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Geldpolitik: US-Inflation zu hoch, Zinsschritt?

Anlass für den gestrigen Bullenkonter an der US-Leitbörse war die Veröffentlichung der FOMC-Minutes, also des geldpolitischen Ausblickes der US-Notenbank. Dieser wurde offenbar positiv interpretiert.

Obwohl dem Bericht zufolge einige Notenbank-Mitglieder einen baldigen Zinsschritt für angemessen halten und das Wirtschafts-Wachstum im zweiten Halbjahr etwas über dem Trend liegen soll, wollen „viele“ Mitglieder mehr Wirtschaftsdaten abwarten, bevor sie sich zu einem möglichen Zinsschritt durchringen können.

Diese moderaten Töne stehen im Gegensatz zu den Äußerungen mehrerer Notenbank Mitglieder in den vergangenen Tagen.

Währungshüter William Dudley (FED-Präsident von New York) etwa sprach sich zuletzt für eine Zinserhöhung im September aus: „Wir nähern uns dem Zeitpunkt, zu dem es aus meiner Sicht angemessen ist, die Zinsen anzuheben“.

Sein Kollege Dennis Lockhart (Präsident der FED Atlanta) klingt ähnlich. Er wolle eine Zinserhöhung bis zum Ende des Jahres nicht ausschließen, da sich der Arbeitsmarkt der Vollbeschäftigung nähert und die Inflation Ende 2017 auf 2 Prozent steigen werde.

Ungeachtet dieser Äußerungen ist es jedoch immer ratsam, gerade Notenbanker an ihren Taten zu messen, nicht an ihren Worten. Und da haben wir trotz der jüngsten hawkishen Worte bisher nur einen einzigen Zinsschritt gesehen.

Inflation bedenklich hoch, FED muss handeln

Die Wahrscheinlichkeit für einen zweiten Zinsschritt im September liegt derzeit auch nur bei 18 % (zuvor 9%). Die aktuellen Inflationsdaten zeigen Handlungsbedarf.

Die Kerninflation (Verbraucherpreise exklusive Energie und Nahrungsmittel) in den USA hält sich robust oberhalb der Marke von 2 %, die auch das Ziel der Fed ist.

Die Gesamtrate pendelt um die noch unkritische 1%-Marke. Sofern sich die Rohstoffpreise weiter normalisieren, steigt die Inflation ganz automatisch deutlich an. Daher dürfte es in diesem Jahr ganz sicher noch einen Zinsschritt geben.

Jedoch wahrscheinlich nicht im September, sondern erst nach der US-Wahl, die im November stattfindet. Die Notenbanksitzung im Dezember hat also beste Chancen, endlich einen zweiten Zinsschritt zu gebären.

Voraussetzung dafür ist, dass die US-Wirtschaftsdaten stabil bleiben. Dazu müsste der aktuell zu beobachtende Rückgang aber bald wieder ausgebügelt werden.

Die Börsen unterschätze die Wahrscheinlichkeit einer Zinsanhebung derzeit. Gleichzeitig überschätzen sie die Wachstumsdynamik.

Mit einer herbstlichen Korrektur haben die Märkte die Chance, dieses verzerrte Bild wieder geradezu rücken. Damit würde sich auch das Verhältnis zwischen Chance und Risiko für eine mögliche Jahresendrally wieder verbessern.

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Über den Autor Henrik Voigt

Henrik Voigt hat an der renommierten TU Dresden Wirtschaftsingenieurwesen studiert und als einer der Jahrgangsbesten sein Studium abgeschlossen.

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