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So setzen Sie Optionen richtig ein

Nachdem Sie aus meinem letzten Beitrag wissen, was eine Option ist und wofür man sie einsetzen kann, gebe ich Ihnen nun weitere Tipps für den Handel.

Zahlreiche Einflussgrößen machen die Sache sehr komplex

Der Preis einer Option wird leider von einer ganzen Vielzahl von Einflussgrößen bestimmt. Zuerst wären das der aktuelle Preis des Basiswerts (auf den sich die Option bezieht), der vorab festgelegte Ausübungspreis und die Restlaufzeit bis zum Ausübungsdatum.

Doch daneben zerren noch weitere, teilweise sehr undurchsichtige Parameter am Optionspreis, wie etwa die (angenommene) Volatilität des Basiswerts, der risikofreie, kurzfristige Zinssatz am Markt, die erwarteten Dividendenzahlungen innerhalb der Lebenszeit.

Insbesondere die Volatilität beeinflusst den Wert der Option stark, da diese die Wahrscheinlichkeit des Steigens oder Sinkens des inneren Wertes der Option beeinflusst. Wobei eine höhere eher einen positiven Einfluss auf den Optionswert hat (solange diese nicht zu hoch wird). Dummerweise ist die Volatilität gerade der Faktor, den Sie wahrscheinlichsten am wenigsten beeinflussen oder auch nur vorhersehen können.

Tipps für Anfänger

Um es gleich zu sagen: Optionen sind nichts für Anfänger. Wer aber mit dem Handel von Aktien und/oder ETFs und dem Auf und Ab der Börsen vertraut ist, vielleicht auch mit Zertifikaten und Optionsscheinen, der ist hier richtig.

In Deutschland sind Optionen weniger bekannt als beispielsweise in den USA. Banken und andere Finanzfirmen haben stattdessen Optionsscheine (siehe nächstes Kapitel) erfunden.

Ein zentraler Begriff bei Optionen ist der Zeitwert. Er ist im Preis jeder Option enthalten und verfällt erst langsam, dann immer schneller: Wenn die Option verfällt, ist auch der Zeitwert weg.

Kaufe ich eine Option, dann bezahle ich den Zeitwert; verkaufe ich eine Option, dann werde ich für den Zeitwert bezahlt. Dieser Umstand macht die Kombination von Kaufen und Verkaufen von Optionen so interessant.

Optionsstrategien

Optionen alleine bieten dem Käufer die Möglichkeit, unerwünschte Kursverläufe abzusichern, indem das Recht zum Kauf/Verkauf erworben wird. Dies bietet dem Call-Käufer die Möglichkeit, das Underlying günstig zu erwerben und dem Put-Käufer eine vorhandene Position teuer zu verkaufen.

Richtig interessant wird es jedoch erst, wenn man mehrere Optionen kombiniert. Mit Optionen gleichen Fälligkeitsdatums lassen sich beliebig komplexe Gewinn-Profile in Abhängigkeit der Kursentwicklung des Underlyings erstellen. Diese können von sehr konservativ (z.B. beschränkter Gewinn, Verlust nur bei extremen Kursverlusten des Underlyings) bis sehr aggressiv reichen.

Es ist sogar möglich, einen Kauf/Verkauf des Underlyings komplett mit Optionen zu synthetisieren.

Weiterhin lassen sich Optionen mit verschiedenen Fälligkeitsdaten kombinieren um von Kursentwicklungen in bestimmten Zeitrahmen zu profitieren – die Möglichkeiten sind extrem vielfältig.

Klarstellung: 30% aller Optionen verfallen wertlos

Unter Anlegern kursiert immer wieder das Gerücht, dass 90% aller Optionen am Laufzeitende wertlos verfallen. Sie wären damit nur für den Optionsverkäufer (in der Regel also die Banken) ein glänzendes Geschäft. Für die andere Seite (Optionskäufer) hingegen nahezu eine Verlustgarantie.

Larry McMillan hat in seinem Artikel „How Many Options Actually Expire Worthless?“ jedoch mit diesem Fehlurteil aufgeräumt. Anhand von CBOE-Daten für den Zeitraum 1973-2000 wies er nach, dass der Anteil der wertlos verfallenen Optionen nur 30% betrug. 70% erwiesen sich demnach als gutes Geschäft für den Optionskäufer. Diese sind damit für erfahrene Anleger ein durchaus taugliches Handelsinstrument.

Gestaltet man Optionen als (frei handelbares) Wertpapier, handelt es sich um einen Optionsschein. Optionsscheine sind wesentlich verbreiterter als Optionen. Mehr dazu in meinem Beitrag morgen.

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Über den Autor
Henrik Voigt

Henrik Voigt hat an der renommierten TU Dresden Wirtschaftsingenieurwesen studiert und als einer der Jahrgangsbesten sein Studium abgeschlossen.

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Herausgeber: Investor Verlag | VNR Verlag für die deutsche Wirtschaft AG
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