfügung stehen müssen, hat der Anleger recht große Wahlmöglichkeiten. Akzeptiert er höhere Risiken, so kann er sich für eine offensive, auf hohe Rendite setzende Vorsorgestrategie mit großem Aktienanteil entscheiden. Steht die Sicherheit im Vordergrund, kann der Anleger einen auf dem Lebenszyklusmodell basierenden Riester- Fondssparplan wählen.

 

Grundsätzlich ist der Abschluss eines mit Riester-Zulagen geförderten Fondssparplanes zur Altersvorsorge für fast jeden Arbeitnehmer, der noch mindestens 15 Jahre bis zum Rentenalter vor sich hat, sehr empfehlenswert. Dies gilt besonders für Familien mit Kindern, denn pro Kind gibt es zusätzliches Geld vom Staat. Die Vorteile zeigt folgendes Beispiel: Bei einer angenommenen jährlichen Rendite von durchschnittlich sechs Prozent kann ein verheirateter Anleger mit zwei Kindern, der ab 2005 über 30 Jahre lang jeweils den Höchstbetrag20 anlegt, am Ende der Laufzeit seines Fondssparplanes mit einem Kapital von 158.540 Euro rechnen. Hätte der Anleger auf die Riester-Zulage verzichtet, erhielte er rund 45.000 Euro weniger.21

 

Die Kosten für Riester- Fondssparpläne entsprechen denen für herkömmliche Fondssparpläne. Der Anleger muss also mit einem Ausgabeaufschlag sowie mit Verwaltungs- und Depotgebühren rechnen.

 

Laut Gesetz dürfen die für eine Riester-Förderung zertifizierten Vorsorgeprodukte nicht gezillmert werden. Die Anbieter müssen die Provisionszahlungen an die Vermittler mindestens über zehn Jahre verteilen. Bei Riester-Fondsparplänen werden die Vertriebskosten – wie bei herkömmlichen Fondssparplänen – über die gesamte Laufzeit gestreckt. Grundsätzlich bedeutet das: Ein Vermittler, der einem Anleger ein Riester-Produkt empfiehlt, kann in der Regel nicht mit hohen und schnell gezahlten Einnahmen rechnen. Nur bei Vorsorgemodellen auf Versicherungsbasis wurde dieser strenge Grundsatz Anfang 2005 gelockert. Hier darf die Provision schon innerhalb der ersten fünf Jahre Laufzeit in die Tasche des Vermittlers fließen.

 

Diese Ausnahme könnte dazu führen, dass Vermittler, die Riester-Produkte vertreiben, ihren Kunden vornehmlich Angebote der Versicherungsbranche unterbreiten. Der Abschluss eines derartigen Vertrages garantiert ihnen schließlich schnelle Einnahmen, während die Vermittlung eines Riester-Fondsparplanes kaum etwas einbringt.

 

Daher zum Schluss noch ein Tipp: Jeder Anleger sollte sich, bevor er einen Vermittler aufsucht, sehr genau über die unterschiedlichen Riester-Produkte informieren. Wenn der Vermittler dann im Beratungsgespräch die Angebote der Versicherungen bevorzugt, so ist davon auszugehen, dass er mehr seinen eigenen und weniger den Vorteil des Anlegers im Blick hat. Diese Voreingenommenheit lässt sich am einfachsten mit gezielten Nachfragen nach Riester- Fondssparplänen unterlaufen! 17) Laut Stiftung Warentest liegt die Wahrscheinlichkeit des teilweisen Kapitalverlustes bei einem international anlegenden Aktienfonds ab einem Anlagezeitraum von 20 Jahren nur bei etwa 3,6 Prozent (siehe Stiftung Warentest; FINANZtest Jahrbuch 2004, S. 98). 18) Siehe ebd. 19) Quelle für Zahlenangaben: Ina Kirsch, »Neue Form des Sparens findet Anklang«, in: Handelsblatt, 4. November 2005. 20) Monatliche Höchstbeträge für das Rechenmodell (Quelle: BVI, November 2005): 2005: 59,50 Euro; 2006–2007: 89,25 Euro; ab 2008: 118,50 Euro; ab 2025 (nach Wegfall der Kinderzulage): 149,33 Euro. 21) Quelle: BVI, November 2005.

 

Quelle: BVI Bundesverband Investment und Asset Management e.V.

Abbildung 8: Ergebnisse bei Wiederanlage der Erträge und vor Steuern; fünf Prozent Ausgabaufschlag berücksichtigt.

 

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