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Achtung: US-Steuerreform führt zu heftigen Turbulenzen

Wie Sie vermutlich mitbekommen haben, steht US-Präsident Donald Trump unmittelbar vor seinem größten Erfolg. Noch vor Weihnachten wird seine Mega-Steuerreform wahrscheinlich alle wichtigen politischen Hürden genommen haben.

Bürger und Unternehmen sollen dadurch um rund 1,6 Billionen Dollar entlastet und damit gleichzeitig eine gigantische Konjunkturrakete gezündet werden. Während die Finanzmärkte den Durchbruch vom Wochenende feiern, rate ich zu großer Vorsicht und Besonnenheit. Die Champagnerlaune dürfte schon bald verflogen sein. Den Märkten drohen Verwerfungen und Turbulenzen. Es riecht nach Crash.

Es ist die größte Steuerreform seit Jahrzehnten

Nach Berechnungen der Commerzbank sparen allein die amerikanischen Unternehmen rund 700 Milliarden Dollar. Weil die Körperschaftssteuer von 35 auf 20 Prozent abgesenkt werden soll. Außerdem bekommen die Konzerne bessere Abschreibungsmöglichkeiten. Die dadurch frei werdenden Mittel könnten sie für zusätzliche Investitionen nutzen. Auch Privathaushalte sollen umfangreich entlastet werden. Was wiederum in den den Konsum fließen dürfte.

Auch wenn völlig unklar ist, wie die Steuersenkungen finanziert werden sollen, so ist eines dennoch sehr wahrscheinlich: Das zusätzliche Geld wird die US-Wirtschaft befeuern und ihr einen weiteren Schub geben.

Erhebliche Risiken für die Kapitalmärkte

Trotz der mittlerweile fast grenzenlosen Euphorie, sollten Sie die aktuelle Partystimmung mit großer Vorsicht genießen. Im Rückspiegel betrachtet, könnte die Steuerreform für einen grundlegenden Wechsel an den Finanzmärkten in die Geschichtsbücher eingehen. Und ebenso für Verwerfungen und Turbulenzen.

Mit folgenden Auswirkungen rechne ich durch die Steuerreform

  • Der amerikanischen Wirtschaft droht eine Überhitzung. Schon jetzt steht sie nahezu unter Volldampf. Im vergangenen Quartal wuchs die US-Konjunktur auf das Jahr hochgerechnet um 3,3 Prozent. Das ist so stark wie seit drei Jahren nicht mehr.
  • Die Inflation dürfte deutlicher anziehen als erwartet. In ihrem jüngsten Konjunkturbericht warnt selbst die US-Notenbank Fed vor zunehmenden Preisdruck. Die Steuerreform dürfte die Inflation weiter anheizen. Ich rechne damit, dass schon bald die wichtige Inflation oberhalb der Fed-Zielmarke von zwei Prozent liegen wird.
  • Die US-Notenbank dürfte gezwungen sein, die Zinsen stärker anzuheben als erwartet. Bereits in diesem Monat werden die Zinsen zum vierten Mal seit Ende 2016 angehoben. Für 2018 rechne ich jetzt mit mindestens zwei weiteren Zinsschritten. An den Kapitalmärkten könnte es dann zu gewaltigen Umschichtungen kommen. Raus aus risikoreichen Anlagen, die über Jahre gut gelaufen sind, und rein in sichere Anlagen.
  • Steigende Inflation plus steigende Zinsen plus eine überhitzte Konjunktur bieten einen perfekten Nährboden um das Finanzsystem aus dem Gleichgewicht zu bringen. In den letzten Jahren wurde das System fein ausbalanciert. Teils durch Manipulationen, teils durch historische und zufällige Ereignisse. Wie beispielsweise den wirtschaftlichen Aufstieg Chinas und die Globalisierung. Beides hat die Inflation über einen sehr langen Zeitraum im Keim erstickt.
  • Für die Notenbanken beginnt jetzt der schwerste Teil des mittlerweile zehn Jahre andauernden Experiments. Die Spannungen und Ungleichgewichte werden zunehmen. Probleme, wie eine unbequeme Inflation und ein Zinsniveau, das die Welt aufgrund der extremen Verschuldung überhaupt nicht gebrauchen kann, sind nur einige Probleme, mit denen sich die Notenbanker in 2018 herumschlagen müssen.

Die angeblich heile Finanzwelt der vergangenen Jahre bekommt derzeit große Risse. Die Gefahren nehmen zu. Über Jahre haben die Notenbanken mit ihrer ultralockeren Geldpolitik jedes Problem unterdrückt. Und die Welt mit Unsummen von Geld vollgepumpt. Für die Finanzmärkte waren das paradiesische Zustände. Und nahezu einmalig in der Geschichte.

Die Rahmenbedingungen ändern sich. Gerade die US-Börsen sind zu heiß gelaufen. Als gutes Beispiel zeige ich Ihnen gerne den Dow Jones. Der Index befindet sich in einer Übertreibungsphase. Die Kursentwicklung würde ich mittlerweile als so genannte „Fahnenstange“ bezeichnen. Also eine Entwicklung, die ohne größere Unterbrechungen irgendwann fast senkrecht nach oben geht. Und die früher oder später immer zu heftigen Reaktionen nach unten führt. Derzeit deutet vieles auf einen Crash hin.

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Über den Autor Thomas Schwarzer

Thomas Schwarzer ist ein Wirtschafts- und Börsenexperte mit ausgeprägter Erfahrung im Wirtschafts- und Börsenjournalismus.

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