MenüMenü

Eurokrise: Kann die EZB Bankrott gehen?

Kann eine Zentralbank wie die EZB durch ihre lockere Geldpolitik selbst Pleite gehen? Und welche Konsequenzen hätte dies für Sie? Der Beantwortung dieser wichtigen Fragen gehen wir heute nach.

Bekanntermaßen beladen viele Notenbanken weltweit ihre Bilanzen mit mehr oder minder werthaltigen Staatsanleihen, Unternehmensanleihen, Pfandbriefen und teilweise auch Aktien. Diese Papiere beinhalten jedoch selbst bei bestem Rating ein hohes Verlustpotenzial, wie wir spätestens seit der Lehman-Krise wissen sollten.

Stark aufgeblähte Notenbankbilanzen bedeuten also immer auch ein hohes Risiko von Verlusten in der Zentralbankbilanz. Besonders deutlich wurde dies etwa im Fall der Schweizer Nationalbank SNB, die im vergangenen Jahr ein saftiges Minus von 23 Mrd. Franken einfuhr, welches zum großen Teil aus Währungsgeschäften stammt.

Im Fall der SNB ging die Sache bisher glimpflich aus, da diese in den Vorjahren hohe Rücklagen bilden konnte. Davon sind nach dem 2015er Verlust immerhin noch 61 Mrd. Franken übrig.

EZB: Krasses Missverhältnis zwischen Eigenkapital und Risiken

Bei der Europäischen Zentralbank würde ein Jahresverlust dieser Größenordnung freilich wesentlich verheerendere Auswirkungen haben. Denn die EZB hatte im vergangenen Jahr lediglich ein Eigenkapital von 7,7 Mrd. Euro. Diesem vergleichsweise mickrigen Eigenkapital stehen jedoch enorm hohe Risiken gegenüber.

Durch Wertpapierkäufe und Notkredite an Pleitestaaten wie Griechenland sind Papiere im Umfang von 150 Mrd. Euro ausfallgefährdet! Würden davon nur 10 Prozent tatsächlich nicht mehr bedient werden können, wäre das Eigenkapital der EZB schon bereits zweimal verbrannt!

Nun hält die EZB allerdings nicht direkt diese Wertpapiere, sondern die Notenbanken der einzelnen Euro-Mitglieds-Staaten. Diese habe zusammen eine Bilanz-Summe von 2000 Mrd. Euro. Wovon 1200 Mrd. Euro als „riskant“ gelten. Diesen Risiken steht ein Eigenkapital von 97 Mrd. Euro gegenüber.

Mit einem Verhältnis von Risiko zu Eigenkapital von 12:1 würde also auch hier gelten: Fallen nur 10 Prozent der gefährdeten Papier tatsächlich aus, ist Feierabend. Dabei wachsen die Risiken durch die anhaltenden Anleihenkäufe wesentlich schneller als das Eigenkapital. Das Verhältnis wird also in den kommenden Monaten noch ungünstiger.

Was passiert bei einem großen Schuldenausfall?

Aktuell scheint ein Zahlungsausfall bei einem großen Anleihenschuldner nicht unmittelbar bevorzustehen, nachdem der Haupt-Brandherd Griechenland wieder einmal mit neuen Überbrückungskrediten aus den Schlagzeilen gehievt wurde.

Aber nehmen wir einmal an, Athen erklärt unvermittelt seine Staatspleite und zahlt keine fälligen Anleihen mehr zurück. Viele Notenbanken würden dann auf einen Schlag so viel Eigenkapital verlieren, dass sie mehr Verbindlichkeiten hätten als Vermögen. Damit wäre faktisch der Bankrott eingetreten. Jedes Unternehmen müsste dann sofort die Insolvenz erklären.

Wie das bei Zentralbanken ist, das erläutere ich Ihnen morgen ausführlich. Sie werden staunen.

© FID Verlag GmbH, alle Rechte vorbehalten
Über den Autor Henrik Voigt

Henrik Voigt hat an der renommierten TU Dresden Wirtschaftsingenieurwesen studiert und als einer der Jahrgangsbesten sein Studium abgeschlossen.

Regelmäßig Analysen über Finanzkrise erhalten — kostenlos!
Profitieren Sie von unserem kostenlosen Informations-Angebot und erhalten Sie regelmäßig die neusten Anleger-Informationen von Henrik Voigt. Über 344.000 Leser können nicht irren.