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Das geldpolitische Experiment in Japan ist faktisch gescheitert

Das geldpolitische Experiment in Japan muss inzwischen als so gut wie gescheitert angesehen werden, weil es trotz einer historisch einmaligen Lockerung weder das gewünschte Wachstum noch die gewünschte Inflation hervorgebracht hat. Die Jahreswachstumsrate des Konsums ist negativ, die der Investitionen sinkt ebenfalls.

Der private Konsum bricht derzeit sogar stärker als im Jahr 2008 während der Finanzkrise ein. Die privaten Investitionen liegen auf dem gleichen Niveau wie vor 25 Jahren. Warum macht man trotzdem mit Maßnahmen weiter, die nur kurzfristig etwas bringen?

Weil Wahlen anstehen und man „Erfolge“ vorweisen muss, wenn der Machterhalt gesichert werden soll. Ein Rückfall der Wirtschaft in die Rezession ist unvermeidlich, wenn die Rückgänge bei Konsum und Investitionen  nicht kompensiert werden.

Konjunkturpaket über 28 Billionen Yen ist viel zu klein

Dazu soll in Kürze ein neues Konjunkturpaket im Gesamtvolumen von über 28 Billionen Yen beschlossen werden (die Markterwartung lag bei nur 20 Billionen Yen). Allerdings dürften die direkten Ausgaben der Regierung nur bei rund 7 Billionen Yen liegen. Der Rest wird andernorts eingespart.

Dieses Programm kann die Wirtschaft tatsächlich stimulieren. Allerdings nur solange, wie der Staat seine Ausgaben in die Wirtschaft pumpt. Ein selbstragendes Wachstum dürfte auch mit diesem Programm nicht erreicht werden.

Außerdem ist der Umfang des Konjunkturprogramms viel zu gering. Es dürfte gerade einmal 0,2 % bis 0,3 % mehr an Wirtschaftsleistung bringen. Ein Tropfen auf den heißen Stein also.

Japan befindet sich seit Jahrzehnten in einer Falle aus Deflation, Überschuldung und Stagnation. Die Europäische Zentralbank kopiert die Strategie Japans in wesentlichen Teilen.

Daher dürften die Folgen für die Eurozone die gleichen sein: Rekordverschuldung bis hin zum Zusammenbruch, dabei aber maximal vorübergehende Wachstumseffekte zeigt. Man könnte es auch einfach eine planwirtschaftlich verordnete Konkursverschleppung nennen.

Der japanische Nikkei Index reagiert auf die Maßnahmen heute früh verhalten positiv (heutige Tageskerze im Chart noch nicht enthalten).

Offenbar lockt die Aussicht auf wenigstens etwas Wachstum einige Käufer hinter dem Ofen hervor. Am Abwärtstrend ändert sich damit aber noch nichts. Die Auswirkungen auf den Yen sind gravierender.

Nikkei Index Tageschart: Klarer Abwärtstrend

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Der japanische Yen, der bereits seit Monaten aufwertet und damit die ohnehin begrenzten Erfolge der lockeren Geldpolitik gefährdet, legte nach den überwiegend als enttäuschend bewerteten Entscheidungen der japanischen Notenbank deutlich zu.

USD/JPY und EUR/JPY brachen deutlich ein. Die Hoffnungen konzentrieren sich nun auf ein „Wunder“ im September. Die Auswirkungen auf den deutschen oder US-Aktienmarkt sind heute früh nicht messbar. Die Kurse pendeln derzeit um den Vortagesschluss. Die Gefahr einer Sommerkorrektur wird damit nicht geringer.

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Über den Autor Henrik Voigt

Henrik Voigt hat an der renommierten TU Dresden Wirtschaftsingenieurwesen studiert und als einer der Jahrgangsbesten sein Studium abgeschlossen.

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