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Trading-Chancen eine Woche vor dem Referendum

Die Märkte sind in Panikmodus. Doch was passiert eigentlich, wenn die Briten nächste Woche nicht aus der EU aussteigen? Kurschancen voraus!

Der DAX ist seit gut einer Woche im Sturzflug und verlor in den letzten acht Tagen rund 800 Punkte beziehungsweise rund 7,8% an Wert. Das britische Pfund fiel gegenüber dem US-Dollar im selben Zeitraum um 3,4% und gegenüber dem Euro um 2,5%.

Und am gestrigen Dienstag war die Nachfrage nach zehnjährigen Bundesanleihen so stark, dass Anleger das erste Mal dafür bezahlen mussten, dem deutschen Staat Geld zu leihen. Der Zinssatz auf die Anleihe sank auf minus 0,004%. Anders gesagt: Damit sank der Wert eines der Investments mit dem geringsten Risiko überhaupt auf unter null.

Meine Empfehlung: Depots sichern und auf steigende Kurse setzen

Als Anleger haben Sie nun die Wahl: Entweder Sie sichern Ihre Depots ab und halten bis zum Ende der nächsten Woche den Ball flach, oder Sie nutzen die aktuell günstigen Kurse für einen Einstieg mit der Aussicht auf steigende Kurse, sobald das Referendum vorbei ist. Meine Empfehlung: Tun Sie beides.

Sichern Sie den Großteil Ihres Depots ab, beispielsweise über Put-Optionsscheine auf den DAX, mit denen Sie gerade dann Gewinne machen, wenn der DAX an Wert verliert.

Gleichzeitig würde ich Ihnen raten, einen geringen Teil Ihres Kapitals für Long-Einstiege zu nutzen, und zwar in die Basiswerte, die aktuell besonders stark unter der Brexit-Panik leiden und die damit umso stärker in die Höhe schnellen, wenn es nächste Woche nicht zum Brexit kommt (wovon ich ausgehe): Pfund, DAX und der britische Leitindex FTSE100.

Das Referendum bringt Unsicherheit in die Märkte

Schuld an der ganzen Panik ist das bevorstehende Referendum im Vereinigten Königreich. Am 23. Juni, also nächste Woche Donnerstag, stimmen die Briten über den Verbleib ihres Landes in der EU ab, und acht Tage vorher ist der Ausgang der Abstimmung noch völlig unklar. Das sorgt für enorme Unsicherheit an den Märkten.

Nach Deutschland ist das Vereinigte Königreich die zweitgrößte Volkswirtschaft in der Europäischen Union. Ein Austritt aus der EU hätte immens negative Folgen sowohl für die Wirtschaft des Landes als auch für die Wirtschaft der restlichen EU-Mitgliedsstaaten.

Auch steht zu befürchten, dass der Austritt eines der Gründungsmitglieder der EU einen politischen Dominoeffekt haben könnte, der sowohl wirtschaftliche als auch politische Folgen für das gesamte Bündnis mit sich bringt.

Anti-EU-Sentiments sind in UK nichts Neues

Doch noch ist es nicht soweit, und ich bezweifle auch, dass es soweit kommt. Ja, die Briten sind extrem EU-skeptisch und sprechen nicht umsonst von sich auf der einen Seite und „Europe“ auf der anderen, als wären sie kein Teil des Kontinents oder der EU.

Die Europäische Union ist der Lieblings-Sündenbock für britische Politiker und Medien, vor allem aus dem rechten Spektrum, wenn es darum geht, Schuldenberge zu rechtfertigen, Rezessionsängste zu schüren oder gegen Immigration zu wettern.

Anti-EU-Propaganda gehört im Vereinigten Königreich, und vor allem in England, fast schon zum guten Ton. Da wundert es dann auch nicht mehr, dass die Brexit-Befürworter stärker sind, als es noch vor einigen Monaten denkbar war.

Ich setze auf einen Sieg der wirtschaftlichen Vernunft

Doch am Ende des Tages, und am Ende des 23.6., wird das Vereinigte Königreich mit hoher Wahrscheinlichkeit weiterhin ein Teil der EU sein. Mit dem Schottland-Referendum war es schließlich nicht anders.

Auch hier war der Ausgang im Vorfeld völlig unklar, auch hier kam es rund zwei Wochen vor dem tatsächlichen Termin zu einer akuten Panikwelle an den Märkten, und auch hier entschieden sich die Menschen im Endeffekt doch für einen Verbleib ihres Landes im Vereinigten Königreich.

Ich gehe fest davon aus, dass in einer Woche und einem Tag die wirtschaftliche Vernunft der Briten über die kreischende Unvernunft der Rechtspopulisten und Brexit-Befürworter siegen wird. Das wird die Grundprobleme der demokratischen Legitimation, mit denen die EU sich auseinandersetzen sollte, nicht lösen, aber es wird zumindest dafür sorgen, dass sich die Märkte wieder beruhigen.

So profitieren Sie vom Verbleib…

Hauptprofiteure werden dann der britische Leitindex FTSE100 und das Pfund sein, aber auch der DAX dürfte einen Großteil seiner jüngsten Kursverluste wieder aufholen. Schließlich sind diese in erster Linie den Brexit-Ängsten geschuldet.

Aufgrund dieser Ängste fiel der DAX zum Wochenschluss am vergangenen Freitag unter die 10.000-Punktemarke und notierte damit zum ersten Mal seit dem 24. Mai wieder im vierstelligen Bereich.

Gestern prallte der Kurs dann an der 9.500-Punktemarke nach oben ab, konnte aber im Verlauf des heutigen Tages keine nennenswerten Kursgewinne machen. Bricht die Unterstützung bei 9.500 Punkten in den nächsten Tagen, dann schließt der Kurs eine Doppeltop-Formation ab und gibt den Weg frei für weitere Kursverluste vor dem Referendum.

Wenn Sie davon ausgehen, dass der Brexit nicht kommen wird, lohnt es sich also, mit einem Long-Einstieg den erneuten Test der 9.500 Punkte abzuwarten.

…und so vom Brexit

Wenn Sie allerdings davon ausgehen, dass sich die Briten nächste Woche mehrheitlich für einen Ausstieg aus der EU entscheiden, dann dürfte es sich lohnen, jetzt in den Schweizer Franken oder den Yen zu investieren.

Beide Währungen, und vor allem der Franken, gelten als sicherer Hafen und konnten in den letzten Tagen deutliche Kursgewinne verzeichnen. Sie können außerdem über Short-Zertifikate wie Put-Optionsscheine oder Put-Discount-Zertifikate auf weitere Kursverluste im FTSE100 und dem Pfund zu setzen.

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Über den Autor Thomas Kallwass

Thomas Kallwass ist unser Spezialist für alternative Investment-Chancen. Seine Handelsstrategien sind wissenschaftlich untermauert.

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