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Die Situation im EUR/USD: Trading-Chancen und Ausblick

Für die Euro-Bullen ging die vergangene Handelswoche miserable zu Ende. Zum ersten Mal seit rund fünf Monaten schloss der Euro gegenüber dem US-Dollar wieder unterhalb der wichtigen 1,10USD-Marke.

Das ist für Trader ein deutliches Short-Signal, vor allem wenn es der Euro heute auf Tagesschlusskursbasis wiederholt nicht schafft, die 1,10USD als Unterstützung zurückzuerobern.

Die 1,10USD auf Tageschlusskursbasis sind entscheidend

Im heutigen Tagesverlauf fiel der Euro im Tief auf bis zu 1,095USD und notierte damit nur 0,04USD über dem post-Brexit-Votum-Tief vom 24. Juni bei 1,091USD. Hier liegt nun auch das nächste Kursziel für die Euro-Bären. Darunter wird auch schon das Jahrestief aus dem Februar bei 1,081USD relevant.

Mit dem jüngsten Bruch der 1,10USD-Marke zerschlagen sich nun wohl auch die letzten Hoffnungen der Euro-Bullen auf die Ausbildung eines Doppeltiefs und einen darauffolgenden Trendwechsel im EUR/USD.

Das Doppeltief wird nicht vollendet, die Trendwende bleibt aus

Mehrfachtiefs beziehungsweise -hochs gelten in der charttechnischen Analyse allgemein als Trendwendeformationen.

Je größer die Zeiteinheiten sind, auf denen sich die Chartmuster ausbilden, desto aussagekräftiger sind die Signale in Bezug auf die zukünftige Trendrichtung. Das aktuelle Doppeltief, wenngleich nicht abgeschlossen, hat sich im Monatschart seit Jahresbeginn 2015 entwickelt.

Nachdem die Europäische Zentralbank (EZB) zu Beginn des letzten Jahres ihr umfangreiches QE-Programm ankündigte und dann ab März 2015 damit begann, es in die Tat umzusetzen, verlor der Euro gegenüber dem US-Dollar rapide an Wert.

Kostete ein Euro zum Jahresbeginn 2015 noch 1,21USD, war derselbe Euro zum Ende des ersten Quartals nur noch 1,074USD wert, mit einem Rekordtief bei 1,045USD im März 2015.

Das 2015-Hoch bleibt weiterhin das Maß der Dinge für die Euro-Bullen

Bis August 2015 erholte sich der Euro dann von seinen Verlusten und stieg im Hoch auf bis zu 1,171USD. Der Kurs konnte das hohe Kursniveau allerdings nicht lange halten, und schon Ende November notierte der Euro nur knapp über dem Märzhoch bei 1,054USD.

Wichtig hierbei war allerdings, dass das Novembertief über dem Märztief lag und der übergeordnete Abwärtstrend damit unterbrochen (wenn auch nicht gebrochen) war.

Vom Novembertief rappelte sich der Euro wieder auf und stieg bis zum Mai dieses Jahres auf ein Zwischenhoch bei 1,161USD. Doch hier ist der Knackpunkt: Dieses Hoch lag unter dem Augusthoch aus dem Jahr 2015, dem letzten relevanten Zwischenhoch auf dem Monatschart.

Hätte der Kurs das Hoch überschritten, dann wäre das Doppeltief als Chartformation abgeschlossen gewesen. Der große Abwärtstrend wäre damit gebrochen gewesen und die Trendwende eingeläutet. Stattdessen fiel der Kurs wieder und die Monatskerze für den Mai schloss bearish.

Kommt es zum Dreifachtief?

Für die Euro-Bullen ist aber noch nicht aller Tage Abend. Denn ein verpasstest Doppeltief hält immer noch die Möglichkeit eines erfolgreichen Dreifachtiefs offen.

Dazu kommt es dann, wenn der Kurs in den nächsten Monaten erneut in den Unterstützungsbereich um 1,05USD fällt, sich von dieser Unterstützung nach oben abstößt und dann in den Folgemonaten über das 2015er-Hoch bei 1,171USD steigt.

Gelingt dies, ist die Trendwende perfekt. Dabei ist aber wichtig, dass der Kurs nicht unter das 2015-Tief bei 1,045USD fällt.

Rückenwind für die Dollar-Bullen dürfte diese Woche eventuell von der US-amerikanischen Notenbank Federal Reserves (Fed) kommen, die sich am Mittwoch wieder einmal in Sachen Zinsentscheidung trifft.

Die Mehrheit der Experten rechnet zwar nicht mit einer Zinsanhebung, doch es dürfte wie immer fleißig zwischen den Zeilen gelesen werden, wann denn der zweite für dieses Jahr angekündigte Zinsschritt kommen könnte.

Positive Signale von Fed-Chefin Janet Yellen in Sachen Arbeitslosenquote oder Wirtschaftswachstum dürften sich positiv auf den Wert des Dollar und damit negativ auf den EUR/USD-Kurs auswerten.

Rennt der Fed die Zeit davon?

Und es besteht auch immer noch die Möglichkeit, dass es anders kommt, als alle denken, und die Fed sich doch dazu entscheidet, die Zinsen eher früher als später im Jahr anzuheben.

Denn im November steht in den USA die Präsidentschaftswahl an, und es zumindest nicht völlig ausgeschlossen, dass Hillary Clinton nicht Präsidentin wird.

Im zwar unwahrscheinlichen aber nicht unmöglichen Fall eines Wahlsieges von Donald Trump dürfte die US-amerikanische Wirtschaft einen ganz gehörigen Dämpfer bekommen.

Dow Jones und US-Dollar würden wahrscheinlich noch sehr viel deutlicher an Wert verlieren als es FTSE100 und Pfund nach dem Brexit-Votum taten.

Eine Zinsanhebung vor der Wahl im November wäre sinnvoll

Die Wall Street favorisiert ganz klar Hillary Clinton. Trump ist viel zu unberechenbar. Und wenn die Märkte eine Sache nicht leiden können, dann ist es Unsicherheit. Das stellen die wirtschaftlichen Nachwehen des Brexit gerade lehrbuchartig unter Beweis. Und das wird auch die Fed wissen.

Ein Steuerinstrument der Fed, um auf Unsicherheiten politscher und wirtschaftlicher Art zu reagieren, ist der Leitzins. Dieser ist allerdings auch nach der ersten Anhebung in einer Dekade im letzten Dezember noch sehr niedrig und schwankt aktuell zwischen 0,25% und 0,5%.

Beließe die Fed den Zinssatz bis November in diesem Bereich, bliebe ihr nicht viel Spielraum, um auf eventuelle Krisen im Zuge der Wahl zu reagieren.

Es kann also durchaus sein, dass die Fed in naher Zukunft doch noch für eine Überraschung gut ist.

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Über den Autor Thomas Kallwass

Thomas Kallwass ist unser Spezialist für alternative Investment-Chancen. Seine Handelsstrategien sind wissenschaftlich untermauert.

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