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Achtung am Devisenmarkt: Kommt jetzt der Kronenschock?

Die erschreckende Unfähigkeit der Europäischen Zentralbank, den Außenwert des Euros wenigstens einigermaßen zu erhalten, zwingt immer mehr ausländische Notenbanken zu teils drastischen Gegenmaßnahmen, um eine weitere Aufwertung ihrer eigenen Währungen gegen den Euro zu verhindern.

Das geht allerdings nur eine begrenzte Zeit lang gut. Danach sind schockartige Anpassungen zu erwarten.

Vorbild Frankenschock 2015

Vor etwas mehr als zwei Jahren, nämlich am 15. Januar 2015, musste die Schweizer Nationalbank schließlich ihre Strategie aufgeben, eine weitere Aufwertung des Frankens gegen den Euro über die selbst gewählte Schallmauer von 1,20 zu verhindern, da dies mit der Zeit ein extrem teures Unterfangen wurde.

Als die Zentralbank Aufgabe, gab es eine schockartige Aufwertung des Schweizer Frankens um mehr als 20 Prozent, die viele Broker in private Trader in den Bankrott stürzte.

Inzwischen notiert EUR/CHF bei etwa 1,06, Tendenz fallend, Der Franken wertet also langsam aber sicher weiter auf.

Der nächste Kandidat für einen ähnlichen Währungsschock ist nun das EU- aber Nicht-Euro-Mitglied und Nachbarland Tschechien. Für EUR/CZK gilt seit November 2013 ein Mindestwechselkurs von 27 Kronen.

Ein Euro darf also nicht weniger als 27 Kronen kosten. Seit August 2015 wurde diese Grenze immer wieder vom Devisenmarkt strapaziert, was zu laufenden Interventionen der tschechischen Notenbank am Devisenmarkt führte.

Mittlerweile ist die Bilanz der tschechischen Zentralbank voll mit Euros, die immer weniger wert sind.

Die Schallmauer bei 27 Kronen wird bald fallen

Die tschechische Notenbank sieht sich in Kürze gezwungen, ihre Stützungskäufe aufzugeben. Gegen die Geldzerstörungspolitik der EZB ist sie auf Dauer machtlos.

Man muss sich das mal auf der Zunge zergehen lassen: Selbst eine nicht gerade für ihre Außenwertstabilität berühmte Währung wie die tschechische Krone kann im Zerstörungswettlauf mit dem Euro nicht mehr mithalten. Draghi schlägt sie alle, allerdings im negativen Sinne!

Er würde den Euro wahrscheinlich sogar noch gegen die Lira abwerten lassen, wenn es die noch gäbe.

Am Devisenmarkt haben die Spekulanten längst Wind von den Schwierigkeiten der Tschechen bekommen und kaufen nun massiv Kronen ein, um diese nach einer möglichen Freigabe zu einem höheren Wert wieder einzutauschen.

Das wird die Aufgabe der 27er Grenze bei EUR/CZK nur noch mehr beschleunigen. Dann könnte die tschechische Währung sogar das 2008er Tief bei 23 Kronen schlagartig unterschreiten (Sie müssen dann nur noch 23 Kronen für den Euro hinlegen).

Das wäre ein Aufwertungsschock von 15 Prozent für die Krone.

Für die tschechische Wirtschaft wäre das zunächst ein Schock, der zu einer Rezession führen könnte. Doch ähnlich wie in der Schweiz ist es möglich, sich allmählich an solche Wechselkursverschiebungen anzupassen.

Am Ende kann die Volkswirtschaft sogar von einer stabilen Währung profitieren. Zumal dann auch weniger Inflation importiert wird.

Flüchten Sie in härtere Währungen

Für Anleger in Draghis „Little Italy“ heißt es hingegen: Flüchten Sie in stabilere Währungen. US-Dollar (ausgerechnet!) und Schweizer Franken waren in den vergangenen Jahren eine gute Idee. US-Aktien eine noch bessere. Jede Aktienanlage im Euroraum ist hingegen nur schöner Schein.

Bei Kurssteigerungen werden Sie in Euro gerechnet zwar wohlhabender. Gleichzeitig können Sie sich immer weniger für die wertlosen Lappen kaufen, was nicht unmittelbar in Euro bezahlt werden kann (Benzin, Heizöl, Urlaubsreisen etc.)

Die ultimative Fluchtwährung

Betrachtet man die Sache etwas längerfristig, ist eine Fluchtwährung absolut ungeschlagen: Gold. Eine Unze Gold at sich seit dem Jahr 2000 in Euro gerechnet fast verfünffacht.

Das schafft keine andere Währung und kein Aktienindex, selbst wenn wir andere Zeiträume als Maßstab anlegen. Ein Grund mehr, über eine Vermögensdiversifikation in das einzige echte Hartgeld nachzudenken.

Goldpreis in Euro

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Offenlegung gemäß §34b WpHG wegen möglicher Interessenkonflikte: Der Autor ist in den besprochenen Wertpapieren bzw. Basiswerten dieser Ausgabe investiert.

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Über den Autor
Henrik Voigt

Henrik Voigt hat an der renommierten TU Dresden Wirtschaftsingenieurwesen studiert und als einer der Jahrgangsbesten sein Studium abgeschlossen.

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