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Die 4 größten Skandale bei Goldman Sachs

Der wohl größte Skandal, an dem Goldman Sachs beteiligt war, ereignete sich zu Zeiten der Finanzkrise. Das Ergebnis viele Jahre später: Am 1. August 2013 wurde der ehemalige Goldman Sachs Starhändler Fabrice Tourre von einem Gericht in Manhattan in sechs von sieben Anklagepunkten für schuldig befunden.

1. Fabrice Tourre: Die Überheblichkeit der Finanzwelt

Der symbolische Wert dieses Urteils könnte nicht größer sein: Tourre, der sich gern als fabolous Fab bezeichnete und selbst mit Betrug an Witwen und Waisen prahlte, verkörperte die Überheblichkeit der Finanzwelt par excellence. Damit war er in bester Gesellschaft, denn schon der Goldman Sachs CEO Llyod Blankfein rechtfertigte die astronomischen Gehälter damit, dass er und seine Banker schließlich die „Arbeit Gottes“ verrichten.

Im Zentrum des Prozesses stand das “Wert“papier Abacus 2007 AC-1, das Goldman Sachs stark beworb, jedoch seinen Kunden die Anlagerisiken und andere wichtige Informationen vorenthielt. Goldman Sachs beauftragte Tourre und den Hedgefonds Paulson & Co für den Aufbau des fragwürdigen Hypothekenpapieres. Dafür suchten sie sich besonders verlustträchtige Investitionen aus, brachten die Abacus Anleger aber dazu, auf den Anstieg der Immobilienblase in den USA zu wetten.

Sich der eigentlichen Lage bewusst, spekulierte Paulson mit Hilfe von Kreditausfallversicherungen jedoch auf ein Platzen der Blase – Goldman Sachs wettete somit gegen die eigenen Kunden. Nur kurze Zeit später brach der amerikanische Immobilienmarkt zusammen und löste die Finanzkrise aus.

Während die Welt ins Wanken geriet, ging Goldman Sachs als klarer Gewinner hervor. Das Jahresgehalt von Tourre betrug zu diesem Zeitpunkt 1,7 Millionen, ein kleines Taschengeld von 3,7 Milliarden fiel auch für den Chef von Paulson &Co ab.

Zu den Opfern des Skandals gehörte auch die deutsche IKB, die insgesamt eine Milliarde Euro verlor. Nur durch die Rettung der staatlichen KfW konnte eine Pleite abgewendet werden.

2009 wurde die US- Börsenaufsichtsbehöre SEC auf den Fall aufmerksam und leitete dementsprechende Untersuchungen ein. Goldman Sachs verschwieg dies jedoch ebenfalls den Anlegern. 2010 nahm Goldman Sachs erstmals Stellung zu den Vorwürfen und gab zu, seinen Kunden wichtige Informationen vorenthalten zu haben. Die SEC klagte daraufhin sowohl die Bank, als auch Tourre an.

Goldman Sachs erkannte offiziell die Schuld nicht an, zahlte jedoch 550 Millionen Dollar – die höchste Geldstrafe die die SEC jemals verhängte. Tourre droht eine noch zu bestimmende Geldstrafe und ein lebenslanges Berufsverbot. Erst Ende Januar 2014 beschloss ein Gericht in Manhattan, dass eine Sammelklage gegen Goldman Sachs zulässig ist. Die Investment Bank lehnte eine Stellungnahme dazu ab.

2. Schuldenkosmetik in Griechenland

Eine kleine Änderung hier, eine kleine Änderung da und schon sieht die Sachlage ein wenig anders aus. Das hat sich wohl auch Griechenlands Schuldenverwalter gedacht, als er mit Goldman Sachs einen Deal abschloss: Mit Hilfe eines „Cross Currency Swaps“ wurden die statistischen Angaben optisch verschönert. Bei diesem Swap, zu Deutsch Tausch, tauschte Griechenland seine 10 Milliarden Yen und Dollarschulden in Euro um und wieder zurück.

Bei diesem Transfer wurde jedoch mit einem fiktiven Wechselkurs gearbeitet, der ganz nebenbei Griechenland einen ein Milliarden Kredit einbrachte. Natürlich vergaß man diese Summe in der Athener Schuldenstatistik zu vermerken. Interessanterweise begann der Schuldenverwalter Pedros Christodoulou, der bist 2012 im Amt war, seine Karriere zunächst bei keinem anderen als Goldman Sachs.

Goldman Sachs kommentierte den Swap nicht, allerdings wurde er auch nicht dementiert. Quellen wie der New York Times oder dem Spiegel lagen jedoch sehr ähnliche Berichte vor.

3. Greg Smith

Nach zwölf Jahren bei der Investment Bank wurde es Greg Smith zu viel: Er ist enttäuscht, wütend und jeder kann seinen Zorn nachlesen: Am 14.03.2012 veröffentlichte die New York Times seinen Gastbeitrag mit dem einfachen Titel „Warum ich Goldman Sachs verlassen habe “ und traf damit den Nerv der Zeit. Er beschreibt in dem Beitrag, wie Banker täglich ihre Kunden als „Deppen“ verhöhnen und einen rapiden Werteverfall der Firmenkultur, mit der er sich nicht länger identifizieren kann.

In einer Illustration wurden die Banker übrigens als gierige Aasgeier dargestellt. Besonders erfreut haben dürfte dies Goldman Sachs Chef Lloyd Blankfein nicht, denn dieser wurde als „Quelle des ganzen Übels“ bezeichnet. Der Artikel verbreitete sich weltweit rasch und entfachte neue Diskussionen über die Raffgier an Finanzmärkten.

4. AIG: Mitschuld bei Goldman Sachs?

Als der US- amerikanische Versicherungsgigant American International Group 2008 kurz vor dem Bankrott stand, hat bei Goldman Sachs einmal mehr die Kasse geklingelt. In die Bredouille kam AIG durch die Versicherung riskanter Kredite. Beim Zusammenbruch des US- Immobilienmarktes wurden so viele dieser Versicherungen zeitgleich fällig, dass das Versicherungsunternehmen eine Liquiditätskrise rutschte. Diese Credit Default Swaps wurden auch an Goldman Sachs verkauft, welche diese wiederrum an ihre Kunden als Absicherung weiterreichten.

Als die AIG mit 185 Milliarden Dollar gerettet werden musste, wurde eine Entschädigung an Banken, darunter auch Goldman Sachs, die Deutsche Zentralbank und die HSBC. Goldman Sachs ging jedoch als finanzieller klarer Gewinner hervor: 12, 9 Milliarden Dollar gewann die Investment Bank durch den beinahe Bankrott der AIG. Als diese Summe bekannt wurde, löste diese eine offizielle Kontroverse aus.

Goldman Sachs wurde, unter anderem auch von der US Aufsichtsbehörde, vorgeworfen durch seine aggressiven Forderungen der AIG gegenüber, eine Mitschuld an der Misere der Versicherungsgesellschaft zu tragen. Die Bank wies diese Vorwürfe mit der Begründung zurück, dass man mit den finanziellen Forderungen nur die Kunden schützen wollte, man hätte dabei keinerlei eigenen Profite eingefahren.

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Über den Autor Investor Verlag

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