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Eurokrise: Wie nahe ist der Euro dem Zusammenbruch?

Unternehmen müssen sofort Insolvenz anmelden, wenn ihre Verbindlichkeiten ihr Vermögen übersteigt, weil sie dann ihren Verpflichtungen nicht mehr nachkommen können. Alles andere würde den Straftatbestand der „Konkursverschleppung“ erfüllen.

Für Notenbanken gilt das jedoch nicht, denn diese können einfach neues Geld nachdrucken, um ihren Zahlungsverpflichtungen doch noch nachzukommen. Die EZB beschrieb das in einem Papier vor kurzem allen Ernstes so: Zentralbanken sind vor der Insolvenz geschützt, weil sie Geld schaffen und dadurch auch mit negativem Eigenkapital operieren können (EZB-Publikation Seite 14, Fußnote 7).

EZB-Konkursverschleppung funktioniert nur in der Theorie

Leider funktioniert das so nur in der Theorie realitätsfremder Eurokraten. In der Realwirtschaft wir der technische Bankrott einer Zentralbank auch zügig den realwirtschaftlichen Bankrott nach sich ziehen, weil das neue gedruckte Geld rapide an Akzeptanz und Wert – bis hin zur Hyperinflation – verliert.

Das zeigt das Beispiel Simbabwe sehr eindrucksvoll. Weitere Beispiele finden sich mit Venezuela, Argentinien oder auch Deutschland nach dem Ersten Weltkrieg. In allen diesen Fällen versuchte die jeweilige Zentralbank einen insolventen Staat durch eine Schuldenübernahme zu retten und druckte gleichzeitig neues Geld, um die Verluste für die wertlosen Schuldtitel auszugleichen.

Hyperinflation und ein Zusammenbruch der Währung waren die unmittelbare Folge. Danach kam es zu einer Währungsreform. Und genau das ist auch das Modell für die Zukunft der Eurozone.

Wie schnell es zu einem solchen Horror-Szenario kommt, hängt freilich vom Ausmaß der eingefahrenen Verluste durch die Notenbanken ab. Ist der Fehlbetrag einer Notenbank nur gering, ließe sich das tatsächlich noch über die Notenpresse kompensieren (ggf. über mehrere Jahre). Die Folge wäre Inflation, unter Umständen im zweistelligen Bereich oder sogar noch höher.

Ist der Euro bereits ausfallgefährdet?

Dazu reicht es bereits aus, dass die Märkte das Vertrauen in die betreffende Währung verlieren. Der Euro beispielweise notiert derzeit um die 1,10 zum US-Dollar. Und damit auf dem tiefsten Stand seit 13 Jahren.

Er hat seit seinem Hoch bei 1,60 im Jahre 2008 schon ein Drittel an Wert verloren. Und das nur im Vergleich zum US-Dollar, also eine er anderen, nicht unbedingt vertrauenswürdigen Papierwährung mit hohen Bilanzrisiken.

Euro in US-Dollar Langfristchart

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Wirklich dramatisch ist das allerdings noch nicht. In den Jahren 2000 bis 2002 sah es (zurückgerechnet, die Euro-Bargeldeinführung erfolgte erst im Jahr 2002) noch wesentlich düsterer aus. Allein bis zu diesem Niveau wären noch weitere 25 % Luft nach unten. Erst unterhalb dieses Niveaus würde ich tatsächlich die Endphase der Eurokrise ausrufen.

Euro: Seit 8 Jahren kontinuierliche Verschlechterung

Andererseits: Der Euro befindet sich nun schon seit 8 Jahren kontinuierlich auf dem Rückzug. Die Sache wird also nicht besser, sondern eher schlimmer. Erst vor wenigen Wochen hatte dieser die Chance, zu einer großen Erholung gegen den US-Dollar anzusetzen.

Die Tatsache, dass dieses (vermeintliche) Kaufsignal scheiterte, ist ein weiteres Armutszeugnis für die Euro-Retter. Der Markt misstraut dem Braten also weiterhin. Solange das so bleibt, behalten auch die Euro-Skeptiker Recht. Eine durchgreifende Besserung wäre erst bei Wechselkursen oberhalb von 1,40 in Sicht.

Jetzt verstehen Sie vielleicht auch die Rettungswut der Euro-Retter gerade in Bezug auf Griechenland. Der wenig geistreiche Spruch „Scheitert Griechenland, scheitert der Euro“ ist insofern richtig, als ein großer Ausfall griechischer Staatsanleihen das Euro-Zentralbanksystem an den Rand des Zusammenbruchs bringen werde (oder zumindest eine Hyperinflation brächte).

Auch wenn Griechenland mit den „Rettungspaketen“ nie gesunden wird: Zumindest wird der Bankrott des Euro-Systems damit immer weiter verschoben. Bis eines Tages ein anderes Euro-Mitgliedsland strauchelt (Italien?) und die geplante Konkursverschleppung endgültig und unwiderruflich auffliegt.

Sicher. Es kann auch alles gut gehen. Märchen werden aber leider selten wahr.

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Über den Autor Henrik Voigt

Henrik Voigt hat an der renommierten TU Dresden Wirtschaftsingenieurwesen studiert und als einer der Jahrgangsbesten sein Studium abgeschlossen.

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