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Brexit-Schock ist verdaut – Wie geht es mit dem Britischen Pfund weiter?

Dass Großbritanniens Wirtschaft den Brexit nicht einfach ignorieren würde, war jedem klar. Allerdings: Die tatsächlichen Auswirkungen sind bis heute, knapp fünf Wochen nach dem Referendum, noch nicht bekannt.

Die ganze Tragweite werden Wirtschaft und Politik erst später erkennen – wenn alle Aspekte diskutiert und von allen Seiten beleuchtet sind. Und das wird mindestens noch ein Vierteljahr in Anspruch nehmen. Daher ist es aktuell eine Gradwanderung für Politik und Notenbank, angemessen auf den Brexit zu reagieren.

Einkaufsmanager-Index im freien Fall

Einer der wichtigsten Indikatoren für eine Volkswirtschaft ist der Einkaufsmanager-Index (EMI). Er zeigt als erstes an, wie sich die maßgebliche Wirtschaftselite verhalten wird. Zuletzt ist in Großbritannien der EMI von 52,4 auf 47,7 Punkte gefallen.

Das ist gelinde ausgedrückt eine Tragödie, da die Marke von 50 als Schwellenwert gilt, ob sich die Wirtschaft in einer Rezession befindet oder nicht. Wichtig ist aber auch, dass für diesen Index die Manager befragt werden, wie sie sich künftig verhalten werden.

Der EMI ist also eine subjektive Einschätzung; die Realität kann dann ganz anders aussehen. Der Brexit war ein Schock, insbesondere für die Finanzwelt.

Daher fließt bei den monatlichen Befragungen sicherlich eine Portion Emotionalität ein. Dennoch bleibt Fakt, dass der Index bei der Bank of England (BoE) die rote Lampe angehen ließ.

Einkaufspreise steigen so stark wie selten zuvor

Die BoE steht jetzt im Scheinwerferlicht. Viele haben ein schnelles Handeln erwartet und gingen von einer schnellen Leitzinssenkung aus. Nichts dergleichen ist geschehen, da erst einmal die Politik der ruhigen Hand regierte.

Jetzt ist aber das Britische Pfund erneut unter Druck geraten, und die Einkaufspreise sind aufgrund dessen stark gestiegen. Eine schnelle Zinssenkung von 0,5% auf 0,0% wäre in der heutigen Finanzlandschaft nichts Ungewöhnliches, aber nach Ansicht vieler Analysten nicht ausreichend.

Zudem würde das Britische Pfund erneut geschwächt werden, was die Preise wieder antreiben würde. Es ist also ein Teufelskreis, den die britische Wirtschaft jetzt durchbrechen muss.

Immobilienblase droht zu platzen

Das britische Finanz- und Sozialsystem hat eine komplett andere Basis als das im restlichen Europa. Nahezu die gesamte Altersversorgung der Briten ist auf Aktien-, Renten- und Immobilienfonds aufgebaut.

Nun sind die Aktien stark gefallen; für die Festverzinslichen gibt es keine Zinsen mehr, und der Wert der Immobilien droht stark zu sinken. Noch dazu ziehen Anleger in großem Maße ihre Einlagen ab. Dies bedeutet, dass sich die Fonds von Immobilien trennen müssen.

Diese können aber nicht in dem eigentlich notwendigen Tempo verkauft werden. Dies führt zu fallenden Immobilienpreisen und Finanzierungslücken.

London ist bekannt für enorm hohe Miet- und Immobilienpreise. Nach ersten Schätzungen können die Preise für Mietwohnungen und gewerbliche Immobilien in London jetzt um rund ein Viertel nachgeben.

Was dies bedeuten könnte sollte jedem bewusst sein. Wir sind jedoch sicher, dass das britische Empire diese Situation meistern wird. Doch das wird nicht von heute auf morgen gehen.

Der Brexit ist noch lange nicht vollzogen – und könnte theoretisch sogar widerrufen werden. Was dann an den Märkten passieren würde, hätte sicherlich einen historischen Charakter. Insgeheim müssen wir dann mit einem Kursfeuerwerk rechnen.

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Über den Autor Daniel Fehring

Daniel Fehring entdeckte schon in frühen Jahren seine große Leidenschaft für die Finanzwelt und hat das Traden als Börsenhändler von der Pieke auf gelernt.

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