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US-Wahlkampf: So denkt ein amerikanischer Wähler über die Kandidaten

BALTIMORE – „Tommy … für wen werden Sie stimmen?“

Wir stellen die Frage an einen örtlichen Bulldozer-Fahrer, den wir schon mindestens ein halbes Jahrhundert lang kennen.

Tommy ist mittlerweile 80 Jahre alt und einer der letzten einer aussterbenden Generation.

Er wuchs am westlichen Ufer der Chesapeake Bay auf und in seinen ersten Jahren war er noch mit Tabak-Farming beschäftigt. In den 1970er Jahren, als Tabakanbau unrentabel wurde, hörte er mit dem Pflügen der Erde auf und bewegt sie seither nur umher.

Er ist immer noch damit beschäftigt. Und soweit wir das beurteilen, wird er das auch noch weiter tun, bis er die Augen schließt … oder sein Verstand versagt … oder er zufällig ein Vorstadthaus schrottet.

In der Zwischenzeit schiebt er den „Dreck“ mit demselben „spirit“ wie wir hier diese Tagebucheinträge schreiben umher – mit der glücklichen Nonchalance einer Henne, die gerade ein Ei legt.

Kandidaten: „Keiner von denen ist auch nur einen verdammten Pfifferling wert.“

Es war das Memorial Day-Wochenende. Und schwül und heiß. Wir hatten ihn gebeten, mal nachzusehen, ob er nicht ein paar Bäume bei uns im Garten wegmachen könnte. In Maryland wachsen Bäume schnell.

Tommys Familie lebt seit etwa 300 Jahren in diesem Gebiet. Wie nur wenige „Oldies“ spricht er mit einem unverwechselbaren Akzent – eher wie die Leute im tiefen Süden als im Ballungsraum Baltimore.

„Wahlen? Ich weiss nicht. Keiner von denen ist auch nur einen verdammten Pfifferling wert.“

Bloomberg hat einen sog. „unity tracker“ entwickelt, der uns sagt, wie gut es Donald Trump schafft, die Republikaner auf seine Seite zu bringen. Es ist eine Umfrage unter republikanischen Politikern, großen Spendern und sonstig wichtigen „Konservativen.“

Bisher stellen sich 65% hinter „The Donald“. Nur 1,8% enthalten sich der Stimme.

Unsere Vermutung ist, dass das Camp der Trump-Anhänger wachsen wird. Wahlen ziehen wie Lotterien die Massen an. Die Leute wissen, dass Sie spielen müssen, um zu gewinnen.

Ein Trump-Spender hat in etwa eine 50 zu 50 Chance, dass sich seine Investition auszahlen wird. Ein Abstinenzler verzichtet auf das.

Also, die cronies… die Zombies … die Betreiber von des Schatteskabinettes „Deep State“ … Bauunternehmer … Lieferanten – alle versuchen sich an den hellen Stern von Reality-TV-Star Donald Trump dranzuhängen … oder vielleicht an „den zurückhaltender“ blinkenden Planeten Clinton.

Roger Stein, Corey Lewandowski, Steven Mnuchin, Paul Manafort und Laurance Gay – das Trump- Team sprudelt nur so vor Mitläufern, Lobbyisten und Insidern.

Sie sind damit beschäftigt, Versprechen zu machen, um neue Unterstützer zu finden; eine neue Autobahn für ein Viertel … ein neues Gefängnis … mehr Drohnen … mehr Vorteile für die Bundes-Rentner … mehr Pillen … mehr dies… mehr das. All das auf Kosten von jemand anderem, natürlich.

Frau Clinton hat noch mehr Versprecher in ihrem Team. Mr. Trump sagt, dass sein komplettes Wahlkampfteam nur etwa 75 Personen ausmacht. Frau Clinton muss sich um 800 gierige Parasiten kümmern, wenn sie in das Weiße Haus einzieht.

