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Ernüchternde Zahlen vom deutschen Einzelhandel

In diesen Tagen gab es mal wieder Neuigkeiten von den Statistikern des Bundesamts mit Sitz in Wiesbaden. Regierungsoffizielle Daten zur Lage im deutschen Einzelhandel wurden veröffentlicht.

Die Zahlen müssten mit Blick auf die angeblich so gute Konjunktur und Verbraucherstimmung eigentlich gigantisch gut ausfallen.

Und wenn man noch bedenkt, dass fast überall zu lesen ist, dass die Menschen in Deutschland ob der Zinspolitik der EZB das Vorsorge-Sparen kaum mehr betreiben, müssten die Statistiker ja – lehrbuchmäßig – einen Crack-up-Boom für den Handel vermelden. Angeblich würden die Leute ja hier Geld ausgeben und nicht mehr sparen. So die schöne Theorie.

Wunschdenken

Ja, die schöne Stimmung, die schön dargestellte Konjunkturlage ist das eine, die harten Fakten sind das andere. Und hier überrascht es schon sehr, dass die Einzelhändler in deutschen Landen trotz der nach außen hin überaus günstig dargestellten Rahmenbedingungen schwer zu kämpfen haben.

Selbst die Statistiker zu Wiesbaden müssen konzedieren, dass es nun schon zwei Monate in Folge nach unten gehen soll mit den Umsätzen im deutschen Handel. Wohl gemerkt, hier geht es um die Gesamt-Umsätze, bei denen auch der Internet-Handel mitgezählt wird.

Also, Fakt ist, dass die Händler im April um 0,5 Prozent weniger ein als im Vormonat einnahmen. Preisbereinigt, also real fiel der Umsatz sogar um 0,9 Prozent.

Starker Internethandel

Die hohen Erwartungen wurden also bei weitem nicht erreicht. Im Vorfeld gab es diverse Schätzungen, die von einem deutlichen Plus ausgegangen waren. Reuters zufolge erwarteten Ökonomen gar ein Plus von sage und schreibe 0,9 Prozent.

Böse Zungen mögen nun behaupten, dass sie „doch“ richtig gelegen hätten – wenn man aus dem Plus ein Minus macht. Egal, das Minus wäre bei weitem höher ausgefallen, wenn nicht der Wandel des Handels hin in Richtung Internet massiv stützend gewirkt hätte.

Dem Bundesamt zufolge wurde beim Versand- und Internethandel abermals ein gewaltiges Plus von real mehr als sieben Prozent verzeichnet. Parallel dazu verzeichneten die stationären Waren- und Kaufhäuser im April 2016 einen realen Umsatzrückgang von sage und schreibe 3,3 Prozent. Und das in der angeblich besten aller Konsumwelten.

Hoffen auf Trendwende

Nach den schwachen Monaten hofft der Einzelhandel nun auf deutlich bessere Geschäfte nach dem 1.7.2016. Reuters meldet weiter, dass die Experten nun hoffen, dass die größte Rentenerhöhung in Deutschland seit 23 Jahren dem Einzelhandel deutliche Impulse bringen werde.

Herr Scheuerle von der Dekbank erwartet demnach folglich deutlich positive Effekte beim privaten Konsum und im Einzelhandel im dritten Quartal.

Naja, warten wir mal ab, ob die Rentner ab Juli einen Konsum-Boom in Deutschland entfachen werden. Die Renten sollen ja um 4,25 Prozent im Westen und um 5,95 Prozent in den neuen Bundesländern angehoben werden.

Das führt aber nicht wirklich nur dazu, dass unter dem Strich für die Ruheständler ein solches Plus auch netto ankommt. Im Gegenteil, zum 1.7. werden dadurch laut Bundesfinanzministerium sage und schreibe 160.000 Rentner erstmals steuerpflichtig.

Die Rentenerhöhung allein bringt dem Staat dem Ministerium zufolge im kommenden Jahr 0,72 Milliarden Euro mehr Steuern ein. Unter dem Strich heißt es also, dass dann mehr als jeder fünfte Rentner einkommensteuerpflichtig ist.

Gut möglich also, dass die Rentner schon in weiser Voraussicht ihrer kommenden Einkommensteuerpflicht das Geld zusammenhalten werden und Experten wie Herr Scheuerle abermals mit Enttäuschung auf eher durchwachsene Nachrichten vom Einzelhandel reagieren werden…

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