MenüMenü

Anleihenkäufe: EZB benachteiligt disziplinierte Euro-Staaten

Ist die lockere Geldpolitik der EZB insgesamt noch tragfähig? Und wie lange kann diese noch durchgehalten werden? Sie wissen ja: die US-Notenbank sieht seit ein paar Jahren verstärkt auch die Risiken dieser Politik und rudert nun (zunächst nur meist verbal) zurück.

Die EZB hat zuletzt (ohne große Not) genau den gegenteiligen Weg beschritten und ihre Wertpapierkäufe von 60 auf 80 Mrd. Euro ausgeweitet. Der große Knackpunkt an dem gegenwärtig laufenden Anleihenkaufprogramm sind die selbst aufgestellten Regeln, wie die Anleihenkäufe auf die einzelnen Eurostaaten aufgeteilt werden sollen.

Der Plan und die Folgen

Läuft alles nach Plan, wird die Zentralbank bis zum derzeit vorgesehenen Ende des QE-Programms im kommenden Frühjahr knapp 15 % aller Schulden der Eurostaaten aufkaufen. Dabei darf die EZB von einer bestimmten Anleihe jedoch nicht mehr als ein Drittel halten. Genau hier liegt das Problem.

Wenn die Zentralbank nur maximal ein Drittel aller Schulden eines Landes kaufen darf, dann stößt sie in weniger verschuldeten und kleinen Euroländern bald mit dem Kaufprogramm an die genannte Grenze. Nehmen wir Estland, das nur mit 9,7 % der Wirtschaftsleistung (Schuldenquote) verschuldet ist.

Andere kleine Länder mit niedriger Schuldenquote sind Lettland (36 %), Litauen und Luxemburg, mit Einschränkungen auch Malta und die Slowakei. Hier kann die EZB ihre geplanten Ankauf-Quoten von ca. 15 % pro Mitgliedsland nicht erfüllen, ohne die Maximalgrenze von 33% zu verletzen.

Die Folge ist, dass die Schuldtitel dieser Länder bei künftigen monatlichen Anleihenkäufen außen vor bleiben.

EZB-Logik: Die Schulschwänzer werden belohnt, die Streber benachteiligt

Gleichzeitig muss die EZB die Anleihen großer und hoch verschuldeter Staaten wie etwa Italien überproportional aufkaufen, um ihr monatliches Volumenziel von 60 Mrd. Euro zu halten.

Damit bekommen gerade die Staaten bevorzugte Finanzierungsbedingungen, die in der Vergangenheit besonders locker mit ihren Budgets umgegangen sind, während niedrig verschuldete Mitgliedsländer benachteiligt werden.

Oder anders ausgedrückt: die Schulschwänzer bekommen eine Belohnung, während die Streber benachteiligt werden.

Bisher geht das offenbar gut. Doch sollte das QE-Programm länger als bisher geplant laufen, wird es kritisch. Dann wird die EZB wahrscheinlich auch bedeutsamere Euro-Staaten wie Finnland und die Niederlande ungleich behandeln müssen. Kaum zu glauben, dass das dann glatt über die Bühne geht.

Griechenland ist übrigens von dem Programm ausgenommen, da seine Anleihen kein „Investment Grade“ Rating besitzen. Hier gäbe es Schuldtitel in Hülle und Fülle zu kaufen, die allerdings akut ausfallgefährdet sind.

Die kaum wesentlich stabileren Staatsanleihen aus Zypern kauft die EZB jedoch. Von Italien einmal ganz zu schweigen. Sieht so die gesunde Bilanz einer Notenbank aus?

© FID Verlag GmbH, alle Rechte vorbehalten
Über den Autor Henrik Voigt

Henrik Voigt hat an der renommierten TU Dresden Wirtschaftsingenieurwesen studiert und als einer der Jahrgangsbesten sein Studium abgeschlossen.

Regelmäßig Analysen über Finanzkrise erhalten — kostenlos!
Profitieren Sie von unserem kostenlosen Informations-Angebot und erhalten Sie regelmäßig die neusten Anleger-Informationen von Henrik Voigt. Über 344.000 Leser können nicht irren.