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So funktionieren Discountzertifikate

Im großen Universum der Zertifikate bilden Discountzertifikate eine interessante und beliebte Untergruppe. Grund genug, sich die Funktionsweise von Discountzertifikaten näher anzusehen.

Discountzertifikate und ihre Funktionsweise: Grundwissen

Die grundlegende Idee der Discountzertifikate ist es, dem Anleger zu ermöglichen, Anteil an der Entwicklung eines Basiswerts zu nehmen, dabei jedoch weniger Risiko in Kauf nehmen zu müssen, als würde er den Wert direkt handeln. Im Gegenzug ist auch die mögliche erzielbare Rendite nach oben hin gedeckelt (man spricht von einem „Cap“).

Als Basiswerte kommen verschiedenste Objekte in Frage. Oftmals gibt es Discountzertifikate mit Aktien als Basiswert. In diesem Fall spricht man von einem Aktien-Discountzertifikat. Ist hingegen ein Index als Basiswert gegeben, spricht man von einem Index-Discountzertifikat.

Technische Funktionsweise von Discountzertifikaten

Rein technisch betrachtet steckt hinter einem Discountzertifikat die Verbriefung einer Strategie, die im Profibereich schon lange angewendet wird („Covered Call“). Hierbei kauft der Emittent einen Basiswert und verkauft gegen diesen eine Call-Option. Diese Option ist ein Wettvertrag, den Sie eingehen. So ist eine Call-Option eine Wette darauf, dass ein bestimmter Wert in einem klar definierten Zeitfenster steigt.

Im Falle der Covered-Call-Strategie bedeutet dies, dass der Emittent des Zertifikats einen Basiswert kauft und einem anderen Marktteilnehmer das verbriefte Recht verkauft (= die Call-Option), zu einem festgelegten späteren Zeitpunkt, den Basiswert zu einem festgelegten Preis kaufen zu dürfen. Hierfür erhält der Emittent vom Käufer der Call-Option eine Prämie, mit der effektiv der Einstandspreis für den Basiswert gesenkt werden kann.

Somit wird ein günstigerer Preis im Vergleich zum reinen Basiswertkauf erzielt. Gleichzeitig hat der weitere Marktteilnehmer das Recht, ab einem bestimmten Preis den Basiswert vom Emittenten kaufen zu dürfen, wodurch die Gewinnobergrenze entsteht. Diese Gesamtkonstruktion verbrieft der Emittent in Form eines Papiers (Discountzertifikat), so dass Privatanleger hieran teilhaben können, ohne selbst mit Optionen zu handeln. Dies ist die technische Funktionsweise von Discountzertifikaten.

Es gibt weitere, komplexere Konstruktionsmöglichkeiten für Discountzertifikate, jedoch würde dies den Rahmen eines solchen Artikels sprengen.

Verschiedene Arten der Discountzertifikate

Neben den klassischen Vertretern gibt es weitere Untertypen mit ähnlicher Funktionsweise, jedoch einigen Detailunterschieden. Hierbei sind besonders zu nennen:

  • Deep Discountzertifikat
  • Rollierende Discounter
  • Discount Calls / Discount Puts

Funktionsweise von Deep Discountzertifikaten und rollenden Discountern

Deep Discountzertifikate unterscheiden sich nicht so sehr von ihren klassischen Pendants. Der Hauptunterschied liegt darin, dass der Discount gegenüber dem Basiswert (also sozusagen Ihr „Preisvorteil“ beim Kauf des Zertifikats gegenüber dem Basiswert) hoch ist. Der aktuelle Wert des Zertifikats liegt dadurch nahe an der Obergrenze (Cap). Auf diese Weise ergibt sich ein geringeres Risiko, jedoch auch ein geringeres Chancenprofil für den Anleger. Die weitere Funktionsweise von Deep Discountzertifikaten ist mit der Funktionsweise klassischer Zertifikate identisch.

Rollende Discounter unterscheiden sich vom klassischen Discountzertifikat auf stärkere Weise. Einer der wichtigsten Hauptunterschiede liegt in der Laufzeit. Rollende Discounter laufen meist unbegrenzt, wogegen klassische Discountzertifikate etwas mehr als ein Jahr laufen. Dazu kommt, dass bei rollenden Discountzertifikaten der Cap monatlich (bzw. rhythmisch) immer neu festgesetzt wird, wobei immer eine Call-Option verkauft wird.

Strategien für Discountzertifikate

Im Jahre 2007 lag der Marktanteil an Discountzertifikaten bei über 46% des Gesamtspektrums der Zertifikate. Dies hat natürlich einen Grund. Es existieren spannende Strategien für Discountzertifikate, welche inzwischen von vielen Anlegern geschätzt werden.

Strategien für Discountzertifikate: Wann kaufen?

Mit einem Discountzertifikat spekulieren Sie als Anleger auf gleich bleibende oder leicht steigende Kurse. Es besteht die Möglichkeit, bei leicht fallenden Kursen einen kleinen Gewinn zu erzielen.

