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Eurokrise: Draghis gestrige Verzweiflungstat

EZB-Chef Dragi hat es gestern erneut verstanden, die Börsen positiv zu überraschen. Das Anleihenkaufprogramm der Zentralbank soll nun sogar bis mindestens Dezember 2017 laufen (bisher März). Dafür werden die Käufe ab März leicht reduziert (60 Mrd. statt derzeit 80 Mrd. Euro monatlich).

Doch auch im Dezember 2017 ist nicht zwangsläufig Schluss. Das Kaufprogramm läuft prinzipiell „ewig“ – oder zumindest solange, die die EZB und der Euro bankrott sind. Das ist gar nicht so unwahrscheinlich wie es vielleicht klingen mag.

Anleihenkäufe: extrem teuer du extrem fragwürdig

Bis Ende 2017 wird die EZB Staats- und Unternehmensanleihen sowie Pfandbriefen und ABS in Höhe von 2,4 Billionen Euro aufgekauft haben. Das entspricht einem Anteil von 23 % an der Wirtschaftsleistung der gesamten Eurozone.

Nur leider wird die Wirtschaft im gleichen Zeitraum eben nicht um 23 Prozent wachsen. Jeder Euro an Anleihenkäufe und damit Bilanzrisiken bringt im Endeffekt nur wenige Cent an Wachstum. Wachstum zu kaufen ist extrem teuer und ineffizient.

Wirtschaftlich geht es in der Eurozone nach wie vor nicht voran. Die BIP-Wachstumsraten liegen deutlich unter 2 Prozent, wenn es gut läuft. Draghis Erklärung: die Politik verweigert nach wie vor Reformen. Da ist was dran. Er „vergisst“ aber auch, dass der Euro selbst das Problem ist.

Er hat in einem wirtschaftlich inhomogenen Wirtschaftsraum zu exzessiver Verschuldung geführt und den Südstaaten ihre Abwertungsmöglichkeit genommen. Mit einer währungstechnischen Missgeburt ist kein nachhaltiger Aufschwung zu erwarten.

Draghis Verzweiflungstat kann zu einer Euro-Pleite führen

Die eigentliche Überraschung der gestrige EZB-Sitzung war aber die Tatsache, dass die Zentralbank nun auch Anleihen kaufen darf, die eine „Rendite“ unterhalb des derzeit gültigen Einlagesatzes von -0,4 % abwerfen. Also die der EZB einen garantierten Verlust bescheren.

Bei einer Zentralbank mit dünner Eigenkapitaldecke (wie die EZB!) kann eine solche „Strategie“ früher oder später in den Bankrott führen. Draghi dazu lapidar: Notenbanken sind dazu da, ihr Mandat zu erfüllen und nicht, um Profit zu machen. Sind Zentralbanken auch dazu da, eine Währungsreform auszulösen?

Ich halte es angesichts dieser grob fahrlässigen Geldpolitik für eine hervorragende Idee, in Edelmetalle zu investieren. Und ich bin mir gar nicht so sicher, ob die gestern erneut anziehenden Kurse an den Aktienbörsen Jubel über den nächsten Euro-Entwertungsschub waren (Hurra, die Exporte…) oder eher eine fast schon panische Flucht in Sachwerte.

Der DAX stieg gestern um +1,7 Prozent, der Euro verlor gleichzeitig 1,3 Prozent. Die Bewegungen gleichen sich also ungefähr wieder aus (was auch heißt, dass ausländische Kapitalanleger nichts von den Börsengewinnen hatten).

DAX Tageschart

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Der DAX bekommt bald ein Problem: Sichern Sie Ihre Positionen ab!

Wie lange die Feierlaune beim DAX noch anhält, ist schwer zu sagen. Die US-Börsen jedenfalls stehen wahrscheinlich kurz vor einer größeren Korrektur. Der DAX konnte wich bisher nur selten von so einer Bewegung abkoppeln. Er hat paradoxerweise seine gesamte bisherige Jahresperformance von etwa 7 Prozent (Dividenden eingerechnet) in den letzten vier Handelstagen gemacht.

Wiederholt sich das Szenario von vor einem Jahr – abrupter Stimmungswechsel nach dem Strohfeuer des EZB-Jubels und deutliche Korrektur ab der 2. Dezemberhälfte – dann wäre diese positive Entwicklung blitzschnell wieder negiert.

Meine gestern genannte Unterstützungsmarke bei 10.800 Punkten sollte daher unbedingt halten, wenn die DAX-Bullen weiterhin Spaß haben wollen. Sie bietet sich auch als Stoppmarke an.

Offenlegung gemäß §34b WpHG wegen möglicher Interessenkonflikte: Der Autor ist in den besprochenen Wertpapieren bzw. Basiswerten dieser Ausgabe investiert.

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Über den Autor Henrik Voigt

Henrik Voigt hat an der renommierten TU Dresden Wirtschaftsingenieurwesen studiert und als einer der Jahrgangsbesten sein Studium abgeschlossen.

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