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Norwegische Krone: Fluchtwährung mit Risiken

Die Norweger dürften froh sein, bei der Volksabstimmung 1994 gegen einen Beitritt zur EU mit wahrscheinlicher Euro-Einführung gestimmt zu haben. Denn es ist fraglich, ob Norwegen in der EU noch erfolgreicher gewesen wäre und ob die sich nun in der Eurokrise zeigenden Nachteile die Vorteile aufwiegen würden. Den Kennzahlen nach geht es dem Land blendend. Dennoch bergen Währungs-Investments Risiken.

Norwegen: Hohes Wirtschaftswachstum, fast keine Inflation

Mit einem Wirtschaftswachstum von zuletzt 5% setzt sich Norwegen an die Spitze Europas. Die mit solch hohem Wirtschaftswachstum einhergehende Inflation gibt es in Norwegen gar nicht. Im Gegenteil, die Zentralbank Norwegens hat eher damit zu kämpfen, das Land nicht in die Deflation abrutschen zu lassen.

Bei einer Inflation von 0,2% wären Kapitaltransfers nach Norwegen schon ohne Wechselkursgewinne lohnend. Denn in der Eurozone herrscht derzeit eine Inflation von 2,4%. Die Differenz kommt dem Investor ohne Wechselkursgewinne natürlich nur zugute, wenn er die gekauften norwegischen Kronen später auch in Norwegen ausgeben würde.

Haushaltsüberschüsse von 13,6% können die Schulden verschwinden lassen

Das hohe Wirtschaftswachstum beschert dem Land eine mit 3% ungewöhnlich niedrige Arbeitslosenquote – bei der man schon von Vollbeschäftigung sprechen kann. Geldsorgen hat die norwegische Regierung ebenfalls keine. Im Gegenteil, der Staatshaushalt weist einen Überschuss von 13,6% der Wirtschaftsleistung auf. Angesichts solcher Überschüsse könnte sich die Schuldenquote in Luft aufgelöst haben. Derzeit beträgt sie niedrige 43,7% des BIP.

Noch größer als der Haushaltsüberschuss ist der Überschuss in der Leistungsbilanz. Norwegen weist in der Bilanz der Kapital-, Waren- und Dienstleistungsströme einen Überschuss von 14,6% seines BIP auf, ist also Kapitalexporteur.

Der Erfolg beruht nicht nur auf Öl und Gas

Die ausgesprochen guten Wirtschaftsdaten ähneln nicht ohne Grund dem eines Golfstaats. Gleichwohl sind es nicht allein das Öl und Gas, das Norwegen gut dastehen lässt. Denn nicht wenige Ölexporteure weisen wesentlich höhere Arbeitslosenquoten und niedrige Leistungsbilanzüberschüsse auf. Der Erfolg Norwegens wird also nicht einfach nur aus dem Nordseeboden gepumpt, sondern ruht auf mehreren Standbeinen.

Doch auch Kronen-Investments bergen Risiken

Schon seit einiger Zeit entwickeln sich die nordischen Währungen zu einer Art Fluchtwährung. Nachdem es zu Beginn der Eurokrise zu einer Kapitalflucht aus Norwegen kam, in deren Zuge der EUR/NOK-Wechselkurs auf bis zu 10 stieg, setzte schon kurz darauf wieder eine Abwertung des Euro ein.

Beschleunigt seit Beginn der Eurokrise wird die Norwegische Krone mehr und mehr als sichere Alternative zum Euro begriffen. Angesichts der geringen Größe des Währungsraums – Norwegen hat nur so viele Einwohner wie Berlin und München zusammengenommen, bewirken schon vergleichsweise kleine Summen größere Kursbewegungen.

EUR/NOK im Chart

In dieser Anfälligkeit steckt auch ein beträchtliches Risikopotential für Investoren. Käme es, aus welchen Gründen auch immer, wieder zu einem Kapitalabfluss aus der norwegischen Krone, ist eine schnelle und massive Abwertung, wie Ende 2008, von der Zentralbank kaum zu verhindern.

Investoren sollten im Hinterkopf behalten, dass die norwegische Krone gegenüber dem Euro bereits massiv überbewertet ist. Die OECD hat eine faire Bewertung (Kaufkraftparität) von 12 Kronen pro Euro kalkuliert. Derzeit kostet ein Euro aber nur etwa 7,5 Norwegische Kronen.

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Über den Autor Thomas Kallwass

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