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Die „echte Inflation“ liegt in Deutschland bei mindestens 4 % pro Jahr

Der starke Anstieg der Lebensmittelpreise in den vergangenen Monaten findet nun auch Eingang in jene Inflationsrate, die uns Bürgern Monat für Monat vom Statistischen Bundesamt in Wiesbaden vorgegaukelt wird. Geradezu unfassbare 1,9 % lagen die Preise von Juli 2013 über jenen vor 12 Monaten. Im Juni hatte die Jahresteuerung noch bei 1,8 % gelegen, im Mai bei lediglich 1,5 %. Die neuen Zahlen haben auch den Boulevard aufgeschreckt, der sich bereits Sorgen um das Ersparte der Bevölkerung macht – zu Recht – aber viel zu spät! Denn die Kaufkraft schwindet in Deutschland eben nicht mit Minimalraten zwischen 0 und 2 %, sondern mit echten Verlusten zwischen 3 und 5 %. Das Problem ist jener Warenkorb, der von den Statistikern für die Berechnung der Inflationsrate berücksichtigt und auch immer wieder neu bestückt wird. Ferner finden hedonische Verfahren Anwendung, die den angeblichen Qualitätsgewinn vor allem bei Konsumelektronik quantifizieren  sollen, der aus Sicht der Erbsenzähler doch tatsächlich irgendeine Bereicherung darstellt – was für ein Blödsinn!

 

Inflationsrate wird systematisch zu niedrig berechnet

 

Ziel des ganzen Rumgefummels an den Berechnungsmethoden ist es, die offizielle Teuerungsrate so niedrig wie gerade noch zumutbar auszuweisen, immerhin dient die nicht nur der Information der Öffentlichkeit, sondern wird auch bei der Festlegung  von Rentenansprüchen, Lohnerhöhungen, etc. herangezogen. Schon seit vielen Jahren liegt diese „designte“ Geldentwertung an der Ladentheke in Deutschland äußerst niedrig – obwohl doch viele Güter, die der Bundesdurchschnittsbürger benötigt, fast permanent teurer werden. Das gilt übrigens nicht nur für die Dinge des täglichen Bedarfs oder langlebige Wirtschaftsgüter, sondern auch für die zahlreichen Steuern und Abgaben, die zu entrichten sind – und nur eine Richtung der Preisentwicklung kennen: nach oben. Aber im Jahr soll sich das für die „normale“ Bevölkerung auf nicht mehr als lächerliche 1 bis 2 % belaufen! Wie blöd muss man sein, um an diesen Lug und Trug zu glauben?

 

Ein Blick in den Warenkorb…

 

Wie schon erwähnt, ist der dieser gewaltigen Manipulation zugrundeliegende Warenkorb der Dreh und Angelpunkt der Propaganda aus Wiesbaden. Um klar zu machen, warum die jetzt ausgewiesenen 1,9 % an Inflation nicht mit rechten Dingen zustande gekommen sein können, habe ich die größten Preistreiber und -Dämpfer herausgesucht. Wie eigentlich immer haben sich die Preise im Jahresvergleich für Obst und Gemüse deutlich erhöht. Plus 11 bzw. 12 % legten diese beiden Inputgrößen zu. Übertroffen wurden diese zum Beispiel von Milch, die 17 % teurer wurde oder gar Butter, die um 31 % im Preis anzog. Spitzenreiter dürften vermutlich Paprika und Kartoffeln sein, die um 48 und 44 % zulegten. Doch auch der Non-Food-Bereich kann in puncto Geldentwertung punkten: So verteuerte sich Strom um knapp 12 %, feste Brennstoffe um etwa  5 %. Die bisher erwähnten Waren dürften mehr oder minder durch jeden Bundesbürger nachgefragt werden, die Preiserhöhungen folglich tatsächlich im Portemonnaie angekommen sein.

 

…und Sie kommen aus dem Staunen nicht heraus!

