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Donald Trump sieht USA vor schwerer Rezession

Gestern wies ich in meinem Artikel auf die Gefahr einer bevorstehenden Job-Rezession in den USA hin.

Nur wenig später machte ein Interview des republikanischen US-Präsidentschaftsbewerbers Donald Trump in der Washington Post die Runde, welches genau in die gleiche Richtung zielt.

In (zumindest für andere Präsidentschaftskandidaten) ungewöhnlich offenen Worten warnte Trump davor, dass die US-Wirtschaft vor einer schweren Rezession stehe, der Aktienmarkt überbewertet und die Lage am Arbeitsmarkt viel schlechter sei, als offiziell ausgewiesen wird.

Damit trifft er leider den Nagel auf den Kopf. Gemäß dem „Buffett-Indikator“, die Gesamtmarktkapitalisierung der US-Aktien im Verhältnis zur US-Wirtschaftsleistung abbildet, ist der US-Markt derzeit um 20% überbewertet.

Ebenso befinden sich die Kurs-Gewinn-Verhältnisse der US-Aktien deutlich über dem historischen Durchschnitt. Wobei die Komponente „Gewinn“ stark nach oben verzerrt ist, weil zuletzt gern an den Bilanzrichtlinien US-GAAP vorbei bilanziert wurde. Mit anderen Worten: In den Bilanzen ist jede Menge Fantasie, aber kaum Substanz enthalten.

Das kennen wir noch aus dem Jahr 2000, oder? Die tatsächliche Überbewertung dürfte also noch höher ausfallen. Die Kurse wurden zuletzt vom billigen Geld der US-Notenbank, Aktienrückkäufen der Unternehmen und eben fantasievollen Bilanzierungen nach oben getrieben. Ob das noch lange gutgehen kann, wissen nur die Götter.

Trump spricht gar von einer wirtschaftlichen Blase, die zu platzen drohe. Und tatsächlich deutet sich seit zwei Jahren bei allen maßgeblichen US-Indizes so etwas wie eine große obere Umkehrformation an. Was fehlt ist noch der entscheidende Sturz über die Klippe.

Diesen konnte die US-Börse  mit der kräftigen Märzerholung bisher vermeiden. Doch ab Mai bläst wieder saisonal schwacher Gegenwind ins Gesicht. Zudem könnte bereits früher die nächste schwache Bilanzsaison der Jubelstimmung den Garaus machen.

Die offizielle Erwerbslosenquote liegt in den USA derzeit bei fünf Prozent. Jeder halbwegs ernstzunehmende Ökonom weiß, dass diese Zahl geschönt ist und in Wahrheit um ein Vielfaches höher liegt.

Trump sieht die Arbeitslosenquote sogar bei bis zu 20 Prozent, was bezüglich der in den letzten 25 Jahren immer weiter abgeänderten statistischen Erfassung durchaus realistisch erscheint. Aus dem Heer der Arbeitslosen und Nichterfassten dürfte sich das Wählerpotenzial Trumps zu erheblichen Teilen speisen.

Auch die Qualität der neu geschaffenen Jobs ließ in den letzten Jahren stark zu wünschen übrig, da 65 Prozent im Niedriglohnsektor entstanden während im Hochlohnsektor fleißig abgebaut wurde. Was dies für den durchschnittlichen Lebensstandard bedeutet bedarf keiner weiteren Erläuterung.

Die US-Präsidentenwahl im Herbst hat auch aus den oben angeführten Gründen den Charakter einer Protestwahl. Donald Trump hat trotz (oder wegen?) aller Entgleisungen und Verrisse in der Presse und beim Establishment beste Chancen, diese Wahl zu gewinnen.

Ob er in der Lage sein wird, die nächste US-Rezession (2017?) aufzuhalten, muss bezweifelt werden. Aktuell ist Trump für viele Amerikaner ein ähnlicher Hoffnungsträger wie Obama vor 8 Jahren. Obama hat auf ganzer Linie enttäuscht. Bei Trump werden wir nach der Wahl schlauer sein.

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Über den Autor Henrik Voigt

Henrik Voigt hat an der renommierten TU Dresden Wirtschaftsingenieurwesen studiert und als einer der Jahrgangsbesten sein Studium abgeschlossen.

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