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Die zehn Risiken beim Investieren: 3. Das Liquiditätsrisiko

Viele Anleger betrachten lediglich das Kurs- bzw. Preisrisiko. Fortgeschrittene Anleger kennen spätestens seit Lehman Brothers auch noch das meist überbewertete Emittenten-Risiko. Doch dabei handelt es sich nur um zwei der Risiken, denen man sich beim Investieren aussetzt. Ich zähle mindestens zehn verschiedene Risikoarten und betrachte nach und nach jedes davon. Heute: das Liquiditätsrisiko.

Es kann nicht immer gehandelt werden – der Markt kann auch illiquide werden

Mit dem Liquiditätsrisiko wird die Möglichkeit beschrieben, dass Sie nicht in jedem Fall Handelspartner für Ihre Investitionen finden. Wenn Sie verkaufen möchten, aber mangels Handelspartner nicht verkaufen können, bleibt Ihnen nichts weiter übrig, als beim Fallen der Kurse zuzuschauen.

Das passiert öfter, als man denkt und trifft auch große Banken. Die fanden nach Beginn der Finanzkrise für bestimmte Wertpapierarten, zum Beispiel Kreditderivate, nirgendwo auf der Welt mehr Handelspartner und saßen in ihren Investments fest. Diese illiquiden Wertpapiere sind teilweise auch heute noch nicht handelbar, fünf Jahre nach Krisenbeginn.

Auch ganz normale Aktien können illiquide werden

Betroffen sind vom Liquiditätsrisiko aber nicht nur komplexe strukturierte Produkte, sondern auch ganz normale Aktien. 99% aller Börsentransaktionen konzentrieren sich auf einen kleinen Bruchteil aller gelisteten Aktien. In manchen Aktien findet tage-, teilweise wochenlang kein Handel statt.

Betroffen sind zum Beispiel kleine Aktiengesellschaften aus dem Ausland mit einer Börsennotierung in Deutschland. Für diese Aktien Handelspartner in Deutschland zu finden, gleicht nicht selten einem Glücksspiel.

Besondere Vorsicht ist geboten bei Aktien mit ausländischem Börsenkürzel, die in Deutschland häufiger gehandelt werden als an der Heimatbörse. Was zunächst wie ein Vorteil klingt, häufiger Handel, ist in diesen Fällen ein Nachteil.

Der häufigste Grund für das hohe Volumen im Ausland: Anleger, die die Gesellschaft nicht kennen, nicht kontrollieren können und oft nicht einmal der Amtssprache der Gesellschaft mächtig sind, werden mit massivem Werbeaufwand in die Aktie gelockt. Versiegt der Strom ausländischen Kapitals, bricht die Liquidität der Aktie in sich zusammen und die Anleger sind „in der Aktie gefangen“.

Derivate müssen schlimmstenfalls bis zum Laufzeitende behalten werden

Bei Derivaten ist die Liquidität nicht jederzeit sichergestellt. In der Regel handelt man Zertifikate nur mit dem Emittenten der Produkte – selbst wenn man über eine Börse ordert. Die Emittenten sichern sich in ihren Emissionsprospekten weitgehende Rechte, unter anderem auch das Recht zur Handelseinstellung.

Mir ist zwar nicht bekannt, dass schon einmal ein solventer Emittent von diesem Recht Gebrauch gemacht hätte – möglich ist es aber. Die Liquidität ist im Falle einer Handelseinstellung gleich 0. Käufer von Derivaten sollten also in ihrem Handelsmodell (siehe Risiko Nr. 2, Modellrisiko) immer die Möglichkeit berücksichtigen, das Derivat bis zum Laufzeitende im Depot behalten zu müssen.

Hier gelangen Sie zu den zehn Risiken beim Investieren

Preisrisiko

Modellrisiko

Liquiditätsrisiko

Währungsrisiko

Emittentenrisiko

Rechtliches Risiko

Sonstige Risiken:

Operationelles Risiko

Settlement Risiko

Politisches Risiko

Systemisches Risiko

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Über den Autor Thomas Kallwass

Thomas Kallwass ist unser Spezialist für alternative Investment-Chancen. Seine Handelsstrategien sind wissenschaftlich untermauert.

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