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Eurokrise: Brexit – oder – Was frühere Währungsexperimente lehren 

Was macht die EZB heute besser, um nicht das Schicksal aller früheren gescheiterten Währungsunionen teilen zu müssen? Um diese Frage beantworten zu können, müssen wir uns diese früheren Gemeinschaftswährungen erst einmal ansehen.

Dabei beschränken wir uns aus praktischen Gründen auf Europa. Und dort wiederum auf die „Lateinische Münzunion“, die mit erstaunlichen Prallelen zur heutigen Situation des Euros aufwartet.

Die Lateinische Münzunion wurde anfangs Frankreich, Belgien, Italien, der Schweiz und Griechenland vereinbart und währte schlussendlich von 1865 bis 1927. Weitere Staaten traten nach dem Gründungsjahr bei oder assoziierten sich.

Ein Traum mit Konstruktionsfehlern

Das Währungssystem war einst eine der bedeutsamsten Währungen der Welt. Und die erste europäische Währungsunion.

Schon damals träumten Visionäre von der Währungsunion als erstem Schritt zu einer „Europäischen Union“ mit einer Gemeinschaftswährung namens „Europe“, einem föderalen Staat unter der Leitung einer „Europäischen Kommission“, die von einem Europäischen Parlament gewählt werden solle. Das kommt Ihnen sicher bekannt vor.

Ebenso deren Konstruktionsfehler: Kein Mitgliedsstaat wollte zu viel nationale Souveränität aufgeben. Jedes Land behielt seine Zentralbank und bestimmte über die Menge des im Umlauf befindlichen Geldes selbst.

Was einige animierte, auf Teufel komm raus so viel von der damals neuen Innovation „Papiergeld“ zu drucken, wie sie gerade für nötig hielten. Allen voran das hochverschuldete Italien, aber auch Griechenland, die ihre Inflation fleißig exportierten und so die gesamte Währungsunion destabilisierte.

1893: Italien druckt zu viel Geld, Griechenland ist bankrott und wird rausgeworfen

Das italienische Beispiel machte leider Schule. Im Jahr 1893 verkündete der griechische Premier Charilaos Trikoupis zur großen Bestürzung der Gläubiger: „Bedauerlicherweise sind wir bankrott.“

Es folgte „zähe Verhandlungen“ mit den ausländischen Gläubigern, Reformen, Umschuldungen. Schließlich ein Schuldenschnitt, für den im Gegenzug ausländische Kontrolleure ins Land gelassen werden mussten.

Am Grundproblem der hohen Verschuldung und am hemmungskosen Geldrucken der Griechen, die weiter die Währungsunion sabotierten, änderte sich damit freilich nichts.

Kommt Ihnen das auch bekannt vor? Die Wende brachte der Rauswurf Griechenlands aus der Währungsunion im Jahr 1908, welches darauf hin sein Schuldenproblem anging und 2 Jahre später wieder aufgenommen wurde.

Der finale Zusammenbruch kam erst nach 62 Jahren Siechtum

Zwei Grundprobleme plagten die Münzunion aber weiter. Erstens: Ungedecktes Papiergeld lockte undisziplinierte Staaten (namentlich Italien und Griechenland), ihre Probleme einfach mit der Notenpresse zu lösen (und somit die der gesamten Währungsunion zu verschärfen).

Zweitens: Wirtschaftlich starke und fiskalisch disziplinierte Staaten des Nordens (damals zuerst Frankreich und Belgien) standen den Schuldenstaaten des Südens gegenüber. Wobei letztere immer wieder die Währungsunion in die Krise stürzten.

Einzig das Schreckgespenst der hohen Koste des Auseinanderbrechens der Gemeinschaftswährung verhinderte den früheren (und notwendigen) Zusammenbruch der Union. Die Stunde der Wahrheit kam dennoch im Jahr 1927, nach über sechzig Jahren Siechtum mit hausgemachten Konstruktionsfehlern. Dennoch leben wir heute nicht wieder in Höhlen. Erstaunlich.

Es geht nicht um Wirtschaft – hier geht es um Freiheit!

Ah, das kommt Ihnen auch bekannt vor? Nun ja, Geschichte wiederholt sich oft in ähnlicher Form. Was nicht heißt, dass Politiker die notwendigen Lehren daraus ziehen würden. Soweit reichen Intelligenz und Weitblick dann offenbar doch nicht.

Mehr zu den Lehren aus der Lateinischen Münzunion in meinem Beitrag morgen.

Ganz wichtig: Die Briten stimmen heute über den Austritt aus der EU ab. Immerhin lässt man sie selbst entscheiden. Ich wünsche ihnen eine freie und faire Abstimmung. Die Argumente der Brexit-Gegner kennen Sie aus den Mainstream-Medien zur Genüge.

Die Argumente der Brexit-Befürworter hat der britische Comedian, Schriftsteller und Internetaktivist Pat Condell  hier  sehr gut zusammengefasst (halbwegs gute Englischkenntnisse sind Voraussetzung). Der Mann bringt es wirklich gut auf den Punkt: Hier geht es nicht (nur) um Wirtschaft – hier geht es um Freiheit!

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Über den Autor Henrik Voigt

Henrik Voigt hat an der renommierten TU Dresden Wirtschaftsingenieurwesen studiert und als einer der Jahrgangsbesten sein Studium abgeschlossen.

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