MenüMenü

Brexit: Viel Lärm um Nichts

Allmählich kann ich das ganze Gezeter um das mögliche Ausscheiden Großbritanniens aus der EU nicht mehr hören. Nachdem uns die Medien monatelang damit gequält haben, dass uns das marode Griechenland in den Abgrund reißt, abgelöst von den Flüchtlingen, die unsere gesamte Gesellschaftsordnung durcheinanderbringen, sind es aktuell die Engländer, die Schuld daran haben, dass uns in ein paar Tagen der Himmel auf den Kopf fällt.

Am 23. Juni sind die Briten dazu aufgerufen, darüber abzustimmen, ob sie noch länger der Europäischen Union und ihrer so wahnsinnig modernen Bürokratie angehören wollen oder ob sie lieber wieder allein “rumwurschteln“. Ich brauche Ihnen sicherlich nicht erzählen, wie ein solches Referendum hierzulande ausgehen würde.

Übrigens gehören weder die Schweiz, noch Norwegen, die USA oder China der EU an, ohne dass diese Länder in der Steinzeit zurückgeblieben sind, noch, dass wir mit diesen Wirtschaftsräumen keinen Handel betreiben. Zumindest ist das mein aktueller Kenntnisstand. Dennoch wird Ihnen und mir derzeit weisgemacht, dass der Brexit schwerwiegende Folgen für Europa haben könnte.

Das erinnert mich irgendwie an den Jahrtausendwechsel, als ähnliche Horrorszenarien die Runde machten. Damals drohte der Welt das Licht auszugehen, da die Computer angeblich nicht auf den Jahrtausendwechsel eingestellt waren (die Computeruhren sprangen von 99 auf 00!) und somit weltweite Zusammenbrüche der Netzwerke, Versorgungssysteme etc. möglich wären. Passiert ist bekanntlich rein gar nichts.

Es passiert unter dem Strich fast nichts, wenn die Briten die EU verlassen

Halten wir also nüchtern fest: Natürlich sind die Probleme in Griechenland ebenso wenig von der Hand zu weisen wie die Probleme, die der Flüchtlingsstrom mit sich bringt. All dies ist nicht schön, darf auch nicht schön geredet werden und erfordert zur Lösung sicherlich auch noch mehr konstruktive Anstrengungen als sie unsere Romantik-Politiker derzeit leisten.

Und mit dem Brexit ist es nicht viel anders. Zunächst ist es ja noch nicht einmal sicher, ob sich die Briten tatsächlich aus der EU verabschieden, die aktuellen Umfragen sehen mal die Befürworter, mal die Gegner vorn. Und wenn es doch so kommt, ändert sich auch erst einmal nichts. Dann wird sicherlich erst einmal monate- oder eher jahrelang verhandelt, wie man künftig miteinander handelt.

Fazit: Es wird weitergehen, ob in oder außerhalb der EU – und wir werden auch weiterhin mit vielen anderen Ländern außerhalb der EU bestmögliche Wirtschaftsbeziehungen pflegen. Warum denn auch nicht? Ein Brexit hätte für manche Unternehmen und auch manche Arbeitnehmer sicherlich Nachteile, andere würden wiederum davon profitieren.

Vielleicht käme es zu Firmenverlagerungen, vielleicht würde auch eine dann im Außenwert stärkere britische Währung die eine oder andere “Wunde“ verursachen. Das aber sind alles Spekulationen auf kurzfristige Reaktionen. Auf lange Sicht wird sich nicht nur die Erde weiterdrehen, sondern auch die Wirtschaft in Großbritannien und Resteuropa.

Sie haben es selbst in der Hand, die richtigen Weichen zu stellen

Was sich allerdings ebenso wenig ändern wird, ist das Niedrigzinsumfeld, das in der letzten Woche sogar zu dem Absurdum geführt hat, dass erstmals in der Geschichte eine deutsche, zehnjährige Staatsanleihe mit einer Negativverzinsung platziert wurde. Am Ende bekommt der Staat Deutschland also sogar Geld dafür, dass große Investoren unserem Land sozusagen einen Kredit gegeben haben.

Das wiederum wird den Druck noch weiter erhöhen, aus Geldwerten (also Sparbuch, kapitalbildende Lebensversicherung etc.) in Sachwerte zu wechseln. Inzwischen wollen sogar schon Krankenkassen vom Gesetzgeber das OK bekommen, in Aktien investieren zu dürfen.

Das alles hat übrigens auch nichts mit dem Brexit zu tun, sondern schlicht und ergreifend mit der inzwischen angehäuften Schuldenlast der großen Industrienationen. Und diese Schulden sind zum großen Teil auch Ihre Sparguthaben. Deutschland & Co. sind derzeit und auch künftig einfach gar nicht in der Lage, dafür ordentliche Zinsen zu zahlen. Warum auch, wenn es ja anders geht – wie die Gegenwart zeigt.

Sie allein haben es in der Hand, passend darauf zu reagieren, anstatt sich nur über den Umstand zu ärgern, dass Sie keine Zinsen mehr bekommen. Niemand zwingt Sie dazu, ein Sparbuch zu haben, niemand verlangt von Ihnen, Ihre Altersvorsorge auf einen Riester-Plan oder eine kapitalbildende Lebensversicherung zu gründen. Sie sind frei im Denken und auch frei im Handeln. Das sollten Sie zu Ihren Gunsten auch nutzen.

Darüber sollten Sie nachdenken.

© FID Verlag GmbH, alle Rechte vorbehalten
Über den Autor Jürgen Schmitt

Jürgen Schmitt hat Betriebswirtschaftslehre an der Fachhochschule Fulda studiert und ist Mitbegründer der Beratungs- und Investmentgesellschaft Meconomics.

Regelmäßig Analysen über Finanzkrise erhalten — kostenlos!
Profitieren Sie von unserem kostenlosen Informations-Angebot und erhalten Sie regelmäßig die neusten Anleger-Informationen von Jürgen Schmitt. Über 344.000 Leser können nicht irren.