MenüMenü

Mini-Futures und der Rollvorgang

Mini-Futures beziehen sich in der Regel oft auf den nächstfälligen Kontrakt. Da sie eine Open-End-Struktur aufweisen muss also vor Fälligkeit des Kontrakts, so zu sagen in den nächsten Kontrakt gerollt werden.

Doch der Mini-Future ist kein Futures-Kontrakt, welchen der Anleger selbst rollen müsste. Was stattdessen geschieht ist, dass der Emittent, wenn das Underlying gerollt werden muss, gewisse Anpassungen am Mini-Future vornimmt.

Finanzierungslevel und Stopp-Loss

In einer Contango-Situation erhöht sich bei einem Mini-Long das Finanzierungslevel. (Zugleich erhöht sich im Übrigen auch die Stopp-Loss-Marke!). Der springende Punkt ist allerdings, dass sich der Mini-Future nun auf einen teureren Kontrakt bezieht.

Das bedeutet, dass die Differenz zwischen dem neuen Basiswertpreis und dem neuen Finanzierungslevel konstant ist. Oder anders ausgedrückt: trotz des Anstiegs des Finanzierungslevels, sollte – aufgrund des „Anstiegs des Basiswertpreises“ – der Anteil des Anlegers am Basiswert nicht sinken.

Das bedeutet, dass der Rollvorgang an sich tatsächlich keinen Einfluss auf den Wert des Mini-Futures hat – dieser bleibt unverändert.

Da der Rollvorgang an sich für den Mini-Future (Long) wertneutral ist (oder es zumindest nach den bestehenden Kriterien sein sollte), habe ich am Dienstag auch die Aussage getroffen, dass der Mini-Future keinem Rollrisiko unterliegt.

Diese Aussage ist zwar an sich richtig, doch – verzeihen Sie mir – ich hätte diese Aussage nicht alleine so stehen lassen dürfen. Denn…im Leben ist wenig umsonst, nichts ohne Risiko und Wunder gibt es immer weniger….

Auch wenn der Rollvorgang an sich wertneutral für den Mini-Future ist, besteht ein Risiko nachdem der Rollvorgang und die Anpassungen vorgenommen wurden. Bewegt sich nun nämlich der Preis des neuen Kontrakts in die Richtung des Preises des alten Kontrakts (also sinkt der Preis des neuen Kontrakts) kommt es dementsprechend zu Verlusten. Hier ist es also auch wichtig, wann Rollvorgang und Anpassungen vom jeweiligen Emittenten vorgenommen werden.

Interessant: Mini-Short in der Contango

Interessant ist zudem, dass auch beim Mini-Short in einer Contango-Situation das Finanzierungslevel nach oben angepasst wird. (Auch bei einem Mini-Short erhöht sich jeden Tag das Finanzierungslevel, doch hier ist die Situation umgekehrt:

Hier stellt der Anleger im Grunde dem Emittenten eine Finanzierung zur Verfügung, welche der Emittent sozusagen über das Finanzierungslevel verzinst; da sich der Wert des Short-Produkts grob gesagt aus dem Finanzierungslevel abzüglich des Basiwertpreises ergibt, steigt bei täglich steigendem Finanzierungslevel, täglich der Wert des Produkts; Voraussetzung für Erfolg ist natürlich auch eine entsprechend hohe Verzinsung, die sich aufgrund der Libor-Zinssätze ergibt und höher als mögliche Verluste durch steigende Basiwertpreise ist).

Dementsprechend kann ein Mini-Short also bei steigender Forwardkurve sozusagen „Rollgewinne“ verbuchen (sofern der Preis des Basiswerts im Nachhinein nicht deutlich ansteigt und die Finanzierungslevel-Gewinne sofort wieder auffrisst). Doch dies nur als kleine Anmerkung nebenbei….

Fazit

Auch wenn Mini-Futures durchaus interessant konstruierte Produkte darstellen, sind sie doch eher für spekulativ orientierte und erfahrene Anleger und Trader geeignet. Sie eignen sich nicht oder nur sehr bedingt für eine langfristige Buy and Hold Strategie, denn – vergessen Sie nicht – ein Mini Long kostet jeden Tag Geld. Ein Mini Short hält zwar ebenfalls interessante Möglichkeiten bereit – insbesondere auch bei Seitwärtsphasen – doch diese kommen eigentlich erst in einem Umfeld deutlich höherer Zinssätze zur Geltung.

Daytrader dagegen können Mini Futures auch als kurzfristige spekulative Produkte nutzen, da sie keine Finanzierungskosten tragen. Allerdings sollte man auch nie die eingebaute Stopp-Loss/Knock-Out-Barriere vergessen, die Mini Futures im Grunde noch eine Spur spekulativer machen als Optionen/Optionsscheine. Denn im Gegensatz zu Mini Futures, die einfach ausgeknockt werden, wenn sie ein bestimmtes Level erreichen, ist bei Optionen, so lange das Ausübungsdatum noch nicht unmittelbar bevorsteht, zumindest ein Comeback denkbar.

© FID Verlag GmbH, alle Rechte vorbehalten
Über den Autor
Miriam Kraus

Miriam Kraus ist eine freiberufliche Finanzanalystin, deren besondere Kennzeichen die hartnäckige Recherche und ein Gespür für wesentliche Aspekte sind.

Regelmäßig Analysen über Derivate erhalten — kostenlos!
Profitieren Sie von unserem kostenlosen Informations-Angebot und erhalten Sie regelmäßig die neusten Anleger-Informationen von Miriam Kraus. Über 344.000 Leser können nicht irren.