 

Doch nun – fair ist fair – will ich Ihnen auch die Inflationsentlaster verraten, also jene Waren, die sich im Preis besonders stark ermäßigt haben. Ganz oben finden Sie „PC-Anwender-Software“, diese soll sich im vergangenen Jahr um 23 % verbilligt habe. Dienstleistungen von Ärzten und Kreditinstituten haben sich angeblich um  jeweils 19 % verbilligt. Der „Desktop-PC“ und der „tragbare Computer“ sind um 14 bzw. 13 % günstiger zu haben. Auch „Kleider/Kostüme für Mädchen“ verlieren 13 %, TV-Gerät und Digitale Kamera folgen mit 8 %. Anzumerken gilt in Bezug auf den Elektro-Kram, dass dieser sich kaum oder gar nicht verbilligt hat, viele Produkte kosten sogar mehr als im Juli 2012. Der Grund, warum diese ungemein wichtigen Dinge überhaupt einen preisdämpfenden Einfluss haben, liegt an ihren „verbesserten Eigenschaften“, wie der 111. SCART-Buche, dem 8-USB-Eingang, dem fünften Tuner und dem doppeltem Bildschirm beim Fernseh-Gerät, sowie der Fähigkeit der Digital-Kamera pro Bild jetzt mit 3 Terra-Byte an Pixel tolle Bilder zu schießen. Allesamt Dinge, die die Welt nicht braucht, aber die Qualität enorm erhöhen und damit jedes „gadget“ – und sei es noch so überflüssig – zu einem echten Schnäppchen machen. Völlig unverständlich sind für mich die Preisnachlässe bei Ärzten und Banken, zumal ich mir sicher bin, dass für bestehende Kontoverbindungen die Kunden nicht mit einer  Gebührensenkung erfreut wurden. Und was die Arztleistungen angeht, so wurde vermutlich der „kleine Grenzverkehr“ zu Tschechien und Polen mit einberechnet…

 

Alle drei Jahre verliert die Kaufkraft in Deutschland rund 10 %

 

Lassen Sie sich bitte nichts von unseren Statistikern vormachen, das dann auch noch kommentarlos von den Medien in die Welt hinaus posaunt wird. Die offizielle Inflationsrate in Deutschland ist ein Ammenmärchen, da sie von einer „Warenkorb-Person“ ausgeht, die es nicht gib. Wenn man dann noch berücksichtigt, dass Mietpreisveränderungen nicht berücksichtigt werden, dann weiß man, was man von dieser Zahlenspielerei zu halten hat – nämlich gar nichts. Die Bundesbürger begreifen zum großen Teil am eigenen Geldbeutel schmerzlich, dass ihre Kaufkraft rasant erodiert – immerhin hatten noch nie so viele einen Zweitjob wie heute. Nicht etwa um dem Konsumrausch noch stärker zu huldigen, sondern verloren gegangene Kaufkraft aufzufangen – durch Mehrarbeit! Nach meinem Dafürhalten beträgt der Kaufkraftverlust hierzulande etwa 10 % alle 3 Jahre und das ist das untere Ende meiner Skala. Nur ein einziger Umzug in diesen drei Jahren in eine qualitativ gleichwertige Wohnung in einem Ballungszentrum und Sie bekommen den Kaufkraftverlust in einem Rutsch serviert. Wer gerne gesunde Lebensmittel verzehrt – und Deutschland ist ja angeblich auf dem Bio-Trip – der wird im Nahrungsmittelbereich noch deutlich stärker steigende Preise erleben als jene, die ohnehin in den Warenkorb eingehen.

 

Massiv negative Realverzinsung

 

Angesichts einer deutschen Umlaufrendite von aktuell 1,46 % und einer 10-jährigen Habenverzinsung bei Staatsanleihen von 1,50 %, ist es schlicht und ergreifend unmöglich sein Geld sicher und (!) gewinnbringend anzulegen. Sogar die offizielle Inflationsrate der Wiesbadener Statistiker spielt da nicht mit, geschweige denn die wirkliche Rate der permanenten Geldentwertung. Angesichts der zementierten negativen Realverzinsung, nicht nur in Deutschland sondern in weiten Teilen der Welt, können Anleger nur versuchen mit Investitionen in Sachwerten ihr Vermögen zu sichern, eventuell sogar zu mehren. Physische Käufe von Edelmetallen sollten dabei ganz oben auf Ihrer „Einkaufsliste“ stehen. Auch internationale Aktien eignen sich, sind allerdings kurzfristig aus meiner Sicht deutlich Rückschlag-gefährdet.

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Über den Autor Martin Stephan

Martin Stephan startete vor 25 Jahren seine Börsenkarriere. Er war unter anderem für die Kursmaklerkammer an der Berliner Wertpapierbörse tätig.

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