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US-Notenbank: Zinsen steigen weiter, Dollar fällt trotzdem

Das gestrige FOMC-Meeting der US-Notenbank verlief unspektakulär und ohne Überraschungen. Das ist die gute Nachricht.

Die US-Notenbank setzt ihren Zinserhöhungskurs fort. Wie erwartet gab es eine Leitzinsanhebung um 0,25 Prozentpunkte – die dritte in diesem Jahr (derzeitiges Zinsniveau 1,25 bis 1,50 Prozent).

Die Fed hält weiter „graduelle Zinserhöhungen“ für angemessen und stellt für das kommende Jahr weitere drei Zinserhöhungen in Aussicht, wie die wirtschaftlichen Prognosen zeigen.

Der Abbau der Bilanzsumme läuft laut Fed wie geplant. Der Betrag der auslaufenden Wertpapiere, der nicht mehr reinvestiert wird, wird ab Januar wie geplant auf 20 Milliarden Dollar pro Monat steigen.

Gleichzeitig rechnet die Notenbank mit einem moderaten Wachstumsschub (2,5% Wachstum statt bisher 2,1%) durch die absehbaren Steuersenkungen. Es sei „sehr herausfordernd“, ein Wachstum von vier Prozent (wie von US-Präsident Donald Trump in Aussicht gestellt) zu erreichen, sagte Yellen.

Yellen warnt vor Bitcoin

In Bezug auf die Kryptowährung Bitcoin warnte Yellen, dass es sich nicht um einen stabilen Wertspeicher handele und einzelne Personen große Geldbeträge verlieren könnten.

Da der Bitcoin im Zahlungssystem und für die Banken aber kaum eine Rolle spiele, seien die Gefahren für die Finanzstabilität aber begrenzt und die Notenbank erwäge auch aktuell nicht, eine eigene Digitalwährung auszugeben. Es handele sich beim Bitcoin um einen hochspekulativen Vermögenswert und nicht um ein gesetzliches Zahlungsmittel („legal tender“).

Die Bewertungen am Aktienmarkt befänden sich inzwischen am „oberen Ende“ der historischen Norm, was aber nicht zwangsläufig eine Überbewertung bedeute. Vor allem angesichts des niedrigen Zinsniveaus und der robusten Wirtschaft, so Yellen weiter.

Inflation immer noch „zu niedrig“

Yellen sagte auch, es könne sein, dass Inflation längerfristig niedrig bleibt. Die Inflationsentwicklung müsse deshalb genau beobachtet werden. Insgesamt rechne man aber damit, dass das Fed-Ziel erreicht werde.

Dass die Inflation viele Jahre unter dem Fed-Ziel gelegen habe, sei temporären Effekten geschuldet. In diesem Jahr habe es eine Reihe negativer Überraschungen gegeben, so Yellen weiter.

Das letztgenannte Statement könnte man mit viel Fantasie als Zögerlichkeit der Fed bezüglich künftiger Zinserhöhungen auffassen. An den Devisenmärkten scheint zumindest gestern diese Lesart vorherrschend gewesen zu sein.

Hier wurden die Aussagen von Yellen als „taubenhaft“ gedeutet. Während der U-Aktienmarkt ausgehend von neuen Allzeithochs nur minimal korrigierte, erwischte es den Dollar nämlich vergleichsweise stark.

US-Dollar wieder auf Abwärtskurs?

Hier zeigt sich sogar ansatzweise ein mögliches Umkehrmuster, dass die Dollarerholung der vergangenen Monate beenden könnte:

US-Dollar-Index Tageschart: Wird das eine bärische Wendeformation?

http://stockcharts.com/c-sc/sc?s=%24USD&p=D&yr=0&mn=8&dy=0&i=t58606630167&r=1513237978708

Fällt der Dollar in den kommenden Tagen nachhaltig unter die Marke von 92,5 Punkten, dann werden neue Mehrjahrestiefs unter 90 Punkten angesteuert und die zu Jahresbeginn gestartete Abwärtsbewegung wird wiederaufgenommen.

Angesichts des klaren Zinserhöhungskurses der Fed bei ebenso klarer Zinsanhebungsverzögerung der anderen Notenbanken ist das erstaunlich. Doch Märkte funktionieren nicht immer nach den Gesetzen der Logik.

Vielleicht wendet die heutige Sitzung der Europäischen Zentralbank das Blatt ja auch wieder. Ansonsten stellen Sie sich bitte auf einen wieder steigenden EUR/USD ein (Euro steigt, Dollar fällt).

Offenlegung gemäß §34b WpHG wegen möglicher Interessenkonflikte: Der Autor ist in den besprochenen Wertpapieren bzw. Basiswerten dieser Ausgabe investiert.

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Über den Autor
Henrik Voigt

Henrik Voigt hat an der renommierten TU Dresden Wirtschaftsingenieurwesen studiert und als einer der Jahrgangsbesten sein Studium abgeschlossen.

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Herausgeber: Investor Verlag | VNR Verlag für die deutsche Wirtschaft AG
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