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Banken nach Kurserholung: War es das mit der Krise?

Der angeschlagene Bankensektor in Europa konnte seit den Tiefs Anfang Juli wieder fast 30 % an Boden gutmachen (erliegt aber immer noch 10% seit Jahresbeginn im Minus). Offenbar traten hier „Schnäppchenjäger“ auf den Plan, die von der (vermeintlichen oder tatsächlichen) Unterbewertung der Banken angezogen wurden.

So notieren die im Stoxx 600 Bankenindex enthaltenen Werte fast ausnahmslos unter ihrem Buchwert. Ihre Hoffnung geht dahin, dass sich der in der Bilanz ermittelte Buchwert und der Marktwert an der Börse irgendwann ja wieder 1:1 angleichen müssen (Kurs-Buchwert-Verhältnis).

Vermeintliche Unterbewertung rief Schnäppchenjäger auf den Plan

Im Durchschnitt betragen die Abschläge zwischen den Bilanzwerten und der Marktkapitalisierung derzeit satte 30 Prozent. Eine Deutsche Bank oder eine Commerzbank bekommen Sie derzeit sogar zu nur einem Viertel ihres Buchwertes! Aber ist eine neue europäische Bankenkrise damit vom Tisch?

Deutsche Bank Tageschart

Sicher nicht. Buchwert und Aktienwert müssen sich ja nicht dergestalt angleichen, dass der Aktienwert auf den Buchwert steigt (also eine gewaltige Rally lockt). Es kann auch umgekehrt kommen, nämlich dass der Buchwert der Banken sinkt, bis er sich an den Kurswert angeglichen hat. Wegen der geringen Profitabilität und fauler Kredite ist es sogar ziemlich wahrscheinlich, dass die Buchwerte (Bilanzwerte) der meisten Banken weiter sinken werden.

Vielleicht sehen wir am Ende auch eine Mischung aus beiden Entwikclungen (Buchwerte sinken etwas und Aktienkurse der Banken steigen etwas – paradoxerweise), so dass am Ende wieder ein ausgeglichenes Kurs-Buchwert-Verhältnis erreicht wird.

Doch die Banken haben noch immer keine Grundlage für künftige Gewinne

Fakt ist jedoch: Der Bankensektor bleibt insbesondere jetzt nach der Kurserholung ein heißes Eisen. Die Unterbewertung ist jetzt nicht mehr so stark, die Geschäftsperspektiven der meisten Banken weiter fragwürdig, solange die Margen wegen der Niedrigzinsen gering sind.

Ein weiteres Abschmelzen der Buchwerte ist vorprogrammiert. Einzelne Banken könnten deshalb in absehbarer Zeit in Schieflage geraten. Gerade die jüngsten Kursverluste der Banken zeigen, wie misstrauisch die Börsen gegenüber dem Sektor geblieben sind.

Anleger können Banken meiden, Sparer nicht

Doch als Anleger können Sie Bank-Aktien einfach meiden, wenn Sie zu hohe Risiken vermeiden wollen. Bei Anlage-Zertifikaten wird das mit der Vermeidungs-Strategie schon schwieriger. Als Sparer hingegen können Sie nicht ohne Bank: Sie brauchen Sie nun einmal ein Konto.

Leider haften Sie seit dem 01. Januar mit Ihrem eigenen Vermögen mit, falls ausgerechnet Ihre Bank in Schieflage gerät.

Ich rate deshalb meinen Lesern seit Bekanntwerden der Ergebnisse des letzten Banken-Stresstest im Sommer, unbedingt ihre Bankverbindungen zu prüfen und ggf. auf sicherere Füße zu stellen.

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Über den Autor
Henrik Voigt

Henrik Voigt hat an der renommierten TU Dresden Wirtschaftsingenieurwesen studiert und als einer der Jahrgangsbesten sein Studium abgeschlossen.

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