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Brexit – was nun?

BALTIMORE –

Trader, Investoren, Spekulanten – alle zusammen mussten am Freitag tief in ihren Medikamentenkasten schauen.

Sie gingen am Donnerstag zu Bett. Und alle waren zuversichtlich, dass der Brexit scheitern würde.

Aber whoa!

Einatmen und Ausatmen

Volkswirtschaften atmen ein und aus; das schrieben wir hier schon oft im Tagebuch.

Manchmal sind sie expansiv … offen … und optimistisch. Sie sind offen für neue Ideen, neue Märkte und neue Kunden.

In anderen Zeiten kontrahieren sie, sind geschlossen und ängstlich. Sie bauen Hindernisse, und versuchen, sich vor der Außenwelt zu schützen.

Wir leben in einer Zeit der Kontraktion; zu dieser Schlussfolgerung sind wir schon länger gekommen. Letztlich geht es bei Brexit, Trump, negativen Renditen, schwachem Wachstum und der generellen Politik der Feds nur darum.

Vor dem Brexit-Referendum taxierten die Buchmacher die Quoten der Wahrscheinlichkeit eines Brexit bei nur 1 zu 4.

Aber bei der eigentlichen Veranstaltung, beim Referendum gewann das „Leave-Lager“ 52% der Stimmen. Alles in allem ein solider Sieg.

Der britische Premierminister David Cameron, der gegen den Brexit warb, kündigte seinen Rücktritt an. Er werde aber bis spätestens Oktober noch im Amt bleiben.

Nigel Farage, der Chef der UKIP-Partei und Anführer der Brexit-Kampagne, erklärte den 23.6. zum Unabhängigkeitstag für Großbritannien.

Inzwischen brach das britische Pfund um etwa 10% auf ein 31-Jahres-Tief zusammen. Großbritanniens wichtigster Aktienindex, der FTSE 100, brach am Freitag in den ersten Handelsminuten etwa acht Prozent ein.

Der Euro erlitt seinen schärfsten Einbruch seit seiner Einführung im Jahr 1999. Der gesamte Rohwarensektor brach ebenfalls ein. Der Ölpreis ist wieder unter $ 48 pro Barrel gefallen.

Händler auf der ganzen Welt verabschiedeten sich aus risikoreichen Anlagen und steuerten die sicheren Häfen Gold und Staatsanleihen an. Die Renditen von US-Staatsanleihen und deutschen Bundesanleihen gaben weiter nach. Zeitweilig rentierte die zehnjährige deutsche Bundesanleihe mit minus 0,1 Prozent.

Grob mangelhaft

In Österreich wurde ein Anti-Einwanderungs-Kandidat a la Trump, Norbert Hofer, um ein Haar zum Präsidenten gewählt.

In Italien haben die etablierten Parteien die Bürgermeistenposten der beiden Großstädte Rom und Turin verloren. Gewinner waren Kandidatinnen aus der populistischen euroskeptischen Bewegung des „Comedian“ Beppe Grillo. Virginia Raggi, eine attraktive junge Frau, wurde als erste Frau überhaupt zur Bürgermeisterin von Rom gewählt.

In Frankreich hat die Chefin Front National, Marine Le Pen, ebenfalls angekündigt, ein Referendum über den Verbleib von Frankreich in der EU abhalten zu wollen.

Unterdessen werden in den USA beide Kandidaten von vielen Kommentatoren als grob mangelhaft umschrieben.

Aber das ist in etwa so, wie man eine Glasscherbe als mangelhaften Diamanten bezeichnet. Weder Hillary noch The Donald sollten irgendwo in der Nähe des Weißen Hauses sein.

In einer besseren Welt wäre es auch keiner von beiden.

Aber wir leben nicht in einer besseren Welt.

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Über den Autor Bill Bonner

Im Jahr 1978 gründete Bill Bonner das Unternehmen, welches heute als Agora Inc. bekannt ist.

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