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Was passiert bei einem großen Schuldenausfall? Fällt Italien, fällt die EZB

Die Deutsche Bundesbank haftet mit 196 Mrd. Euro für die Schrottbilanz der EZB. 196 Mrd. Euro, die von Ihnen, dem deutschen Steuerzahler, eingetrieben werden. Dies gilt im Fall eines überschaubaren Schuldenausfalles.

Ein Totalausfall eines Großschuldners – etwa durch einen Euro-Austritt Griechenlands oder Italiens – wäre jedoch eine ganz andere Hausnummer.

Was passiert bei einem großen Schuldenausfall?

Aktuell scheint ein Zahlungsausfall bei einem großen Anleihenschuldner nicht unmittelbar bevorzustehen, nachdem der Haupt-Brandherd Griechenland wieder einmal mit neuen Überbrückungskrediten aus den Schlagzeilen gehievt wurde.

Doch mit den Banken Italiens wartet bereits der nächste große Brocken auf „Rettung“. Hier stehen per Juli 2016 bereits 200 Mrd. Euro auf „akut ausfallgefährdet“! Weitere 160 Mrd. Euro sind „notleidend“, weil die Schuldner schon keine Zinsen mehr zahlen können. Tendenz: Exponentiell steigend!

Allein Italiens Banken würden in einem ungünstigen Szenario also bereits 360 Mrd. Euro verschlingen, was wiederum ein Vielfaches des Eigenkapitals der Europäischen Notenbanken wäre.

Manche Bankexperten gehen sogar noch von deutlich höheren Summen aus, die eine Sanierung der italienischen Banken kosten würde: Nämlich von 565 bis sogar 1000 Mrd. Euro!

Sie sehen: Im Gegensatz zur scheibchenweisen „Rettung“ Griechenlands kostet ein großer Brocken wie Italien noch viel mehr Geld. Geld, das man gar nicht hat.

Worst case: Der ungeordnete Euro-Austritt Italiens

Der worst-case wäre aber ein ungeordneter Euro-Austritt Italiens – verbunden mit der Erklärung, mit der Rückkehr zur Lira die auf Euro lautenden italienischen Staatsschulden nicht mehr zu bedienen.

Nach Lage der Dinge – die italienische Anti-Euro-Bewegung „5 Sterne“ liegt in Wahlumfragen auf Platz 1 und hat genau dies nach einer Volksbefragung vor – kein unrealistisches Szenario. Italien ist einer der größten Anleihenschuldner der Welt.

In einem solchen worst-case stünde die gesamte Eurozone vor der Währungsreform. Deshalb ist Italien so brisant.

Die drittgrößte Volkswirtschaft der Eurozone (Italien) ist bereits so gut wie pleite und kann die Bankenrettung daher nicht aus eigener Kraft stemmen. Die Schuldenquote liegt mit 130 Prozent des BIPs höher als in allen anderen EU-Ländern mit Ausnahme von Griechenland (175 Prozent).

Fällt Italien, fällt die EZB

Gleichzeitig halten die italienischen Banken einen Großteil der italienischen Staatsschulden. Ebenso wie die EZB, die im Rahmen ihrer Anleihenkäufe vor allem auch Schuldtitel Italiens gekauft hat. Stolpert also eine der drei Parteien EZB, italienischer Staat oder italienische Banken, fallen die anderen beiden mit.

Doch damit nicht genug: Französische Banken (278 Mrd. Euro) und deutsche Banken (90 Mrd. Euro) sind durch die Vergabe von Krediten und Anleihen ebenfalls am stärksten mit Italiens Banken verflochten und daher nicht weniger gefährdet.

Bei einer Pleitewelle italienischer Banken wäre eine Kettenreaktion quer durch die EU die Folge.

Deshalb versichert man jetzt auch eiligst eine „baldige Lösung“. Aus welchen Mitteln auch immer. Nur schnell muss sie kommen, weil das Eigenkapital der gefährdeten Banken durch immer neue Kreditausfälle schon fast aufgebraucht ist.

Da stellt sich wirklich die Frage, wie lange die Konkursverschleppung der EZB noch funktionieren kann.

Offenlegung gemäß §34b WpHG wegen möglicher Interessenkonflikte: Der Autor ist in den besprochenen Wertpapieren bzw. Basiswerten dieser Ausgabe investiert.

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Über den Autor Henrik Voigt

Henrik Voigt hat an der renommierten TU Dresden Wirtschaftsingenieurwesen studiert und als einer der Jahrgangsbesten sein Studium abgeschlossen.

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