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Frankreich: Staat garantiert Sparbuch-Zinsen

Auch das noch. In Frankreich ruft jede Reform oder besser gesagt: jeder kleinste Reformansatz der Regierung Hollande direkt Proteste, Kundgebungen und Streiks aus.

Ob nun Notare, Lehrer, LKW-Fahrer oder Landwirte – keiner möchte, dass sich an seinem Berufsstand etwas ändert. Kein Wunder, dass die Gewerkschaften in Frankreich wesentlich mächtiger sind als in Deutschland.

Sparbuch bringt +0,75 % Zinsen

Im letzten Jahr hat es in Paris den Marsch gegen die Minizinsen gegeben. Denn die französische Regierung die Zinsen für das Livret A von +1 % auf 0,75 % gesenkt. Dazu müssen Sie wissen: Das Livret A ist ein staatlich garantiertes Volkssparbuch.

Ein Großteil der Franzosen verfügt über dieses Sparbuch. Die Zinseinnahmen sind steuerfrei. Gleichzeitig fließen die Anlagen des Livret A gehen in die Finanzierung des sozialen Wohnungsbaus, die energetische Sanierung und in die Infrastrukturmaßnahmen.

So weit so gut. Das Livret ist eines der ältesten Finanzinstitutionen Frankreichs, es wurde bereits 1818 eingeführt.

Diese Vermögensbildung wird nicht funktionieren

Offenbar halten die Franzosen gerne an staatlichen Institutionen fest, auch wenn sie nicht mehr zeitgemäß sind. Wie bei einem Zinssatz von +0,75 % von einem vermögensbildenden Effekt ausgehen kann, ist mir schleierhaft.

Denn die Höchstanlagesumme pro Person beträgt 22.950 €. Pro Jahr bekommen Sie 172,12 € Zinsen. Davon können Sie dann noch die Inflationsrate abziehen.

Letztendlich zahlen alle drauf

Schon die Idee eines staatlich garantierten Zinses finde ich fragwürdig. Während die EZB den Zinsen historisch niedrig hält, in Deutschland auf Spareinlagen entsprechend Minizinsen von bis +0,10 % gezahlt werden, legt der französischen Staat weit darüber noch was drauf.

Was offenbar die Franzosen bei ihrem Marsch gegen die Absenkung der Zinsen des Livret A nicht verstehen: Letztendlich zahlt die Gemeinschaft über höhere Steuern den Luxus der höheren Zinsen.

Für den Sparer ist das im besten Fall ein Nullsummenspiel. Leider ist das Livret A wieder ein Beispiel dafür, dass Frankreich auf absehbare Zeit nicht reformfähig ist.

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Über den Autor Volkmar Michler

Volkmar Michler, Jahrgang 1964, ist langjähriger Leiter der deutschen Trader-Redaktion. Er studierte Jura, Politik und Geschichte und absolvierte ein betriebs- und volkswirtschaftliche Zusatzausbildung.

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