Es macht nicht viel Sinn, Discountzertifikate in Phasen starker Aufwärtstrends zu kaufen. Selbst wenn Ihr Cap (die Begrenzung Ihres möglichen Gewinns) weit oben angesetzt ist, wäre dies nicht sinnvoll. Ihr Discount ist dadurch gering und als Resultat kaufen Sie nahezu ohne Abschlag den Basiswert ein, haben jedoch einen Cap nach oben.

Hinzu kommt, dass anhaltende Aufwärtstrends mit fallender Volatilität einhergehen, was sich negativ auf das Chancen/Risikoverhältnis des Zertifikats auswirkt. Optionsprämien, die durch die dem Zertifikat zugrunde liegende Covered-Call Konstruktion, für den Discount von zentraler Bedeutung sind, fallen bei sinkender Volatilität, womit sich der Discount verengt.

Es macht auch keinen Sinn, Strategien für Discountzertifikate entwickeln zu wollen, wenn sich der Markt in einem starken Abwärtstrend befindet, da das Risiko, aus dem Discount zu „fallen“ so unnötig hoch ist.

Discountzertifikate eignen sich am besten für etwas unklarere Marktphasen, in denen eine Seitwärtsbewegung dominiert bzw. für Endphasen von Bullenmärkten, in denen man trotzdem noch dabei sein, jedoch lieber mit einem Sicherheitspuffer an der Finanzmarktentwicklung teilhaben möchte.

Strategien für Discountzertifikate: Der klassische Fall

Der klassische Fall für einen Einsatz von Discountzertifikaten könnte wie folgt aussehen: Die Märkte sind seit einigen Monaten gut gelaufen und die Bullenphase verliert ein wenig an Zug. Viele attraktive Werte sind kurzfristig etwas hochgekauft, haben aber mittelfristig durchaus noch Potential. Dummerweise verfügen Sie erst jetzt über die nötigen liquiden Mittel. Ein direkter Aktienkauf ist Ihnen in dieser späten Hochphase zu risikoreich, da der Markt durchaus einen gewissen Rücksetzer erleben könnte.

Sie möchten es auch nicht darauf ankommen lassen, den Einstieg endgültig zu verpassen. Hier kommen Strategien für Discountzertifikate als klassische Varianten ins Spiel. Nehmen wir an, Sie möchten eine Aktie der Firma XY kaufen und diese notiert bei 100 EUR. Sie sind bereit 90 EUR zu bezahlen und gehen gleichzeitig nicht davon aus, dass die Aktie mittelfristig höher als 120 EUR notieren wird. Somit wählen Sie ein Discountzertifikat aus.

Sagen wir, Sie fänden eins mit einem 10% Discount und einem 15% Cap für Ihren Gewinn. Auf diese Weise könnten Sie eine 10% Sicherheitszone in Ihren Wertpapierhandel einbauen, denn Sie geben nur 90 Euro für das Zertifikat aus, wohingegen dessen Basiswert bei 100 Euro steht.

Trotzdem können Sie nach oben hin profitieren. Genauer gesagt bis zu einem Basiswert von 115 Euro, da Ihr Cap bei 15% liegt. Sie hätten dank des Discountzertifikats die perfekte Strategiefür Ihre Situation, da Sie das Aufwärtspotential nur bis 120 EUR sehen.

Weitere Strategie für Discountzertifikate: „Anleihenersatz“

Im obigen Teil ist nur der klassische Fall geschildert. Sie können, je nachdem wie Ihre Anlegermentalität in der Praxis ausschaut, Discountzertifikate auch anders einsetzen. Eine Variante etwa ist der „Anleihenersatz“. Wenn Sie ein konservativer und risikoscheuer Anleger sind, können Sie eine defensive Strategie für Discountzertifikate nutzen.

Kaufen Sie Discountzertifikate, deren Basiswertpreis (vorzugsweise verwenden Sie hier Indizes als Basiswert) weit über dem Cap steht. Auf diese Weise haben Sie ein großes Pufferfeld nach unten. Das Zertifikat hat mit der Überschreitung seiner Wertobergrenze (d.h. mit der Überschreiten des Caps durch den Basiswert) seinen maximalen Wert erreicht.

Ein Wertverlust im Discountzertifikat kann erst auftreten, wenn der Basiswert unter die Cap-Schwelle fallen sollte. Die Chance hierfür ist umso geringer, je höher über dem Cap der Kurs des Basiswerts steht. Dies verleiht Ihrer Position eine gewisse Sicherheit. Je nach persönlicher Risikoeinschätzung kann solch ein Discountzertifikat eine alternative Anlage zu einer risikoreichen Anleihe darstellen.

Ein letzter Hinweis: Emittentenrisiko

Zertifikate sind wunderbare Werkzeuge an den Börsen und bieten sich für jedes Privatanleger-Portfolio an bzw. sind dort nicht mehr wegzudenken. Sie sollten bei all Ihren Entscheidungen bedenken, dass Zertifikate rein rechtlich gesehen Anleihen sind. Geht der Emittent Ihres Zertifikats pleite (man denke hier an Lehman Brothers 2008), so haben Sie als Anleger ein Problem und verlieren im schlimmsten Fall Ihren kompletten Einsatz.

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