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Die zehn Risiken beim Investieren: 5. Das Emittentenrisiko

Viele Anleger betrachten lediglich das Kurs- bzw. Preisrisiko. Fortgeschrittene Anleger kennen spätestens seit Lehman Brothers auch noch das meist überbewertete Emittenten-Risiko. Doch dabei handelt es sich nur um zwei der Risiken, denen man sich beim Investieren aussetzt. Ich zähle mindestens zehn verschiedene Risikoarten und betrachte nach und nach jedes davon. Heute: Das Emittentenrisiko.

Das Emittentenrisiko wurde maßlos aufgebauscht

Das Emittentenrisiko zählt zu meinen „Lieblingsrisiken“. Denn die Presse hat es nach der Pleite von Lehman Brothers geschafft, das Emittentenrisiko zu einem wahren Monsterrisiko aufzublasen. In Artikeln über Anlagezertifikate darf der Hinweis auf das Emittentenrisiko nicht fehlen.

Die Dauerbefeuerung des Themas führt inzwischen zu einer echten Realitätsverzerrung. Einige Anleger scheinen inzwischen mehr auf das Risiko des Emittenten als das Kursrisiko zu achten. Es ist in der Tat so, dass Anfragen zum Thema Emittentenrisiko häufiger bei mir eingehen als Anfragen zu allen anderen Risikoarten zusammen genommen.

Geht ein Emittent pleite, ist das Zertifikat so gut wie verloren

Mit Emittentenrisiko wird die Möglichkeit beschrieben, dass der Herausgeber eines Zertifikats oder einer Anleihe Insolvenz anmelden muss. Besitzer der Wertpapiere stehen dann in einer Reihe mit allen anderen Fremdkapitalgebern des Unternehmens und werden, wenn überhaupt, dann nur mit einem kleinen Teil ihrer Forderungen bedient.

Im Gegensatz zu Bankkontoeinlagen unterliegen auch die Investitionen in Zertifikate nicht der Einlagensicherung. Das gilt selbst für Garantiezertifikate. Eine Ausnahme stellen die ganz wenigen besicherten Zertifikate z.B. der Commerzbank dar, die weitgehend gegen den Zahlungsausfall der Bank geschützt sind.

Das Risiko lässt sich leicht überwachen

Kurz gesagt: Geht der Emittent pleite, ist das Zertifikat verloren. Daher gilt es, die Bonität des Emittenten zu prüfen. Und zwar nicht nur beim Kauf des Zertifikats, sondern auch in regelmäßigen, möglichst kurzen, Abständen während der Haltedauer.

Dafür bietet der Deutsche Derivate Verband auf seiner Website eine Übersicht über die aktuellen CDS-Prämien der in Deutschland aktiven Emittenten an. Je höher die Prämien für eine Bank sind, desto größer ist auch das Emittentenrisiko.

Mithilfe dieser Tabelle können Anleger auch Bonitätsverschlechterungen erkennen und sich rechtzeitig vor der Pleite von bestimmten Emittenten trennen. Denn vor der Pleite folgt stets zunächst eine Verschlechterung der Bonität.

Andere Risiken sind wichtiger und gefährlicher

Mit dieser Vorgehensweise ist das Emittentenrisiko bereits weitgehend gebannt. Darüber hinausgehende Vorsichtsmaßnahmen wären übertrieben, gab es doch in der Geschichte der Zertifikate so gut wie keine Zahlungsausfälle.

Mit Ausnahme von Lehman Brothers, bei denen weniger als 200 Zertifikate ausfielen, sind mir keine Emittentenpleiten bekannt. Es handelt sich beim Emittentenrisiko also wahrlich um ein kleines Restrisiko. Ein kleines Restrisiko, das mit simplen Vorsichtsmaßnahmen abgesichert werden kann.

Statt sich also Tag und Nacht um das Emittentenrisiko zu sorgen, sollte der Anleger dieses kleine Risiko einfach überwachen und die durch vermiedene Sorgen freigewordenen Kapazitäten den wahrlich gefährlicheren anderen Risiken widmen.

Hier gelangen Sie zu den zehn Risiken beim Investieren

Preisrisiko

Modellrisiko

Liquiditätsrisiko

Währungsrisiko

Emittentenrisiko

Rechtliches Risiko

Sonstige Risiken:

Operationelles Risiko

Settlement Risiko

Politisches Risiko

Systemisches Risiko

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Über den Autor Till Kleinlein

Till Kleinlein ist verheiratet und Vater zweier Kinder. Er wurde bereits sehr früh vom Börsenvirus infiziert.

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