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Was passierte mit den Vermögen?

Für die Umstellung galt:

  • Abgeschlossene Verbindlichkeiten wurden mit einem Kurs 10 Reichsmark (RM) zu 1 DM (10:1) umgestellt; laufende Verbindlichkeiten wie Löhne, Renten, Pensionen, Pachten und Mieten im Kurs 1:1; Schuldverschreibungen, Hypotheken und sonstige Forderungen und Verbindlichkeiten wurden im Verhältnis 10:1 umgestellt.
  • Die Prämienreserven der privaten Versicherungen und die Bausparguthaben der Bausparkassen wurden ebenfalls im Verhältnis 10:1 umgestellt, die laufenden Beiträge dagegen blieben im Verhältnis 1:1 bestehen.
  • Bargeld und letztlich auch Sparguthaben wurden zum Kurs 100 RM zu 6,50 DM umgetauscht.
  • Um Härtefälle abzumildern, wurde im Jahre 1953 die Regelung eingeführt, dass Guthaben aus der Zeit vor dem 1. Januar 1940 lediglich im Verhältnis 5 RM zu 1 DM abgewertet wurden.
  • Da Immobilienbesitzer durch diese Entwertung zunächst einen erheblichen Vorteil hatten, wurde zusätzlich im Jahre 1952 das Lastenausgleichsgesetz verabschiedet.

Diejenigen, denen erhebliches Vermögen verblieben war (insbesondere betraf das Immobilien), mussten eine Lastenausgleichsabgabe bezahlen. Die Höhe dieser Abgabe wurde nach der Höhe des Vermögens mit Stand vom 21. Juni 1948 berechnet. Die Abgabe belief sich auf 50 Prozent des berechneten Vermögenswertes und konnte in bis zu 120 vierteljährlichen Raten, also verteilt auf 30 Jahre, in den Lastenausgleichsfonds eingezahlt werden. Zu diesem Zweck wurden eine Vermögensabgabe, eine Hypothekengewinnabgabe und eine Kreditgewinnabgabe eingeführt,

Das DM-Bilanzgesetz bevorzugte Aktionäre

Die Währungsreform erfasste Bar- und Buchgeld, ja aber keine Aktienvermögen. Es ist richtig, dass der Index der Frankfurter Börse vorübergehend 70 Prozent an Wert einbüßte, allerdings nur solange bis das DM-Bilanzgesetz seine volle Wirkung entfaltete. Nach diesem Gesetz war es den Aktiengesellschaften möglich, stille Reserven aufzulösen und den Grundsatz der Bilanzkontinuität zu durchbrechen. Was dann folgte war eine Zuschreibung im Anlagevermögen und damit eine Neubewertung der Aktien, in deren Verlauf die Aktienkurse im Herbst 1949 einen Höhenflug erlebten. Das statistische Bundesamt veröffentlichte eine Statistik, mit der folgende Aussage getroffen werden kann: Die Umstellung von RM auf DM brachte Aktionären einen Verlust von 82,73 Prozent, während der überwiegende Teil der Bevölkerung einen Verlust ihrer Ersparnisse in der Höhe von 93,5 Prozent hinnehmen musste (Quelle: Siegfried Freick, Die Währungsreform 1948 in Westdeutschland). Wer seine Aktien und das macht den großen Unterschied, nicht verkauft hat konnte von der Aktienmarktrallye ein Jahr später partizipieren, während Sparer wieder bei o angefangen haben.

Fassen wir alle Anlagemöglichkeiten zusammen, kommen wir auf eine Bevorzugung des Aktienkapitals, noch vor den Gewinnen aus Hypotheken und Krediten. Allerdings waren mit der Währungsumstellung große Kursschwankungen verbunden, die bei einem persönlichen Verkaufsdruck zu einer Realisierung der Buchverluste geführt hätten. Um einen Neustart in der Wirtschaft nicht zu behindern, dürfte sich solch eine Bevorzugung von Kapitalgesellschaften wiederholen. Insofern hat die goldene Anlageregel, wonach 1/3 des Vermögens in Immobilien und 1/3 in Value Stocks gehalten werden sollte, immer noch ihren Bestand.

Viel Erfolg am Markt wünscht Ihnen

Jürgen Nowacki,

Chefredakteur Target Trader

Quellen: * Günter Stiller: Vor 60 Jahren: Als die D-Mark nach Deutschland kam. In: Hamburger Abendblatt vom 13. Juni 2008, S. 21. Auf der Internetseite des Hamburger Abendblattes, Stand 1. August 2008, 18:00 Uhr

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Alte Kommentare
  • Sc schrieb am 04.06.2012, 21:17 Uhr

    Die Schulden des Deutschen Reiches insb. aus dem Versailler Diktat wurden von der Bundesrepublik Deutschland übernommen und bedient. ....... Frage: Was wurde aus den Guthaben in Lebensversicherungen a) aus der Bi-Zone b) aus der SBZ c) aus den polnisch und sowjetisch verwalteten Ostgebieten des Reiches d) aus den der CSSR übergebenen sudetendeutschen Gebieten

  • Helmut Benigni schrieb am 05.06.2012, 17:19 Uhr

    Danken möchte ich Ihnen für die Zusammenstellung dieser Daten von 1948 und ff. Ich habe das als 14.Jähriger miterlebt und war jetzt erfreut, dies jetzt noch einmal im Detail von Ihnen aufgeführt zu lesen.. Danke. Freundliche Grüße, Helmut Benigni