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Die Bank of England senkt die Zinsen – so profitieren Sie davon

Überraschend senkte die Britische Notenbank Bank of England (BoE) vergangene Woche den Leitzins von 0,5 % auf 0,25 %.

Gleichzeitig kündigte Notenbankchef Mark Carney an, dass das noch nicht das Ende der Fahnenstange gewesen sein muss. Ein Leitzins von 0 %, wie er derzeit in der Eurozone gilt, ist nun auch für Großbritannien gut möglich.

Zudem erhöhte die Bank of England das Ankaufvolumen für Anleihen und weitete das Programm auf Unternehmensanleihen aus. Damit überraschte Carney die Märkte. Infolgedessen stieg der britische Leitindex FTSE100, und das Pfund verlor an Wert.

Der FTSE100 steht höher als vor dem EU-Referendum

Für Trader sind solche fundamentalen Ereignisse höchst interessant, denn sie sorgen für Bewegung an den Märkten. Und nur da, wo Bewegung ist, können auch Gewinne gemacht werden.

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Nachdem Carney vergangene Woche die gelpolitischen Maßnahmen der BoE verkündete, machte der britische Leitindex FTSE100 einen deutlichen Satz nach oben und stieg bis heute auf ein neues 12-Monatshoch bei 6.829,47 Punkten.

So hoch stand der Index zuletzt Ende Juni vergangenen Jahres. Allein seit den BoE-Verkündigungen letzte Woche stieg der Index um 3,2 %. Und seit dem Februartief bei rund 5.500 Punkten konnte der FTSE100 um knapp 25 % zulegen.

Ein „shooting star“ deutet auf eine Korrektur hin

Die Aussicht auf mehr billiges Geld schlug sich also direkt in den Aktienkursen nieder. Nach den Höhenflügen heute Vormittag ist aus rein charttechnischer Sicht in den nächsten Tagen mit einer Korrektur zu rechnen, vor allem, wenn sich die Formation der Tageskerze als sogenannter „shooting star“ bestätigt.

Ein „shooting star“ ist eine Kerze mit einem kleinen Körper am unteren Ende der Kursspanne und einem langen oberen Schatten. Sie kommt dann zustande, wenn einer Aufwärtsbewegung die Puste ausgeht beziehungsweise Nachkäufer ausbleiben.

Das hohe Kursniveau kann nicht gehalten werden, und die Rally wird während des Handels abverkauft. Damit gilt der „shooting star“ als Umkehrsignal, das das Ende einer Aufwärtsbewegung andeutet.

Sollte sich der „shooting star“ also zum heutigen Handelsschluss bestätigen, eröffnet das gute Aussichten für eine Short-Positionierung morgen.

Das Pfund bleibt auf extrem niedrigen Niveau

Das Pfund hingegen verhält sich seit dem Brexit-Votum am 24. Juni genau spiegelverkehrt zum FTSE100. War ein Pfund am Morgen des 24. Juni im Hoch noch 1,5019USD wert, fiel es noch am selben Tag im Tief auf 1,3229USD.

Das ist ein Tagesverlust von rund 12 % und damit Rekord. Selbst zu Hochzeiten der Pfundkrise 1992 fielen die Tagesverluste längst nicht so extrem aus. Am sogenannten „schwarzen Mittwoch“ fiel das Cable um 3,2 %.

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Die Briten schießen mit ihrer EU-Skepsis ein Eigentor nach dem nächsten

Die Verluste der eigenen Währung gegenüber dem US-Dollar lösten in den 1990er Jahren eine starke anti-EU-Stimmung im Vereinigten Königreich aus.

Für die Briten ist es nun bittere Ironie, dass sie, nachdem die knappe Mehrheit diese anti-EU-Stimmung mit dem Brexit-Votum auf die Spitze getrieben hatte, dafür mit einem vier Mal so großen Tagesverlust im Pfund bezahlen müssen. Das Pfund notiert seit Ende Juni so tief wie schon seit Mitte der 1980er nicht mehr.

Seit der BoE-Sitzung vergangene Woche gab der Kurs erneut um 2,4% nach und fiel am vergangenen Freitag auf ein Tief bei 1,3022USD. Im heutigen Tagesverlauf kam bis zum Nachmittag zwar kein neues Tief zustande, das ändert aber nichts an der neuen Abwärtstendenz im Währungspaar.

Denn mit den Kursverlusten der vergangenen Woche wurde die wichtige Unterstützung bei rund 1,305USD gerissen. Es ist also davon auszugehen, dass das Pfund in den nächsten Tagen die runde 1,30USD-Marke ansteuert.

Die BoE übertrifft die Erwartungen

Mit den geldpolitischen Maßnahmen, die Mark Carney im Namen der Bank of England vergangene Woche verkündete, reagiert die Notenbank auf das Brexit-Votum und die sich eintrübende wirtschaftliche Lage.

Obgleich der FTSE100 höher notiert als noch vor dem Referendum, deuten verschiedene Indikatoren auf eine Eintrübung der britischen Wirtschaft hin, darunter der Einkaufsmanagerindex und das Konsumklima.

Im Vorfeld der Notenbankentscheidung deuteten Unternehmensbefragungen demnach bereits auf einen Handlungsbedarf seitens der BoE hin. So war es auch keine große Überraschung, dass die Notenbank den Leitzins senkte.

Diese Zinssenkung von 0,5 % auf 0,25 % war die erste seit sieben Jahren, und der Leitzins liegt nun für Großbritannien auf einem neuen Rekordtief. Gleichzeitig gab Carney zu verstehen, dass auch ein Leitzins von 0% nicht auszuschließen ist.

Werden die Maßnahmen Wirkung zeigen?

Außerdem sorgte Carney für eine Überraschung und verkündete die Ausweitung des QE-Programms, das bisher Anleihenkäufe im Umfang von 375 Milliarden Pfund vorsah. Nun wurde es auf 435 Milliarden Pfund aufgestockt und sieht neben dem Ankauf von Staatsanleihen auch den Ankauf von Unternehmensanleihen vor.

Diese Maßnahmen senden ein deutliches Signal an die Märkte und machen zudem klar, dass sich die BoE von ihrem Kurs der geldpolitischen Straffung endgültig verabschiedet hat.

Das ist eine klare Reaktion auf das Brexit-Votum und die unklaren wirtschaftlichen Verhältnisse und Handelsbedingungen für ein Vereinigtes Königreich außerhalb der EU. Ob die Maßnahmen der BoE die erhoffte Wirkung erzielen, wird sich erst noch zeigen müssen.

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Über den Autor Thomas Kallwass

Thomas Kallwass ist unser Spezialist für alternative Investment-Chancen. Seine Handelsstrategien sind wissenschaftlich untermauert.

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