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Bail-In – oder: Wenn die Sparer haften

In den Börsenturbulenzen zu Jahresbeginn ist das Thema weitgehend untergegangen. Vielleicht haben es die Mainstream-Medien in ihrer Tragweite auch gar nicht erkannt. Es war diesen jedenfalls kaum eine Notiz wert.

Doch spätestens die wieder aufgeflammte Bankenkrise in Italien macht es nötig, dass ich Ihnen darüber berichte. Die Rede ist von der neuen EU-Regelung zur Bankenrettung.

Mit der vom Europäischen Parlament am 15. Mai 2014 abgesegneten Richtlinie zur Sanierung und Abwicklung von Kreditinstituten ist nämlich der Übergang vom Bail-Out zum Bail-In vollzogen worden. Wobei die Bail-In-Regelung seit dem 1. Januar 2016 EU-weit gilt. Was heißt das für Sie?

Ganz einfach: Wenn Ihre Bank in Schieflage geraten ist, springt nicht mehr der Staat bzw. der Steuerzahler ein (Bail-Out), sondern künftig haften zuerst Bank-Aktionäre, Anleihenbesitzer und Sparer. Also alle, die der betreffenden Bank in irgendeiner Form Kapital zur Verfügung gestellt haben.

Während man dies beim Aktionär (kennt das Risiko und kassiert dafür Kursgewinne und Dividenden) und Anleihenbesitzer (bekommt Zinsen und ggf. auch Kursgewinne) nachvollziehen und billigen kann, hört das Verständnis bei der Sparerhaftung auf.

Schließlich tragen Sie Ihr Geld zur Bank, um am Zahlungsverkehr teilzunehmen, Ihr Rechnungen zu bezahlen und (liebe Kinder; das galt früher einmal:) ein paar mickrige Zinserträge zu bekommen. Nicht, damit Ihre Bank mit Ihren Ersparnissen windige Geschäfte abschließt, von denen Sie nicht einmal Kenntnis haben und dabei alles verzockt.

Kommen Sie mir jetzt nicht mit dem Einlagensicherungsfonds. Dieser ist in Deutschland (und anderswo sicher auch) so unterkapitalisiert, das er nicht einmal für die Sicherung der Spareinlagen einer einzigen mittelgroßen Bank reichen würde. Was aber, wenn gleich mehrere Banken in Schieflage geraten, weil diese alle miteinander verflochten sind?

Wählen Sie Ihre Hausbank künftig mit mehr Bedacht aus

Von der Deutschen Bank etwa heißt es, sie könnte bis zu 90 Milliarden Euro verlieren, wenn es bei den italienischen Banken richtig kracht. Die Deutsche Bank ist auch eine der wenigen, die den jüngsten Stresstest in den USA nicht bestanden hat.

Im Januar 2016 musste sie von oberster Stelle verkünden, dass das Haus solvent sei. Noch „klarer“ wurde die Sache, als dann auch noch Finanzminister Wolfgang Schäuble sich zur Deutschen Bank beruhigend äußerte.

Die letzte Bank, die ihre Solvenz rechtfertigen musste, hieß Lehman Brothers. Das war im Sommer 2008. Wenige Tage später brach an den Finanzmärkten die Kernschmelze aus und Lehman war restlos pleite.

Sicher: Eine Pleite ist bei der schieren Größe der Deutschen Bank sehr unwahrscheinlich. Dann bricht man doch lieber die gerade erst in Kraft getretenen EU-Bail-In-Regeln und springt dann doch wieder mit (letztlich steuerfinanzierten) Staatshilfen ein. Oder verstaatlicht ganz.

Wer sollte auch sonst einen Laden übernehmen, der knapp 6000 laufende Verfahren an der Backe hat und über ein Derivate-Portfolio außerhalb der Bilanz im Volumen von etwa 55 Billionen Euro (also mal eben das 20-fache des deutschen BIP) verfügt?

Doch ist das Problem damit gelöst oder ist es nur auf die nächsten Jahre und viele breite Schultern mehr verteilt?

Auf jeden Fall sollten Sie schon aufgrund der seit Jahresbeginn geltenden EU-Bail-In-Regeln (Sparerhaftung) Ihre Hausbank künftig mit Bedacht wählen. Banken, die die jüngsten Stresstests in der EU und den USA bestanden haben, liefern dafür schon mal eine gute Grundlage.

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Über den Autor Henrik Voigt

Henrik Voigt hat an der renommierten TU Dresden Wirtschaftsingenieurwesen studiert und als einer der Jahrgangsbesten sein Studium abgeschlossen.

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