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Hohes Abwärtsrisiko für den US-Aktienmarkt

BALTIMORE –

Nicht viel Action war am US-Aktienmarkt in der vergangenen Woche geboten.

Ein paar kleine Schritte aufwärts…ein paar kleine Schritte nach unten. Der Dow tat und tut sich aber erkennbar schwer, die runde Marke von 18.000 nachhaltig zu überwinden. Wir bleiben hier genau am Ball.

Fed-Chefin Janet Yellen hat indes deutlich gemacht, dass sie nichts tun werde, um Investoren den Schlaf zu rauben.

Aber das bedeutet nicht, dass die Investoren keine Alpträume haben. Oder haben sollten.

Abwärtsrisiko

Unsere Researchabteilung – unter der Leitung von Nick Rokke und Chad Champion – hat herausgefunden, dass Sie zu keinem Zeitpunkt in der US-Börsengeschichte weniger an den US-Kapitalmärkten für Ihr Geld bekommen haben als jetzt.

Das ist keine gute Nachricht. Es sagt uns, dass es weit mehr Abwärtsrisiko als Aufwärtspotenzial gibt.

Und das Ganze ist auch noch in einer Zeit, in der sich das Wachstum der US-Wirtschaft immer weiter verlangsamt.

Vom Hoch, das bei einem jährlichen BIP-Wachstum von 3,9% im zweiten Quartal 2015 lag, ging es deutlich nach unten. Für das erste Quartal 2016 wird nur noch eine annualisierte Wachstumsrate von 0,8 Prozent veranschlagt.

Und jüngst haben wir gelernt, dass es beim Jobwachstum bedenklich haperte im Mai. Es wurden nur 38.000 neue Arbeitsplätze geschaffen. Zum Vergleich, die Wall Street erwartete ein Job-Plus von 162.000 neue Arbeitsplätzen.

Bittere Fakten

Im Übrigen war es der schlechteste Arbeitsmarktbericht seit sechs Jahren. Die Erwerbsquote – sprich der Anteil der Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter, der entweder arbeitet oder auf der Suche nach Arbeit ist- verfiel auf ein Niveau, das es seit dem Jahr 1976 nicht gegeben hat.

Diese Dinge, diese bitteren Fakten, rechtfertigen keinesfalls hohe Aktienkurse. Stattdessen surren sie in Ihren Ohren wie Mücken bei einem abendlichen Picknick. Das Zika-Virus kann nicht mehr weit weg sein.

Wahrscheinlich sind die ersten Erschütterungen schon in der Realwirtschaft angekommen. Wenn sie nicht schon jetzt begonnen hat, wird die Rezession wahrscheinlich irgendwann in den nächsten 12 Monaten beginnen.

Nick fand weiter folgendes heraus:

„Gemessen am EV/EBITDA-Ratio wird der Russell 2000 Index, der die Aktien kleiner US-Unternehmen abbildet, so hoch bewertet wie nie zuvor in der Geschichte. EV steht für den Unternehmenswert. Dieser bildet den Wert aller Aktien zuzüglich aller Schulden ab.

EBITDA steht für das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen. Es ist das reinste Maß der Bewertung von Unternehmensergebnissen.

Das EV/EBITDA-Multiple wird oft hergenommen, wenn man Übernahmen prüft. Wenn das Multiple niedrig ist, wird das Unternehmen zum Übernahmeziel. Dies schafft einen Boden und verhindert, dass die Preise fallen. Wenn es Allzeithochs erreicht, liegt der Boden weit unter den aktuellen Preisen.“

Historische Muster im Fokus…

Das EV/EBITDA-Ratio für den Russell 2000 liegt derzeit bei etwa 19. Dies ist nur knapp unter seinem Allzeithoch von 21 zu Beginn des Jahres 2016. Zu Jahresanfang war die Bewertung also noch viel absurd höher gelegen.

Normalerweise, und das war im langfristigen historischen Vergleich immer so der Fall, wird der Index mit einem 12er-Ratio bewertet. Das entspricht und ergibt aktuell ein Rückschlagspotenzial von 38 Prozent für den Small-Caps-Index. Oder, anders formuliert, ein solcher Rückgang wäre einer der fünf schlimmsten Börsenmärkte der letzten 90 Jahre.

Natürlich haben wir vorher falsch gelegen. Unser jugendlicher Mut hat unsere früheren Prognosen begleitet. Wie auch immer, seit wir uns mit der Arthritis herumplagen, ist dieser Mut abhandengekommen.

Erfahrungen aus der Vergangenheit

Nun wagen wir uns nicht mehr an Vorhersagen heran und bieten auch keine Prognosen mehr an. Wir stellen fest, dass es, basierend auf den aktuellen Bewertungen, wahrscheinlich kein guter Zeitpunkt ist, bestehende Bestände an US-Aktien noch weiter auszubauen.

Denken Sie daran, unsere Anlagestrategie basiert auf Ignoranz, nicht auf Wissen. Wir haben keine Kenntnis über die Zukunft. Alles, was wir zu bieten haben, ist ein trübes Bewusstsein für die Vergangenheit.

Was wir in der Vergangenheit sehen, sind einfach nur Muster. Und da diese Muster in vielen verschiedenen Märkten über viele Jahre hinweg zu sehen sind und waren, gehen wir davon aus, dass sie ziemlich zuverlässig sind. Und auch sein werden.

Also, auch wenn wir nicht vorhersagen können, dass der Aktienmarkt nach unten gehen wird … oder wann … oder auf welches Niveau … können wir immer noch feststellen, dass er bei derart hohen Bewertungen in der Vergangenheit immer nach unten gegangen ist. Auch wenn es dafür keinen zuverlässigen Zeitplan gibt.

Die Sprache der Zyklen

Vielleicht ist es ja dieses Mal tatsächlich anders. Wahrscheinlich ist es aber nicht.

US-Aktien sind teuer. Die bestmögliche Annahme ist wahrscheinlich, dass sie in Zukunft weniger teuer sein werden. Dann werden sie wieder teuer werden.

Beachten Sie, dass diese Zyklen von extrem langfristiger Natur sind. Der US-Aktienmarkt erreichte ein Hoch im Jahr 1929. Es dauerte damals 25 Jahre, also bis zum Jahr 1954, ehe dieses Hoch wieder erreicht wurde.

Es gab in der Zwischenzeit eine ganze Reihe neuer Hochs. Und zwar u.a. in den Jahren 2000 und 2007. Aber das aktuelle ist höher als die beiden vorigen. Das ist richtig. Es könnte also ein ganz großes Hoch sein…..

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Über den Autor Bill Bonner

Im Jahr 1978 gründete Bill Bonner das Unternehmen, welches heute als Agora Inc. bekannt ist.

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