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Die Lira nach dem Putsch-Versuch: Long oder Short?

Wieder einmal ging es hoch her auf der internationalen politischen Bühne. Schauplatz der Wogen war am Wochenende die Türkei, wo ein militärischer Putsch gegen die Regierung und Präsident Recep Tayyip Erdoğan scheiterte.

Der Putschversuch sorgte kurzfristig für Unruhe an den Finanzmärkten. Die Lira verlor gegenüber Euro und US-Dollar, konnte sich aber zum Wochenauftakt wieder etwas erholen. Für erfahrene Trader eröffnen sich hier interessante Trading-Gelegenheiten.

Verluste für die Lira gegenüber Euro und US-Dollar

Insgesamt hat der gescheiterte Putschversuch vergleichsweise kleine Wellen an den internationalen Aktien- und Finanzmärkten geschlagen. In der Türkei allerdings gaben die Aktienkurse deutlich nach und fielen zwischenzeitlich um bis zu 5%. Auch die türkische Lira musste gegenüber Euro und US-Dollar deutliche Verluste einstecken.

Gegenüber dem Euro fiel die Lira übers Wochenende um mehr als 4% und markierte ein neues Zweimonats-Tief. Gegenüber dem US-Dollar ging es sogar um knapp 9% abwärts und auf ein neues Sechsmonats-Tief. Damit setzen beide Währungspaare, EUR/TRY und USD/TRY, ihre übergeordneten mehrjährigen Aufwärtstrends gegenüber der Lira weiter fort.

EUR/TRY: Short kurzfristig wohl aussichtsreicher als long

Doch auf den kleineren Zeiteinheiten, die gerade für Daytrader eh die ausschlaggebenden sind, ist die Lage dann doch nicht so eindeutig. Denn der EUR/TRY steckt seit Jahresbeginn in einer Seitwärtsphase, aus der es der Euro auch im Zuge des gescheiterten Putsches in der Nacht zum Samstag nicht geschafft hat, auszubrechen.

Nun heißt es hier: was nicht ist, kann noch werden, und es ist nicht auszuschließen, dass die Lira in den nächsten Tagen noch weiter gegenüber dem Euro verliert.

Doch die heutige Erholung der Lira, sprich die Kursverluste im Euro, lassen einen Short-Einstieg nicht völlig abwegig erscheinen. Dieses Szenario wird in dem Moment ungültig, in dem der Euro über das gestrige Hoch bei 3,33TRY steigt.

Prallt der Kurs aber an oder unterhalb dieses Widerstands nach unten ab, dann ist ein Short-Einstieg durchaus gerechtfertigt und hat zudem ordentlich Luft nach unten. Die nächste Unterstützung liegt nämlich beim Freitagstief von 3,20TRY.

USD/TRY: Es wird sich wohl an der 3,00TRY-Marke entscheiden

Im USD/TRY ist es charttechnisch gesehen extrem schwierig, die Kursrichtung für die nächsten Tage treffsicher vorherzusagen. Im Laufe des heutigen Tages bildete der Kurs eine sehr saubere V-Formation aus, die an sich darauf hindeutet, dass eine starke Abwärtsbewegung abgefangen wurde und der Kurs nun wieder aufwärts geht.

Allerdings ist diese Abwärtsbewegung im USD/TRY die Gegenbewegung zu einer noch stärkeren Aufwärtsbewegung im Zuge des Putschversuchs. Der Markt scheint sich also heute noch nicht entschieden zu haben, was hier die Übertreibung und was die Korrektur ist.

Eventuell gibt die 3,00TRY-Marke Ausschluss, die zuletzt im Mai als Widerstand hielt, am Wochenende aber knapp übersprungen und heute aber wieder nach unten gebrochen wurde.

Scheitert der Kurs in den Folgetagen an dieser Marke, dann dürfte sich die Lira weiter erholen und der Kurs weiter fallen. Schafft es der US-Dollar allerdings nachhaltig über diesen Widerstand, dann geht es weiter aufwärts für den Kurs.

Wichtig: Lernen Sie Ihren Broker kennen!

Wenn Sie als Daytrader Schwellenlandwährungen an der Forex handeln, sollten Sie grundsätzlich unbedingt den Spread im Auge behalten. Dieser ist bei Währungspaaren wie dem EUR/TRY und dem USD/TRY deutlich höher als beispielsweise im EUR/USD oder im Cable.

Hier brauchen Sie also vergleichsweise größere Kursbewegungen, um die Kosten für den Spread wieder einzuholen.

Auch sollten Sie darauf achten, wie sich Ihr Broker in Krisensituationen verhält. Im Zuge des Putschversuchs haben einige Broker risikoverringernde Maßnahmen in die Wege geleitet, um der hohen Volatilität in der Lira entgegenzuwirken.

So haben einige Broker hoch gehebelte Positionen in der Lira streng limitiert, während andere Broker Lira-Paare gleich ganz für den Handel gesperrt haben.

Es sei an dieser Stelle dahingestellt, ob solche Maßnahmen für Sie als Trader tatsächlich zielführend oder eher hinderlich sind. Wichtig ist, dass Sie Ihren Broker gut genug kennen, um zu wissen, was in einer plötzlich auftretenden Krisensituation mit Ihren Positionen passieren kann.

Die Lira braucht politische Stabilität

Aus fundamentaler und mittel- bis langfristiger Sicht dürften die derzeitigen Entwicklungen in der Türkei der Lira eher schaden als helfen. Der Putschversuch ist die Fortsetzung beunruhigender politischer Entwicklungen in der Türkei. Innenpolitische Reformen wären dringend notwendig, um die andauernde Polarisierung der Gesellschaft aufzuhalten.

Die PKK, die Situation der aus Syrien und anderen Ländern über die Türkei flüchtender Menschen, sowie innenpolitische Spannungen bedeuten Unsicherheit für das Land und damit Unsicherheit für die Märkte. Auch setzt Erdogan mit seinen despotischen Tendenzen die Verhandlungen zum EU-Beitritt seines Landes aufs Spiel.

Schwellenlandwährungen sind unterbewertet

All das sind keine sonderlich positiven Signale für die Lira. Doch aufgrund der sehr Türkei-spezifischen Situation muss momentan nicht davon ausgegangen werden, dass andere Schwellenlandwährungen ebenfalls unter Druck geraten.

Generell sind die Schwellenlandwährungen gegenüber Euro und US-Dollar deutlich unterbewertet – gerade auch die Lira. So ergibt sich mittel- bis langfristig in vielen Paaren ein enormes Aufwertungspotential für die Währungen der Emerging Markets.

Eine um mehr als 50% unterbewertete türkische Lira wird auch nicht ewig auf diesem krassen Kursniveau verharren. Die billige Währung ist schließlich eine starke Exportförderung für die Türkei.

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Über den Autor Thomas Kallwass

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