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Eurokrise: Schon 10% Ausfallquote setzen die EZB schachmatt 

Gestern hatten wir uns die erste europäische Gemeinschaftswährung angesehen, die von 1865 bis 1927 galt.

Vor allem wegen ihrer erstaunlichen Parallelen zur heutigen Situation des Euros (wirtschaftlich strake Nordländer gegen budgetmäßig undisziplinierte Südländer, viel zu lockere Geldpolitik, Haupt-Delinquenten Italien und Griechenland samt Schuldenschnitt und Rauswurf etc.) ist die Analyse dieser Währungsunion interessant.

Vor allem unter dem Aspekt: Was machen wir heute besser?

Schon wenige Jahre nach Gründung der Münzunion wurden deren Konstruktionsfehler so offensichtlich und die Krisen so zahlreich, dass immer mehr Menschen vor allem in den wirtschaftlich starken Nordländern deren Auflösung forderten.

Belgien trat 1885 sogar kurzzeitig aus. Dennoch sollte die Union insgesamt 62 Jahre fortbestehen! Ähnlich wie heute die Target-2-Salden waren es damals die großen Mengen südländischer Münzen in nordländischem Besitz, die bei einem Auseinanderbreche  rapide an Wert verloren hätten.

Die Angst vor den Kosten des Exits ließ die Nordländer daher fleißig weiter die Defizite des Südens finanzieren. Was über die Jahrzehnte wahrscheinlich wesentlich teuer war. Und am Ende stand doch der finale Kollaps im Gefolge des 1. Weltkrieges.

Sein wirtschaftlicher Kollaps führte bis 1927 zum endgültigen Ende der Münzunion. Ob der Euro uns auch 62 Jahre lang Knete kosten wird? Das Exit-Datum wäre dann im Jahr 2064 zu finden. Da leben die meisten der heutigen Crashpropheten wahrscheinlich schon nicht mehr.

Was macht die EZB heute anders?

Sicher: heute haben wir die Europäische Zentralbank, die den nationalen Notenbanken Disziplin aufzwingt. Leider ist das Theorie. Die Stabilitätskriterien von Maastricht wurden ganz nach gerade vorherrschendem politischen Gutdünken ebenso über Bord geworfen, wie die No-Bail-Out-Klausel, die undisziplinierten Staaten eigentlich die Konsequenzen ihres Handelns hätte vor Augen führen sollen.

Zudem herrschen unangenehme Mehrheitsverhältnisse in der Europäischen Zentralbank: „one Country, one vote“ – egal wie groß die Haftungssumme ist. Somit kann das ungleich höher haftende Deutschland auch leicht von einem Zwergstaat wie Malta matt gesetzt werden. Kommt noch Griechenland dazu, ist es überstimmt.

Und genauso sieht die lockere Geldpolitik dann auch aus: Risiken in der Notenbankbilanz, bis der Arzt kommt. Bereits ein 10%-Ausfall der gefährdeten Bilanzposten bringt die EZB an den Rand des Bankrotts! Ich berichtete ich den vergangenen Tagen ausführlich darüber.

Und was soll das Gefasel von einer politischen Union, die alle Probleme beseitigen würde? Wer will diese denn überhaupt außer den paar machtgeilen Eurokraten in Brüssel? Was schon als Währungs- und Wirtschaftsunion nicht funktioniert, wird als politische Union vollends scheitern.

Schon der deutsche Historiker Dominik Geppert schließt es aufgrund der Geschichte der lateinischen Währungsunion aus, dass machtpolitische Rivalitäten durch eine Währungsunion beendet werden könnten. Zumal eine solche Ordnung zwingend eine Regelung zum Austritt beinhalten müsse. Die fehlt dem Euro leider gänzlich, weil nie vorgesehen war, was nicht sein darf.

Das Rührei schlussendlich wieder zurück in die Eierschalen zu befördern, dürfte nun tatsächlich so teuer werden, dass wir wie damals mit der Münzunion noch mehrere Jahrzehnte weiter wursteln werden. Zumal die allgemeine EU-Austritts-Phobie munter von der Medienmaschinerie am Laufen gehalten wird.

Ich bin schon gespannt auf das 56. Rettungspaket für Griechenland, dem sich ein 23. Für Italien und eine 14. Für Spanien hinzugesellen werden. Des Weiteren freue ich mich auf das Renteneintrittsalter mit 87, den Flüchtlings-Soli auch für Familien-Nachzieher der 17. Generation und den Südländer-Reform-Soli.

Ohne Wechselkurs zur Steuerung keine Lösung

Schon Robert A. Mundell stellte in seiner „Theorie des optimalen Währungsraumes“ den Wechselkurs als wichtiges Politikinstrument heraus, welches in Währungsunionen gerade fehlt. Deshalb müssen diese scheitern.

Zumindest dann, wenn es sich um wirtschaftlich heterogene Staaten handelt. Was in Europa zweifelsohne der Fall ist (bei einer Nord- und einer Südunion würde sich das Problem womöglich entschärfen lassen).

Was lernen wir daraus? Natürlich nichts! Es ist doch so schön, an politische Utopien zu glauben, die geistig dem Kommunismus so nahe stehen. Alle sind gleich und haben sich lieb. Wer etwas anderes behauptet, ist natürlich ein Nazi. Schauen wir mal, ob der Euro noch bis 2064 macht.

Oder ob ein größerer Schuldenausfall womöglich früher den Bankrott der Europäischen Zentralbank bzw. ihrer Mitgliedsbanken fordert. Sie als Leser werden jedenfalls als erster erfahren, wenn sich ein derartiges Finanzunwetter zusammenbraut. Wir werden vorbereitet sein.

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Über den Autor Henrik Voigt

Henrik Voigt hat an der renommierten TU Dresden Wirtschaftsingenieurwesen studiert und als einer der Jahrgangsbesten sein Studium abgeschlossen.

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