MenüMenü

Garantie-Zertifikate: Garantiert niedrige Rendite für Sie

Deutsche Anleger mögen es gern sicher. Garantie-Zertifikate zählen daher noch immer zu den beliebtesten Zertifikaten überhaupt. Der Marktanteil bei Anlage-Zertifikaten betrug im März 45,2%. Dabei sind Garantie-Zertifikate vor allem eine Garantie für kleine Renditen.

Garantie-Zertifikate sind ungemein beliebt – und ungemein unrentabel

Deutsche Anleger mögen es gern sicher. Daher stehen Fest- und Tagesgeld ganz oben in der Gunst der Anleger, obwohl sie praktisch keine Zinsen mehr abwerfen. Wer es etwas riskanter mag, investiert am Aktien- oder Rentenmarkt.

Aber bitte mit Garantie, denken sich 45,2% der Zertifikate-Anleger und wählen Produkte mit Kapitalschutz. Das klingt sicher und gut und der Bankberater liebt die Produkte auch so sehr, dass er sie jedem Kunden empfiehlt.

Bei Garantie-Zertifikaten wird Ihnen garantiert, dass Sie am Ende der Laufzeit mindestens den Nennwert des Zertifikats zurückbekommen. Der Nennwert muss nicht identisch sein mit Ihrem Kaufpreis. Wenn Sie ein Zertifikat mit 100 Euro Nennwert für 110 Euro kaufen, dann sind nur die 100 Euro garantiert.

Außerdem kann es bis zur Fälligkeit zu durchaus erheblichen Kursschwankungen kommen, die Sie aussitzen müssten, um in den Genuss der Garantie zu kommen. Verkaufen Sie vor Fälligkeit, ist überhaupt nichts garantiert.

Der Aufbau eines Garantie-Zertifikats ist simpel

Technisch sind Garantie-Zertifikate oft aus zwei Komponenten aufgebaut:

  1. Der Anleihe-Komponente
  2. Der Marktkomponente

Vor der Emission berechnet der Emittent, wie hoch die Zinserträge für die Anleihe-Komponente während der Laufzeit sein werden. Diese Zinserträge sind es, die die Garantie ermöglichen. Kann der Emittent in 5 Jahren Laufzeit z.B. 11% Zinsen verdienen, dann werden 90% des Anlagebetrages in Anleihen und nur 10% in Aktien investiert.

Selbst wenn die Aktien alle ein Totalverlust werden sollten, sind die Zinsen der 1. Komponente ausreichend, um Ihnen am Ende 100% des Zertifikate-Nennwerts zurück zu zahlen.

Bei einem anderen Ansatz werden zunächst 100% des Anlage-Betrages in den eigentlichen Basiswert, z.B. Aktien, investiert. Dieser Portfolio darf aber maximal so viel an Wert verlieren, dass eine Umschichtung in Anleihen über dann folgende Zinsgewinne den Verlust noch aufholen kann.

Wenn also eine Umschichtung in Anleihen 11% Gewinn einbrächte, darf das Aktienportfolio maximal 10% an Wert verlieren. Geschieht dies – und sei es auch nur einmalig – wird das gesamte Portfolio aufgelöst und in Anleihen umgeschichtet.

In beiden Fällen ist der Nennwert des Zertifikats gesichert. Doch es darf bezweifelt werden, dass Käufer der Zertifikate immer im Bilde darüber sind, was sie eigentlich kaufen.

Es ist schwer vermittelbar, dass ein kapitalgeschützter Aktienfonds nur 10% seiner Mittel in Aktien investiert. Oder dass alle Aktien verkauft werden, wenn es einmal zu 10% Kursrückgang kommt.

Niedrigzinsen machen Garantie-Zertifikate gänzlich uninteressant

In Zeiten von Niedrigzinsen hat sich die Situation noch einmal verschärft. In 5 Jahren verdienen Banken mit Anleihen nicht mehr 11%, sondern eher nur noch 1,1%.

Was das für neue kapitalgeschützte Produkte bedeutet, ist klar. Entweder sie investieren praktisch gar nicht mehr in den Basiswert, oder aber sie können nur noch minimalste Kursschwankungen zulassen.

