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So nutzen Sie die Yen-Stärke

Der US-Dollar fiel gestern gegenüber dem japanischen Yen unter die wichtige runde Marke von 100 JPY und fiel im Tief auf bis zu 99,564 JPY. So tief stand der Kurs zuletzt am 24. Juni, dem Tag nach dem Brexit-Votum im Vereinigten Königreich.

Außerdem markierte der Kurs mit dem gestrigen Tief ein neues Zwischentief. Das letzte relevante Tief auf Tagesbasis vom 8. Juli bei 100,083 JPY ist damit unterschritten.

Das ist vor allem deshalb relevant, weil dieses Zwischentief seit Anfang des Monats immer wieder als Unterstützung galt. Der US-Dollar fiel mehrfach unter die 101 JPY-Marke, blieb aber stets oberhalb der 100,083 JPY. Bis gestern.

USD/JPY: Die heutigen Gewinne sind lediglich eine Korrektur

Im heutigen Tagesverlauf konnte der US-Dollar zwischenzeitlich auf bis zu 101,124 JPY steigen. Allerdings dürfte es sich hierbei nur um eine Konsolidierung halten.

Der übergeordnete Abwärtstrend auf Tagesbasis ist weiterhin völlig intakt, und der US-Dollar schaffte es bisher zumindest nicht über das gestrige Tageshoch bei 101,275 JPY.

Es ist daher davon auszugehen, dass die 100 JPY-Marke morgen oder übermorgen erneut angegriffen wird. Sollte der Kurs auf Tagesschlussbasis unterhalb von 100JPY schließen, wäre das ein klares Verkaufszeichen, vor allem dann, wenn der US-Dollar zum Wochenende zweistellig aus dem Handel geht.

USD/JPY: Short-Positionen mit Aussichten auf Erfolg

Aktuell bieten sich also in erster Linie Short-Positionen an, vor allem dann, wenn die 100 JPY-Marke erneut fallen sollte. Dann sind Kurse um die Marke von 95 JPY denkbar.

Der US-Dollar hat in den vergangenen 12 Monaten knapp 20 % gegenüber dem Yen verloren. So stand der Kurs Mitte August vergangenen Jahres noch bei rund 123 JPY. Seitdem ist die übergeordnete Trendrichtung abwärts.

In den Wintermonaten kämpfte der USD zwar noch wochenlang mit der 120 JPY-Marke, musste diese dann aber im Februar aufgeben. Im Zuge des Brexit-Votums fiel der Kurs dann auf den tiefsten Stand seit November 2013. Damals allerdings war der US-Dollar im Aufwärtstrend. Inzwischen ist die Trendrichtung umgekehrt.

Die Fed zögert, der US-Dollar schwächelt

Mit jeder Zinssetzung der US-amerikanischen Notenbank Fed die ohne eine erneute Anhebung der Leitzinsen in den USA zu Ende ging, verlor der US-Dollar seit Jahresbeginn gegenüber dem Yen an Wert. Es scheint, als stellen sich die Mehrheit der Marktteilnehmer nun auf längerfristige Niedrigzinsen in den USA ein.

Die Fed hat sich unter ihrer Chefin Janet Yellen bisher nicht an ihr Wort gehalten, den Leitzins in diesem Jahr noch mindestens ein Mal zu erhöhen.

Außerdem äußerten sich in den vergangenen Tagen mehrere US-Notenbanker kritisch über die geplante Zinserhöhung, und bestärkten somit die Meinung vieler Marktteilnehmer, dass die Fed es nicht schaffen wird, gegen den globalen Strom der expansiven Geldpolitik anzuschwimmen.

Der starke Yen schwächt den NIKKEI

Dieser Dollar-Pessimismus wirkt sich dementsprechend auch auf den USD/JPY aus. Solche Verwerfungen im Währungspaar USD/JPY sind nicht für Devisenhändler interessant, sondern haben auch Auswirkungen auf andere Märkte.

So wirkt sich ein starker Yen sofort auf den japanischen Leitindex NIKKEI aus. Schließlich verteuert eine starke Landeswährung automatisch die Exporte. Das hat sich gestern auch sofort gezeigt. Der NIKKEI fiel bereits gestern morgen um rund 1,5 %, und das obwohl die amerikanischen Märkte mit neuen Rekordhochs glanzvoll vorlegten.

EUR/JPY: Der Euro schlägt sich wacker

Auch der Euro fiel gestern im Wert gegenüber dem Yen, schaffte es aber im Gegensatz zum US-Dollar, kurz oberhalb des letzten markanten Zwischentiefs vom 5. August bei 112,357 JPY zu bleiben. Damit bleibt dieses Tief als Unterstützung relevant. Außerdem schaffte es der Euro im heutigen Tagesverlauf über das Tageshoch von gestern zu steigen.

Allerdings ist auch hier die übergeordnete Trendrichtung klar abwärts. Allein im vergangenen Monat hat der Euro gegenüber dem Yen rund 2,3 % an Wert verloren, in den letzten drei Monaten waren es sogar 8,4 %. Auf die letzten 12 Monate betrachtet, beträgt der Kursverlust ganze 18%!

Noch ist alles möglich

Für die weitere Kursentwicklung in den nächsten Tagen wird es nun wichtig, ob der Euro die Marke rund um 113 JPY verteidigen kann. Seit dem 8. August schloss der Kurs auf Tagesbasis jeden Tag oberhalb der 113 JPY, unterschritt die Marke im Tagesverlauf aber immer wieder.

Rein aus charttechnischer Sicht ist die kurzfristige Entwicklung so lange unklar, bis der Euro entweder auf Tagesschlussbasis unter die 113 JPY fällt, oder aber im Tagesverlauf über die 114 JPY steigt.

Langfristig ist eine Yen-Schwäche vorprogrammiert

Dass der Yen langfristig immer schwächer werden wird, ist praktisch vorprogrammiert. Ein Land, das Staatsschulden von mehr als 200 % des Bruttoinlandsprodukts auftürmte, das seit geraumer Zeit kein Wirtschaftswachstum aufweist, dafür eine rapide alternde Bevölkerung hat und unter Deflation leidet, wird die Zinsen immer weiter absenken müssen. Denn anders sind die enormen Schuldenberge kaum zu schultern.

Gleichzeitig versucht die Regierung im Einklang mit der Notenbank, den Yen gezielt abzuwerten, um die Exportwirtschaft anzukurbeln. Das ist schließlich der einzige Wirtschaftszweig, der unabhängig von der prekären Lage im Inland wachsen und so für ein paar Lichtblicke sorgen kann.

Gezielte Abwertung und zwangsweise immer weiter sinkende Zinsen sind jedoch genau der Cocktail, der eine Aufwertung oder auch nur Bodenbildung verhindert. Es gibt für Anleger keinen Grund mehr, in Yen anzulegen. Auch Carry Trades, bei denen sich Spekulanten niedrig verzinste Yen leihen und in höher verzinste Währungen tauschen, sind angesichts der weltweit niedrigen Zinsen nicht mehr sinnvoll.

Trades auf der Yen-Shortseite dürften also langfristig tendenziell erfolgreicher sein als Trades auf der Longseite.

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Über den Autor
Thomas Kallwass

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