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Nach der Wahl: Britisches Pfund sackt ab, Exportaktien steigen

Das hat sich wohl nicht gerechnet. So wie der britische Premier David Cameron aus durchsichtigen innenpolitischen Gründen im letzten Sommer ein völlig unnötiges Brexit-Votum angezettelt und damit seine politische Karriere beendet hat, gerät jetzt auch Premierministerin Theresa May unter Druck.

Um ein stärkeres Mandat im Unterhaus zu erreichen, hat May Neuwahlen vorgezogen. Das Gegenteil hat sie erreicht. Ihre Partei steht schwächer da.

Hängepartie im britischen Parlament

Die Konservativen sind zwar weiterhin stärkste Partei, haben aber ihre Mehrheit eingebüßt. Wenn May eine Minderheitsregierung anstrebt, stehen der Insel unsichere Zeiten bevor. Entsprechend bezeichnet man dies auch als  „hung parliament“.

Auch eine Koalitionsregierung mit den nordirischen Protestanten der Democratic Unionist Party (DUP) ist kein Garant für Stabilität.

Wer verhandelt jetzt den Brexit?

Dabei braucht Großbritannien genau das. Die Frist für den Austritt aus der EU läuft bereits. Schon jetzt ist der Zeitplan eigentlich nicht einzuhalten, umso weniger, wenn  Großbritannien eine langwierige Regierungsbildung bevorsteht.

Auf jeden Fall ist der harte Brexit abgewählt. Das dürfte das britische Pfund langfristig etwas stabilisieren, aber am übergeordneten Abwärtstrend nichts ändern.

Weniger britische Sport- und Geländewagen auf französischen Straßen

Für die importabhängigen Briten ist das eine bittere Entwicklung. Denn es wird immer schwieriger, den Lebensstandard zu finanzieren. In Südfrankreich kann ich dies bereits erleben.

Selbst für die gerne mit Sport- und Geländewagen fahrende britische Oberschicht wird es schwierig, bei einem Kaufkraftverlust von über -30% die französischen Schlösser zu unterhalten. Der Immobilienmarkt ist ins Rutschen geraten. Wir bekommen wieder Kaufpreise.

Britische Exportaktien profitieren

Des einen Freud, des anderen Leid. Das gilt auch für die Börse. Wer in Großbritannien exportiert, profitiert jetzt vom niedrigen britischen Pfund.

Denn das macht britische Waren im Ausland gegenüber der Konkurrenz billiger. Exportweltmeister Deutschland hat vom schwachen Euro jahrelang profitiert. Das Gejammere über den schwachen Euro habe ich deshalb nie verstanden.

 

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Über den Autor
Volkmar Michler

Volkmar Michler, Jahrgang 1964, ist langjähriger Leiter der deutschen Trader-Redaktion. Er studierte Jura, Politik und Geschichte und absolvierte ein betriebs- und volkswirtschaftliche Zusatzausbildung.

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