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Faktorzertifikate: Schnell reich werden – damit?

In diesem Beitrag möchte ich mit dem Mythos der Faktor-Zertifikate aufräumen, dass diese sicher seien, weil es keinen Knock-Out gibt, der zum Totalausfall führen kann. Sicher: Auf null fallen können die täglich neu berechneten Zertifikate kaum. Bei einem Hebel von vier müsste der Dax dazu an einem Tag um 25 Prozent abstürzen, was bisher nie vorkam.

Zudem wird die Tagesrechnung ab 12,5 Prozent Indexverlust vorzeitig beendet und auf der dann erreichten niedrigen Basis neu gestartet, was die Hebelwirkung an so einem Katastrophentag verringert. Ein deutliches Sicherheitsplus.

Allerdings können Anleger ihr Geld bei der Pleite der emittierenden Bank trotzdem komplett verlieren, genauso wie bei allen anderen vorgestellten Hebelpapieren. Aber es gibt noch einen weiteren haken, der zum faktischen Totalausfall im normalen Handel führen kann.

Mythos Sicherheit: Kein Knock Out, aber negativer Basiseffekt verhindert Rendite

Stellen Sie sich vor, Sie liegen mit Ihrer Annahme falsch, dass der DAX weiter steigt. Ich weiß, das kommt selten vor, dass Sie falsch liegen 😉 aber nehmen wir es einmal an. Sie haben zu Jahresbeginn ein schönes Faktor-Zertifikat gekauft und jetzt steigt der DAX nicht. Er läuft seitwärts – über viele Monate. Und schließlich fällt der Bursche sogar.

Sagen wir mal, auf 8000 Punkte. In einer solchen Marktphase hat Ihr Faktor-zertifikat anfangs immer neue kleine Verluste durch die Seitwärtsbewegung hinnehmen müssen. Danach gab es noch richtig eines auf die Mütze durch den Kursrutsch. Und schon steht das Papier nicht mehr bei 10 , sondern vielleicht nur noch bei 0,50 . Es wird sich dann wohl nie mehr erholen.

Dummerweise entsteht bei Faktor-Zertifikaten durch längere Gegenbewegungen ein äußerst negativer Basiseffekt. Das heißt, der Rückweg auf die ursprünglichen 10 Wert ist deutlich schwieriger (vgl. dazu auch mein gestriges Rechenbeispiel). Sie brauchen schon eine verdammt kräftige und lange Aufwärtsbewegung und sehr viel Sitzfleisch, um nur auf Ihren Ausgangswert zurückzukommen!

Das können klassische Hebel-Zertifikate besser, deren Hebel steigt, wenn die Bewegung gegen Sie läuft. Ist ein Faktor-Zertifikat erst einmal auf einen niedrigen Wer gefallen, weil die böse Börse bei dem angenommenen Szenario nicht mitgespielt hat, braucht der Emittent gar keinen Knock-Out mehr.

Dann bewegt sich das Papier ohnehin kaum noch in Richtung Ausgangswert. Ich nenne so ein Papier gern tote Katze“ – die steht nie mehr auf. Faktor-Zertifikate verleiten dazu zu glauben, hier könne nichts passieren. Das ist definitiv falsch. Es kann hier auch zu einem faktischen Totalausfall kommen! Aussitzen ist nicht.

Faktor-Zertifikate mit eher lahmem Hebel

In Trendphasen spielen die Faktor-Zertifikate dann allerdings ihre Stärken mit dem täglich angepassten Hebel aus. Dieser liegt in der Regel allerdings nur bei dem Faktor vier. Wenn ich also eine starke Trendphase vorliegen habe, wäre es da nicht besser, gleich ein klassisches Hebel-Zertifikat mit einem Hebel von 10 oder 15 zu nehmen? Dann habe ich nämlich gleich einen riesigen Rendite-Vorsprung gegenüber dem anfangs lahmeren Faktor-Zertifikat.

Der Hebel lässt zwar mit der Zeit nach, aber da muss mich das Faktor-Zertifikat erst einmal einholen. Und ich kann später ja immer noch in ein neues Hebel-Zertifikat mit einemhöheren Hebel wechseln, wenn der Trend so überaus stark bleibt. Dann wird der Vorsprung meines klassischen Hebelzertifikates zum Faktorwunderdings uneinholbar. Aber es gibt noch eine weitere Möglichkeit, das Faktorzertifikat auszustechen. In meinem zweiten Beitrag.

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Über den Autor Henrik Voigt

Henrik Voigt hat an der renommierten TU Dresden Wirtschaftsingenieurwesen studiert und als einer der Jahrgangsbesten sein Studium abgeschlossen.

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