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Geldpolitik: Ein falscher Schritt der Notenbaken genügt

Der S&P 500 hat gestern seine Chance genutzt und hat direkt wieder nach oben abgedreht. Ich hatte Sie gestern in meinem Artikel auf die kurzfristig positive Saisonalität als treibenden Faktor hingewiesen.

Ob die Mini-Korrektur des Vortages damit wieder als „One-day-wonder“ abgehakt werden kann, zeigt sich in den kommenden Tagen. Ein neues Allzeithoch wäre ein starkes Argument dafür. Ohne neue Hochs könnte aber auch eine längere Sommerkorrektur auf uns warten. Oder schlimmeres.

Trump will einen schwachen Dollar, die Notenbanken nicht

Denn eine große Schlacht tobt derzeit an den Devisenmärkten, vor allem bei Euro und Dollar. US Präsident Donald Trump hat sich in 2 Interviews mit dem Wall Street Journal dahingehend geäußert, dass der US-Dollar zu hoch bewertet sei.

Der US Wirtschaft entstehe dadurch ein Nachteil. Trump wäre also ein schwächerer Dollar ganz Recht.

Allerdings spielt da weder die US-Notenbank mit, die ihre Geldpolitik weiter strafft (künftig durch eine Bilanzverkürzung, die wie weiterer Zinsschritte wirkt). Noch will die EZB mitspielen, der ein stärkerer Euro Wettbewerbsnachteile einbringen würde.

Die EZB wird zumindest um die Rücknahme ihrer Negativzinsen in den kommenden 6 bis 12 Monaten nicht herumkommen, weil diese mehr negative als positive Wirkungen haben. Ein solcher Schritt wird vom Markt bereits erwartet und ist hinreichend eingepreist.

Die EZB kann sich keinen straken Euro leisten

Doch eine echte Straffung der Geldpolitik im Sinne von Zinserhöhungen kann sie sich nicht leisten, weil dann die hochverschuldeten Südländer unter der Zinslast zusammenbrechen würden. Maximal ein „Tapering“, also ein Zurückfahren der Anleihenkäufe, ist möglich.

Die Märkte kochen unterdessen ihr eigenes Süppchen. Ich hatte in meinem Jahresausblick 2017 vor einem halben Jahr bereits eine deutliche Erholung des Währungspaares EUR/USD angekündigt, als die meisten Großbanken noch von einem EUR/USD unterhalb der Parität sprachen.

Mein wahrscheinlichstes Erholungsziel von 1,15 ist inzwischen nahezu erreicht.

Spekulanten lassen den Euro über das Ziel hinausschießen

Inzwischen geht die Euphorie der Märkte allerdings in die andere Richtung und EUR/USD-Ziele bei 1,20 bis 1,30 werden herumgereicht. Ich glaube nicht daran. Bereits in Kürze fährt EUR/USD gegen eine Mauer.

Gestern konnte man bereits sehr schön sehen, wie nervös und überspekuliert der Devisenmarkt ist.

Nach einer als „falkenhaft“ interpretierten Rede von EZB-Präsident Mario Draghi konnte EUR/USD noch am Dienstag stark zulegen, als Draghi sagte, dass die schwache Inflation in der Eurozone vor allem vorübergehende Ursachen habe.

Der Markt interpretierte hier einen Hinweis auf eine früher bevorstehende geldpolitische Wende hinein.

Verbale EZB-Intervention verpufft

Doch gestern intervenierte die EZB verbal. Sie fühlt sich durch diese Interpretation der Draghi-Rede missverstanden, melden Nachrichtenagenturen unter Berufung auf Kreise.

EUR/USD stürzte intraday regelrecht ab – innerhalb von einer Stunde sogar wieder unter 1,13. Allerdings nur, um kurze Zeit später die gesamte Korrektur wieder auszubügeln. Der Markt sagte sich: Sch… drauf, wir wissen es besser.

Die Spekulation läuft auf vollen Touren. Sie steht kurz vor Extremwerten, an denen eine Wende wahrscheinlich wird. Wenn alle an das gleiche glauben (aktuell EUR/USD rauf), passiert meist das Gegenteil.

Pimco sieht Gefahr für die Märkte

Der Vermögensverwalter Pimco sieht bei den sich anbahnenden geldpolitischen Kurswechseln mehrerer großer Notenbanken ein Risiko für die Märkte. „Die Gefahr, dass die Zentralbanken Fehler in ihrem Kurswechsel begehen, ist recht hoch“, sagte Pimco-Berater Joachim Fels.

So straffe die Fed derzeit ihre Geldpolitik, obwohl die Inflationserwartungen rückläufig seien. Zum anderen adressierte er die übertriebenen Marktreaktionen auf jüngste Äußerungen von EZB-Chef Draghi.

„Dass sich die EZB in Richtung geldpolitischer Ausstieg bewegt, ist keine große Überraschung“, sagte Fels. Die scharfe Reaktion der Märkte sei deshalb umso überraschender gewesen.

Wiederholt sich das Crashjahr 2015 an den Börsen?

Die Gefahr, dass ungewollt schnelle Verschiebungen am Devisenmarkt zu einem Crash am Aktienmarkt führen, ist durchaus gegeben. Die starke Dollaraufwertung des Jahres 2014 führte zum Bärenmarkt 2015/16.

US-Unternehmen mussten unter anderem deshalb einen über einjährigen Gewinnrückgang hinnehmen, der die Aktienkurse in die Knie zwang.

Wertet jetzt der Euro zu schnell auf, könnte europäischen Unternehmen das gleiche Schicksal blühen. Eine Gefahr sehe ich dann, wen der Euro nachhaltig über 1,15 läuft. Erste (leichte) Bremsspuren beim DAX sind bereits sichtbar, der sich in den letzten Wochen zunehmend negativ vom US-Markt abkoppelt.

Behalten Sie deshalb den Euro im Auge!

Offenlegung gemäß §34b WpHG wegen möglicher Interessenkonflikte: Der Autor ist in den besprochenen Wertpapieren bzw. Basiswerten dieser Ausgabe investiert.

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Über den Autor
Henrik Voigt

Henrik Voigt hat an der renommierten TU Dresden Wirtschaftsingenieurwesen studiert und als einer der Jahrgangsbesten sein Studium abgeschlossen.

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