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Großbritannien und die Märkte

Die Briten wollen raus aus der EU – oder zumindest drohen einige britische Politiker dem europäischen Festland mit diesem Szenario, allen voran der britische Premierminister David Cameron.

Einen Volksentscheid soll und wird es geben, in dem die Briten über den Verbleib ihres Landes in der Europäischen Union abstimmen werden. Der Ausgang dieses Entscheides ist derzeit noch völlig unvorhersehbar.

Aber zumindest auf politischer Ebene baut Cameron eine Drohkulisse auf, die es ihm erlaubt, seinen noch-Partnern in der EU Forderungen zu stellen, die erfüllt werden sollen, damit Cameron dann seinen Landsleuten eine Abstimmung zum Verbleib in der EU ans Herzen legen kann.

Camerons Forderungen: 1. mehr Souveränität

Verhandlungen über diese Forderungen beim aktuellen EU-Gipfel blieben gestern ergebnislos, und auch heute Vormittag waren Einigungen zwischen Großbritannien und der EU noch nicht absehbar.

Strittig sind vor allem drei Forderungen Camerons, der zum einen will, dass die EU-Politik weniger Einfluss hat auf nationale Entscheidungen in der UK. Cameron fordert stattdessen mehr Selbstständigkeit für sein Land innerhalb der EU und die Stärkung der nationalen Parlamente in Bezug auf EU-Gesetzgebung.

Außerdem will London seine Beziehungen zum Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg reformieren.

2. UK soll nicht für Euro zahlen

Eine zweite zentrale Forderung Camerons ist, dass Großbritannien sich nicht an Kosten für eine Stabilisierung des Euro beteiligen soll. Großbritannien ist zwar Mitglied der Europäischen Union, aber eben nicht der Euro-Gruppe, sondern hat mit dem britischen Pfund seine eigene Währung.

Eine Kostenbeteiligung zur Euro-Stabilisierung sei laut Cameron eine deutliche Benachteiligung Großbritanniens gegenüber der Eurogruppe. Sein Land soll also nicht für Kosten aufkommen, mit denen es nichts zu tun hat.

3. Weniger Sozialleistungen für EU-Bürger in Großbritannien

Die dritte strittige Forderung betrifft Sozialleistungen für EU-Bürger, die in Großbritannien unterhalb des Mindestlohns arbeiten. Wie britische Arbeitnehmer auch, bekommen in Großbritannien lebende und arbeitende EU-Bürger vom Staat bestimmte Vergünstigungen wie Kindergeld oder Steuererleichterungen.

Diese Zuschüsse soll es nach Cameron nun erst nach vier Jahren geben. Damit will der britische Premierminister auch den Zuzug von Menschen nach Großbritannien verringern, was seit Jahr und Tag ein politisch heißes Thema auf der Insel ist.

Der DAX nimmt es gelassen

Die Folgen eines Austritts Großbritanniens aus der EU sind, genau wie das Ergebnis des Volksentscheids, schwer vorherzusagen. Sicherlich dürften die Märkte im Falle eines Brexit erst einmal stark fallen, vor allem wenn die Volksabstimmung, für die bisher noch kein Termin feststeht, in die saisonal schwachen Sommermonate fallen sollte.

Wenn Märkte eine Sache nicht gut verkraften, dann ist es Unsicherheit. Und der Ausstieg eines der wirtschaftlich stärksten Mitgliedsstaaten aus der Europäischen Union dürfte für immense Unsicherheit sorgen.

Der DAX bleibt der weil gelassen. Zwar korrigiert der Kurs heute leicht, was aber nach den deutlichen Kursgewinnen im Laufe der Woche völlig normal ist. Nach den deutlichen Verlusten seit Monatsbeginn konnte der deutsche Leitindex konnte in den letzten Tagen ein Kursplus von über 5% verbuchen.

Allerdings ist der übergeordnete Abwärtstrend seit Jahresbeginn weiterhin intakt. Für einen Trendwechsel müssen die Bullen den DAX im Laufe der nächsten Woche deutlich über die 9.500 Punkte treiben und dürfen den Kurs nicht unter das dieswöchige Tief bei knapp 9.100 Punkten fallen lassen.

Das Pfund gerät unter Druck

Ganz anders sieht die Kurssituation im britischen Pfund aus. Hier macht sich die Brexit-Unsicherheit sehr viel deutlicher bemerkbar. Seit Jahresbeginn hat der Euro gegenüber dem Pfund bereits knapp 7% an Boden gewonnen und stieg im Hoch bis auf knapp 0,80GBP an.

So teuer war ein Euro in Pfund zuletzt im Dezember 2014. Gegenüber dem US-Dollar fallen die jüngsten Kursverluste nicht ganz so dramatisch aus. Allerdings ist die EU auch der wesentliche wichtigere Handelspartner für Großbritannien.

Ich rechne damit, dass sich die Debatte um den Brexit auch noch stärker auf den DAX auswirken wird, vor allem dann, wenn das Datum für den Volksentscheid steht und Hochrechnungen einen knappen Ausgang vorhersagen.

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Über den Autor Thomas Kallwass

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