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EU-Bankenkrise führt zur Anpassung der Goldpreisprognosen

In der letzten Woche wurde die Notwendigkeit für Goldanlagen – als Alternative zu Spareinlagen – deutlich bewiesen. Der Problemherd sind mal wieder die italienischen Banken und die dortigen Sparkassen. Dort hat sich ein Milliardenloch von rund 400 Mrd. EUR in die Bilanzen gefressen.

Kein Pappenstiel, denn das wären knapp 20 % aller Kredite in ganz Italien. Zusammen mit dem BREXIT und den schwelenden Problemen in Spanien, Portugal, Griechenland und teils sogar Frankreich haben Anleger immer mehr Angst vor der Insolvenz vieler EU-Banken, deren Aktienkurse nur noch ein Schatten ihrer selbst sind.

Muss der Steuerzahler wieder Banken retten?

Die Banken bräuchten wieder höhere Kreditmargen bei Neukrediten, um die alten Problemfälle auszugleichen, was bei Tiefstzinsen nicht möglich ist. Besser wären viele hundert Milliarden an frischem Kapital für eine Rekapitalisierung. Am einfachsten wäre es, Bezugsrechte auszugeben und Kapitalerhöhungen durchzuführen.

Wenn Anleger dieses Geld nicht auftreiben können oder wollen, dann müsste im Zweifelsfall die EZB einspringen. Dies ließe sich aber nur erklären, wenn die Aktien der fraglichen Banken auch zu Kursen von nahe 0 EUR übernommen und neue Aktien ausgegeben würden.

Alles andere wäre eine weitere Rettungsaktion auf Kosten von Bürgern und Steuerzahlern für die Aktionäre. Und auch für die Bankenvorstände, die unfähig waren, für eine vernünftige Kapitalausstattung zu sorgen. Eine Lösung der wirtschaftlichen Probleme Europas und die Gewährleistung eines gesunden Aktienmarktes halte ich ohne eine Rekapitalisierung der Banken für völlig ausgeschlossen.

Banken-Marktkapitalisierung ist ein Armutszeugnis

Die Zusammenstellung der Marktkapitalisierung im DAX-Index verdeutlicht die Problematik: Die größten fünf DAX-Werte SAP, Siemens, Bayer, Deutsche Telekom und BASF weisen eine Marktkapitalisierung von 400 Mrd. EUR aus.

Die Deutsche Bank und die Commerzbank erreichen dagegen zusammen nicht einmal mehr 25 Mrd. EUR oder 6%  der Top-5 des DAX. Der EuroStoxx-Bankenindex sieht kaum besser aus. Dieser besitzt eine Marktkapitalisierung von 377 Mrd. EUR, weniger als 10% aller EuroStoxx-Aktien. Wobei die Länder Spanien, Frankreich und Italien 72 % der europäischen Bankenkapitalisierung ausmachen. Deutschland kommt dabei nur auf einen Anteil von 7 %.

Für die deutsche Wirtschaft ‒ als Zugpferd der EU ‒ ist eine derart geringe Marktkapitalisierung seiner Banken ein Armutszeugnis und ein Riesenproblem. Dieses rührt daher, dass man eine Lösung oder eine Stabilisierung der Banken immer wieder vertagte, statt endlich neue Aktien (durchaus im Verhältnis von 2 neuen für 1 alte Aktie) auszugeben. Unter dem Strich wäre diese Verwässerung um 2/3 wesentlich günstiger, als die gesamte Wirtschaftsentwicklung zu gefährden.

Viele dutzend Milliarden müssen wohl von den deutschen Standardwerten in die Banken umgeleitet werden, auch wenn es den Anlegern nicht schmeckt. Die Alternative dazu wäre eine weitgehende Verstaatlichung bzw. Übernahme der Bank-Vermögen durch die EZB. Darum rechne ich auch im 2. Halbjahr mit Druck auf die Aktienkurse bei den „soliden“ Standardwerten.

Deshalb passen die Banken jetzt ihre zuvor drastisch reduzierten Goldpreisprognosen wieder an die Realität an. Merrill Lynch hob endlich wieder ihre Prognose auf 1.500 US-Dollar für Gold und 30 US-Dollar für Silber an.

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Über den Autor André Doerk

André Doerk ist Chefanalyst des Rohstoff Investors und des Global Highflyer Investors. Der Berliner Finanz- und Börsenspezialist reist regelmäßig zwischen den verschiedenen Finanzzentren der Welt.

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