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Zweischneidiges Schwert: Die KO-Schwelle

Diese Produktgattung wurde vor einigen Jahren entwickelt, um die Vorteile von Optionsscheinen (enorme Hebelwirkung, Positionierung auf steigende oder fallende Kurse, einfacher Handel) ohne deren Nachteile (Zeitwertverlust, komplizierte Konstruktion ohne auf den ersten Blick ersichtliche Einflussgrößen) nutzen zu können.

Hebelzertifikate werden auch „Mini-Futures“, Turbo- oder Knock-out-Zertifikate genannt. Auch wenn der Name ähnlich ist: im Gegensatz zu „echten“ Futures oder CFD`s gibt es hier keine Nachschusspflicht.

Weil ich immer wieder gefragt werde, wo denn der Hebel eigentlich herkommt: Faktisch handelt es sich um eine Konstruktion, der ein Wertpapierkredit zugrunde liegt, welcher sich in den im Papier enthaltenen Finanzierungskosten niederschlägt.

Der Hebel wirkt immer in beiden Richtungen: für oder gegen Sie. Je nachdem, ob Sie mit der Auswahl des Zertifikates richtig oder falsch lagen (es gibt Zertifikate, die bei steigenden oder solche die bei fallenden Kursen gewinnen).

Die KO-Schwelle – Verlust-Bremse oder Verlust-Garantie?

Zusätzlich gibt es noch eine Knock-Out-Grenze, bei dem das Hebelzertifikat von der emittierenden Bank automatisch zum dann geltenden Restwert glattgestellt wird. Bei manchen Papieren ist dieser Knock-Out identisch mit dem Basispreis.

Nur bei diesen Papieren kommt es bei Berührung der Knock-Out-Schwelle zu einem faktischen Totalverlust (tatsächlich wird Ihnen ein geringer Restwert zur steuerlichen Verlustanerkennung gutgeschrieben).

Der geheime Hebeltrick zur Maximierung Ihrer Gewinne

Sie können also mit vergleichsweise wenig Einsatz sehr viel Kapital bewegen. Aber Vorsicht: Für Belange des Risikomanagements sollten Sie immer den Hebel und die schlussendlich bewegte Kapitalmenge.

Gerade Börsen-Neulinge überhebeln ihr Depot oft und bewegen viel zu große Risiken. Profis hingegen setzen bei durchschnittlichem Kapitaleinsatz und mittelfristigen Anlagestrategien am Aktienmarkt häufig auf Hebel zwischen 3 und 4, an den (weniger volatilen) Devisenmärkten auf Hebel zwischen 3 und 8.

Viele Börsen-Neulinge wählen hingen die falschen Zertifikate aus, werden mit Totalverlust und viel zu hohem Kapitaleinsatz (= Gier + Naivität) ausgeknockt, fahren reihenweise Verluste ein (Sturheit) und schieben es nachher auf die Hebelzertifikate (fehlende Lernbereitschaft).

Das ist in etwa so, als würden Sie Auto fahren, ohne zu wissen, wozu die Bremse eigentlich da ist (nanu, was ist denn das für ein Pedal hier?) und nach dem dritten Unfall sagen: Autos sind einfach zu gefährlich, nie wieder, sollte man verbieten!

Deshalb noch einmal: Überhebeln Sie nicht! Der optimale Hebel für mittelfristige Strategien liegt bei 3 bis 4! Das bedeutet, Ihre Aktie/ Index kann um 25% (Hebel 4) oder 33% (Hebel 3) fallen, bis Ihr Hebelzertifikat wertlos verfällt.

In halbwegs normalen Börsenphasen (Trendmärkten) ist es relativ unwahrscheinlich, dass dies passiert. Un das muss es auch sein, wen Ihre Strategie funktionieren soll! Mit zu viel Hebel ist es wie beim Kochen: Zuviel Salz in der Suppe, und es schmeckt nicht. Zu wenig, und es wird fad.

In meinem Artikel am kommenden Montag zeige ich Ihnen noch weitere Tricks, wenn Sie Hebelzertifikate einsetzen.

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Über den Autor
Henrik Voigt

Henrik Voigt hat an der renommierten TU Dresden Wirtschaftsingenieurwesen studiert und als einer der Jahrgangsbesten sein Studium abgeschlossen.

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