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Das Clearing-System der Terminbörsen

Im Terminhandel bezeichnet man als Clearing das gesamteSystem der finanziellen Aufrechnung von Forderungen und Verbindlichkeiten. Ihm steht der Begriff des Settlement gegenüber, der die Aufgaben der Verwaltung und Abwicklung im Anschluss an bereits abgeschlossene Termingeschäfte kennzeichnet.

Die Organisation und Durchführung von Clearing und Settlement übernimmt eine zentralisierte Marktinstitution: das den einzelnen Terminbörsen jeweils angegliederte Clearing-Haus.

Wenngleich einzelne in der Börsenpraxis auftretende Clearing- und Settlement-Konzepte sich in ihren Merkmalen und Ausgestaltungen von Terminbörse zu Terminbörse vielfach unterscheiden mögen: Das Ziel der Regelungen für den Terminhandel ist es letztlich, potenzielle Erfüllungsrisiken auszuschalten sowie die Transaktionskosten für Termingeschäfte zu reduzieren und dabei gerecht auf alle Marktteilnehmer zu verteilen, um auf diese Weise die Effizienz im Handel insgesamt zu steigern.

Jedes funktions- und handlungsfähige Clearing-System setzt registrierte und lizenzierte Mitglieder als hinter den Termingeschäften stehende Beteiligte voraus. Zu Clearing-Mitgliedern einer Terminbörse zählen durchweg nur renommierte Finanzdienstleistungsinstitute, deren Zahlungsfähigkeit wie auch fachliche Kompetenz als unstrittig gelten und von denen erwartet wird, dass sie allesamt im Besitz einer gültigen Clearing-Lizenz sind. Man bezeichnet sie international auch als „Clearing Members“.

Aus einer erworbenen Mitgliedschaft folgt geradewegs das Recht auf unmittelbaren Zugang zur Infrastruktur der Terminbörse. Dem Clearing-Mitglied steht damit das Clearing sowohl im Eigenhandel als auch (je nach Umfang der Mitgliedschaft) im Auftrag von anderen Clearing-Mitgliedern bzw. Nicht-Clearing-Mitgliedern (Kundengeschäft) offen.

Danach sind alle dem Clearing-System einer Terminbörse angeschlossenen Finanzinstitute in ihrer Funktion als Mitglied aufgefordert, am Ende des Handelstages den Gesamtumfang aller an diesem Tage getätigten Transaktionen dem angegliederten Clearing-Haus zu berichten.

Zuständigkeit der Clearing-Häuser

Die eigentlichen Geschäftsabschlüsse an den Terminbörsen kommen dabei ausschließlich zwischen dem Clearing-Haus und den einzelnen lizenzierten Clearing-Mitgliedern zustande. Das Clearing-Haus garantiert in seiner Funktion als unmittelbarer und zentraler Vertragspartner der aktiv beteiligten Parteien am Futureshandel nach Abschluss eines jeden Geschäftes die vorschriftsmäßige Erfüllung aller zuvor eingegangenen, aber noch ausstehenden Terminkontraktgeschäfte.

Erst eine derartige dauerhafteGarantiezusage durch das Clearing-Haus verschafft letztlich das nötige hohe Maß an Rechtssicherheit am Terminmarkt. Das „Clearinghouse“ einer Terminbörse selbst finanziert sich durch Gebühren seiner Mitglieder.

Es handelt niemals auf eigene Rechnung und besitzt folglich auch zu keiner Zeit eigene offene Positionen. Zu den wichtigsten Funktionen eines Clearing-Hauses zählen die Erfassung, Verbuchung und Überwachung der einzelnen Positionskonten, die Abwicklung des sog. „Margining“ und die Aufgaben im Zusammenhang mit der Ausübung von Optionsgeschäften.

Um in der Lage zu sein, ihre Kernfunktionen im Terminhandel in jedem Augenblick zweifelsfrei und vollständig zu erfüllen, sind die Kunden einzelner Bank- und Brokerhäuser aufgefordert, vor Aufnahme des Handels eine risikogerechte Marginzahlung als Sicherheitsleistung in der hierfür erforderlichen Höhe zu entrichten („Initial Margin“).

Aber nicht allein sie, sondern ausnahmslos jedes Clearing-Mitglied ist ebenso verpflichtet, zwecks Teilnahme am Terminhandel bei der Abrechnungsstelle der jeweiligen Terminbörse ein eigenes Margin-Konto als Treuhandkonto zu führen.

Die hierbei fälligen sog. Einschüsse – und ggf. auch Nachschüsse – sind in Form von Bareinlagen, Obligationen oder teilweise auch in Aktien zu hinterlegen. Auf diese Weise rückversichert sich die Clearing-Stelle verlässlich gegen finanzielle Folgen etwaiger spekulativer Schieflagen durch einzelne Marktteilnehmer.

Die Clearing-Stelle der Terminbörse verkörpert damit jene Institution, die bestehende Unsicherheiten im Markt (z.B. Bonitätsrisiken, Insolvenzrisiken etc.) abbaut und durch die regelgebundene und transparente Abwicklung der Termingeschäfte diese als sicher gelten.

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Über den Autor Kay Menzer

Kay Menzer ist bereits seit 1996 aktiver Aktieninvestor. In den Eurex und US-Futurehandel stieg er im Jahr 2003 ein.

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