Sanders: Anständiger Kerl mit schrecklichen Ideen

Tommy bewertete die Kandidaten:

„Bernie Sanders ist wahrscheinlich der beste im ganzen schlechten Haufen. Seine Ideen sind zwar schrecklich, aber er scheint ein anständiger Kerl zu sein. Niemand dachte, dass er es überhaupt so weit schafft. Ich erkenne an, dass er auf dem Weg bisher keine großen Versprechen anderen gegenüber machen musste. Außerdem würde der Kongress sowieso nie das tun, was er will. Die Leute, die die Dinge steuern, werden nicht das tun, was Sanders denkt. Schwerer wiegt, dass er wahrscheinlich in wenigen Jahren schon gestorben sein wird. Dann wird er nicht mehr in der Lage sein, Schaden anzurichten. “

Tommy ist wohl der einzige Wähler, der die vermutlich eher kurze Lebenserwartung von Sanders als „Pluspunkt“ im Rahmen seiner Präsidentschaftsbewerbung ansieht. Aber er ist nicht der einzige, der realisiert, dass es letztlich überhaupt keine Rolle spielt, was Sanders denkt oder will.

Das Schattenkabinett „Deep State“ ist ja hier tonangebend. Das einzige, was ziemlich sicher ist, ist, dass die „Menschen, die Dinge steuern“, sich einen Dreck darum scheren, was Sanders denkt.

Das System änderte sich 1971, als Präsident Nixon den Dollar vom Goldstandard entriß. Seitdem hängen die Mächtigen nicht mehr vom Kongress… oder dem Sparer … oder dem Wähler ab, um sich die Mittel zu beschaffen, die sie brauchten.

Die Feds konnten riesige Defizite anhäufen – unabhängig davon, wer im Amt war. Wall Street konnte riesige Gebühren verdienen. Und zwar mit Geldverleih. Das Geld wurde zuvor von niemanden gespart.

Früher schenkten die US-Banken kostenlose Toaster

„Ich kann mich an die 70er Jahre erinnern“, sagte Tommy, als das Gespräch das Thema „Geld“ auf der Agenda hatte.

„Damals wollten die Banken Dein Erspartes noch haben. Sie schenkten Dir sogar noch bei der Kontoeröffnung einen kostenlosen Toaster. Nun benehmen Sie sich so, als ob sie mich nicht kennen oder mein Geld nicht haben wollen, wenn ich mal Geld habe. Ich bin 80 Jahre alt, und ich arbeite genauso wie ich es vor 50 Jahren tat. Außer daß ich jetzt weniger Geld zur Verfügung habe als damals.“

Warum wollen die Banken nicht mehr unser Geld haben?

Sie brauchen es nicht mehr. Wenn Banken einen Kredit vergeben, schaffen sie sofort neue Geldguthaben. Dazu braucht es nichts außer ein paar Tastenanschläge auf einem Computer. Man braucht keine bestehenden Ersparnisse dazu.

Aber reale Ressourcen – Zeit und Geld – sind begrenzt. Wenn die Banken also nach außen so tun, als ob heutzutage für Kredite reale Ersparnisse nötig sind, führen sie Investoren und Verbraucher in die Irre.

Statt sorgfältig ihr wertvolles Kapital nur für Projekte zu vergeben, die sich auszahlen, begannen sie damit, mit Kapital um sich zu werfen –  Nullprozent-Hypotheken, Boni für die Vorstände, Aktienrückkäufe, McMansions und Multimillionen-“Kunst“.

Das „Saatkorn“, das höhere Produktivität und höhere Löhne bringen sollte, wurde vergebens eingesetzt. Stattdessen haben wir finanziellen Pseudo-Kredit-Mais kreiert; es sieht zwar aus wie die reale Sache, aber es erzeugt keine Ernte.

„Fehlleitung von Ressourcen“, sagten wir zu Tommy, um zu erklären, warum wir heute nicht reicher sind als vor 40 Jahren … und wie Geld für lau eine Wirtschaft vergiftet.

„Ich weiß nicht so recht. Aber wenn Du Deine Bäume gefällt haben willst, werde ich dies für Dich machen.“

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Über den Autor Bill Bonner

Im Jahr 1978 gründete Bill Bonner das Unternehmen, welches heute als Agora Inc. bekannt ist.

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