MenüMenü

Großbanken-Pleite? Rettung unmöglich!

Grundsätzlich wird es bei großen systemrelevanten Banken (wie Deutsche Bank, Goldman Sachs, HSBC etc.) immer auf eines hinauslaufen: Man lässt sie niemals Pleite gehen, weil dies das ganze, auf Schulden aufgebaute Finanzkartenhaus auf einen Schlag zusammenbrechen lassen könnte. Man „rettet“ diese Großbanken. Die Sache hat aber gleich zwei Haken.

Erstens: Im Gegensatz zu früher heißt das aber nicht, dass dadurch IHR Geld sicherer geworden wäre. Nein, nur das Geld der Banken ist sicherer geworden. Denn IHR Erspartes wird zur Rettung mit herangezogen!

Zweitens: Etliche Banken sind viel zu groß, um überhaupt gerettet werden zu können. Derartige Summen kann niemand aufbringen. Hier muss von Anfang an bereits die Schieflage verhindert werden.

Die europäische Bail-In-Regelung kann Sie – trotz Bankenrettung – Ihr Erspartes kosten

Zum ersten Punkt: Ihr Geld. Die europäische Bail-In-Regelung gilt seit Jahresbeginn in der gesamten Eurozone. Ihr Erspartes ist dadurch nicht sicherer geworden, sondern unsicherer. Das erfordert neue Regeln bei der Vermögensverteilung und Geldanlage.

Dazu kommen wir noch. Zunächst einmal: Wie wahrscheinlich ist es überhaupt, dass Ihr Geld bei einer Bankenrettung, beispielsweise der der Deutschen Bank, unter die Räder kommt?

Deutsche Bank-Chef Cryan beteuerte ja erst vor wenigen Tagen, die Bank sei ausreichend mit Liquidität versorgt. Da hat er sogar Recht. Die Sache hat aber wieder zwei Haken:

Erstens: Diese „Liquidität“ ist zum Teil IHR Erspartes. Ihre Kundeneinlagen sind rechtlich ein Kredit an die Deutsche Bank. Ende Juni zeigte die Bilanz der Deutschen Bank zumindest noch Kundeneinlagen in Höhe von 565 Mrd. Euro, wovon 307 Mrd. Euro auf verzinste Kleinkundeneinlagen entfielen. Damit kann die Bank eine Weile über die Runden kommen. Aber:

Zweitens: Keine „Liquidität“ der Welt reicht aus, wenn einen Bankrun auf eine Bank erst einmal in vollem Gange ist. Auch Lehmann Brothers hatte kurz vor dem Bankrott hohe Cashreserven.

Das Dumme war nur, dass die anderen Banken aufhörten, der überwiegend sehr kurzfristig finanzierten Lehman Geld zu leihen. Und dass Lehman satte 40 Mrd. Dollar an Reserven innerhalb weniger Tage verbrauchte. Da war dann ganz schnell Schicht im Schacht.

Liquidität ist (noch) nicht das Problem

Liquidität ist aber gar nicht das Hauptproblem, zumindest nicht aktuell. Zur Not steht die EZB mit zusätzlicher Liquidität bereit. Nur im Falle eines großen Bankruns würde es eng werden.

Das Problem liegt aber beim Kapital. Die 60 Mrd. Euro Eigenkapital der Deutschen Bank entsprechen lediglich einer harten Kernkapitalquote von 10,8 %. Da die Bank kaum Gewinne schreibt und nun auch noch eine hohe Geldstrafe in den USA droht, egal ob nun 5 oder 14 Mrd. Euro, dürfte die Quote weiter sinken. Hinzu kommen mögliche Strafen aus rund 6000 (!) weiteren Prozessen.

Im absoluten Stressfall wären also nur 60 Mrd. Euro vorhanden, um 565 Mrd. Euro an Kundengeldern auszuzahlen. Da müssen Sie ganz weit vorn in der Schlange stehen, um etwas zu bekommen. Klar, man könnte eine Kapitalerhöhung zu Lasten der Aktionäre durchführen. Doch da eine solche den Kurs dramatisch drücken würde, wären die Einnahmen vermutlich sehr überschaubar.

Too big: Allein die Rettung der Kleinkundeneinlagen würde 300 Mrd. Euro kosten

Wenn nun der Staat einspringen müsste, um nur die 300 Mrd. Euro Kleinkundeneinlagen zu retten, käme ein ganz hübsches Sümmchen zustande. Der gesamte Bundeshaushalt 2016 beträgt nämlich 316 Mrd. Euro. Diese Größenordnung hätte nur die Rettung der Kleinguthaben!

Bilanzsummer der Deutschen Bank: 1,8 Billionen Euro – Rettung unmöglich

Aber die Bilanzsumme der Deutschen Bank umfasst insgesamt 1,8 Billionen Euro. Davon den größten Teil in Finanzderivaten, die bei anderen Banken und Anlegern lagern. Eine tickende Zeitbombe für das Finanzsystem.

Unmöglich, das alles zu „retten“! Aber wenn Sie es tröstet: Die Bilanzrisiken chinesischer Banken fallen vermutlich sogar noch etwas höher aus als die der Deutschen Bank. Diese steht mit dem Problem also nicht alleine da.

Die Krisenlösung muss eine Zerschlagung der Großbanken umfassen

Sie sehen: Die Stoßrichtung zur Lösung der Krise bei den Banken muss nicht nur in Richtung einer Erhöhung der Eigenkapitaldecke (durch erwirtschaftete Gewinne) gehen. Sie muss vor allem eine Zerschlagung der Großbanken beinhalten! Erst dann werden die Risiken beherrschbar. Bevor das nicht geschieht – politisch fehlt derzeit offenbar der Wille oder der Verstand/ oder beides – ist Ihr Vermögen bei bestimmten Banken akut gefährdet!

© FID Verlag GmbH, alle Rechte vorbehalten
Über den Autor
Henrik Voigt

Henrik Voigt hat an der renommierten TU Dresden Wirtschaftsingenieurwesen studiert und als einer der Jahrgangsbesten sein Studium abgeschlossen.

Regelmäßig Analysen über Finanzkrise erhalten — kostenlos!
Profitieren Sie von unserem kostenlosen Informations-Angebot und erhalten Sie regelmäßig die neusten Anleger-Informationen von Henrik Voigt. Über 344.000 Leser können nicht irren.