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Geldpolitik: Bank of Japan enttäuscht den Markt

Nach der impulslosen US-Notenbanksitzung am Mittwoch hatten die Bullen noch einen Trumpf in der Hand: Die Sitzung der japanischen Notenbank heute früh. Da hätte ein „Knaller“ wieder ganz neue Fantasie in den Aktienmarkt bringen können.

Bank of Japan-Chef Kuroda ist ein ausgewiesener Fan geldpolitischer Experimente – und er liebt Überraschungen. Zuletzt waren selbst so irrwitzige Ideen wie „Helikoptergeld“ im Umlauf, also Geldgeschenke der Notenbank an bestimmte Teile der Wirtschaft, um diese wieder in Schwung zu bringen.

Doch dieses Experiment war offenbar selbst Kuroda zu viel. Er erteilte derartigen Maßnahmen erst vor wenigen Tagen eine Absage. Blieb noch die Hoffnung auf eine drastische Ausweitung der Wertpapierkäufe durch die Notenbank, noch tiefere Negativzinsen usw.

Doch auch hier warf Kuroda heute früh das Handtuch und enttäuschte den Markt. Die Bank of Japan kündigte an, ihr Kaufvolumen für börsengehandelte Indexfonds (ETFs) von 3,3 Billionen Yen pro Jahr auf 6 Billionen Yen anzuheben.

That`s it. Die Anleihekäufe bleiben bei 80 Billionen Yen pro Jahr.  Die Leitzinsen und der Einlagesatz für Banken (- 0,1 Prozent) bleiben unverändert.

Bank of Japan vertröstet auf September

Dies geschieht vor dem Hintergrund, dass die Bank of Japan ihre Wachstumsprognose für das bis Ende März 2017 laufende Fiskaljahr von 1,2 auf 1,0 Prozent senken musste. Wenigstens sollen die geldpolitischen Maßnahmen bei der nächsten Zinssitzung im September überprüft werden.

Die (für die dortigen Verhältnisse) relative Zurückhaltung der Bank of Japan könnte ein Ergebnis durch Druck von außen sein. Im Vorfeld gab es ein Treffen zwischen Kuroda und Bernanke, dem ehemaligen Chef der US-Notenbank.

Die USA würden unter einer weiteren Ausweitung der lockeren Geldpolitik in Japan besonders betroffen sein, weil dann noch mehr Kapital auf der Jagd nach Rendite aus Japan in die USA strömen würde.

Was dort wiederum die US-Anleihenblase weiter aufpumpt, den US-Dollar noch fester werden lässt und eine geldpolitische Steuerung durch die US-Notenbank nahezu unmöglich macht.

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Über den Autor Henrik Voigt

Henrik Voigt hat an der renommierten TU Dresden Wirtschaftsingenieurwesen studiert und als einer der Jahrgangsbesten sein Studium abgeschlossen.

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