Emittenten und Vertrieb lieben Garantie-Produkte – denn daran verdienen beide gut auf Kosten der Anleger

Während der Kunde mit Garantie-Produkten also vor allem niedrige Renditen garantiert bekommt, lebt es sich als Emittent und Portfolio-Manager vorzüglich mit Garantie-Produkten.

Ausgabeaufschläge, Gewinnbeteiligung, Management-Entgelte – all das summiert sich zu stattlichen Beträgen, die Sie als Anleger auch dann tragen müssen, wenn Sie realistisch gesehen kaum Aussichten auf große Renditen haben.

Warum wird trotz der Nachteile so viel Geld in Kapitalschutz-Zertifikate investiert, mögen Sie sich nun fragen. Immerhin fast 28 Milliarden Euro waren Ende März 2016 in solchen Zertifikaten investiert. Die Antwort ist einfach: Weil es sich für Banken lohnt.

Ein Garantie-Zertifikat verkauft sich dank Garantie bedeutend einfacher als andere Zertifikate. Damit kann man auch die ängstlichen Anleger ködern.

Gleichzeitig ist der Gewinn für den Bankberater relativ hoch, ohne dass der sich Kundenärger durch den Verkauf einhandelt. Wo es keine Verluste gibt, gibt es auch kaum Kundenklagen.

Garantie-Zertifikat an einem Beispiel durchgerechnet: Der Vertrieb verdient 3,4x mehr als der Anleger

Nehmen wir als Beispiel die DAX Kupon Korridor-Anleihe mit WKN LBB0D7. Herausgegeben im Jahr 2012. Kundenberater, die diese kapitalgeschützte Anleihe verkauften, bekamen 1,4% des Nennbetrages als Provision ausgezahlt.

Wer 10.000 Euro anlegte, brachte dem Berater als 140 Euro Provision ein. Zuzsätzlich mussten Anleger aber auch noch 2% Agio bezahlen. Wer für 10.000 Euro Anteile erwarb, zahlte also 10.200 Euro. Die 200 Euro Agio gingen auch an den Vermittler.

Schon sind wir bei 340 Euro Provision. Dazu bekamen die Berater Vertriebsunterstützung von der Emittentin. Garantiert wurden natürlich nur 100% des Anlagebetrages, nicht die 2% Agio. Die waren also auf jeden Fall weg, ganz gleich, wie sich der Zertifikate-Preis entwickelt.

Das Zertifikat wurde so konstruiert, dass der Anleger 3% Zinsen pro Jahr erhält, wenn der DAX das ganze Betrachtungsjahr über zwischen 5183,85 und 9.627,15 Punkten verharrte. Lag er auch nur einen Tag im Jahr außerhalb dieses Bereichs, bekommen die Anleger gar keine Zinsen. 2018 gibt es schließlich den Nennwert zurück.

Da der DAX nur 2013 innerhalb des Korridors lag, bekamen die Käufer des Garantie-Zertifikats auch nur ein einziges Mal die 3% Zinsen. 2014 und 2015 gab es gar nichts und 2016 wird es auch nichts geben. Wer also für 102 Euro im Jahr 2013 kaufte, bekam einmalig 3 Euro Zinsen und 2018 100 Euro zurück.

Bis heute verdiente der Vertrieb am Zertifikat also 3,4x so viel wie der Anleger.  Auch der Emittent verdient mit Sicherheit prächtig an der Anleihe. Er bekam in den Jahren 2014 und 2015 einen kostenlosen Kredit vom Anleger. Der hätte bei Aufnahme im Jahr 2012 bis 2018 mit jährlich rund 1,4% verzinst werden müssen.

Ein gutes Geschäft für den Anleger sieht anders aus.

© FID Verlag GmbH, alle Rechte vorbehalten
Über den Autor Thomas Kallwass

Thomas Kallwass ist unser Spezialist für alternative Investment-Chancen. Seine Handelsstrategien sind wissenschaftlich untermauert.

Regelmäßig Analysen über Derivate erhalten — kostenlos!
Profitieren Sie von unserem kostenlosen Informations-Angebot und erhalten Sie regelmäßig die neusten Anleger-Informationen von Thomas Kallwass. Über 344.000 Leser können nicht irren.