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Die zehn Risiken beim Investieren: 2. Das Modellrisiko

Viele Anleger betrachten lediglich das Kurs- bzw. Preisrisiko. Fortgeschrittene Anleger kennen spätestens seit Lehman Brothers auch noch das meist überbewertete Emittenten-Risiko. Doch dabei handelt es sich nur um zwei der Risiken, denen man sich beim Investieren aussetzt. Ich zähle mindestens zehn verschiedene Risikoarten und betrachte nach und nach jedes davon. Heute: Das Modellrisiko.

Modelle gibt es von einfach bis mega-komplex

Modellrisiken spielen überall dort eine Rolle, wo bestimmte Handelsstrategien (Handelsmodelle) zum Einsatz kommen. Das kann ein undurchschaubar komplexes Risikomanagementmodell sein, mit dem eine internationale Großbank alle Risiken in der Bilanz kontrollieren möchte. Es kann sich bei einer Handelsstrategie aber auch um ein einfaches charttechnisches Modell handeln.

Kein Modell ist perfekt – man sollte von der Nichtperfektion aber wissen

Risiken erwachsen aus solchen Modellen immer dann, wenn bestimmte mögliche Entwicklungen nicht bedacht oder bewusst als praktisch unmöglich angesehen werden. So waren die Bewertungsmodelle für einige spezielle hypothekenbesicherte Wertpapiere unzureichend. Enthaltene Risiken wurden nicht vollständig erfasst und flossen damit weder in die Bewertung ein, noch wurde entsprechende Vorsorge für den Fall des Schadenseintritts getroffen.

Der gleiche Fehler unterlief den Banken beim Swaphandel. Zwar sicherten sich praktisch alle Großbanken mittels Swaps gegen Preis-, Kontrahenten- oder Zinsrisiken ab, beachteten dabei aber nicht ausreichend, dass ein Swapkontrakt selbst ein Kontrahentenrisiko darstellt. Als während der Finanzkrise der große Swaphändler AIG in die Pleite schlitterte, stellte sich die Risikosteuerung mittels Swaps als Scheinsicherung heraus.

Auch Kleinanleger setzen sich Modellrisiken aus

Modellrisiken zeigen sich auch bei Kleinanlegern. So sind mir einige Anleger bekannt, die fast ihr gesamtes Vermögen in Gold investierten. Das Handelsmodell dieser Anleger geht von einem Währungscrash und Hyperinflation aus… Risiken, gegen die angeblich nur Gold schützt.

Dieses relativ simple Handelsmodell berücksichtigt leider nicht die Möglichkeit, dass sowohl Währungscrash als auch Hyperinflation ausbleiben und es stattdessen eine deflationäre Phase mit Rezession gibt. Die angenommene Sicherheit des 100-prozentigen Goldinvestments kann sich schnell als Scheinsicherheit entpuppen, wenn das dem Investment zugrunde liegende Szenario nicht eintritt.

Gute Handelsmodelle liefern auch auf unangenehme Fragen Antworten

Ein Handelsmodell, so simpel es auch sein sollte, ist also stets zu hinterfragen. „Was ist, wenn mein Szenario nicht eintritt?“ sollte zur Standardfrage bei jedem Investment werden. Im Idealfall gibt das Handelsmodell bereits selbst eine Antwort auf diese Frage. Zum Beispiel indem es Elemente der Diversifikation und verschiedene gern auch widersprüchliche Szenarien in sich vereinigt.

Die Welt der Derivate eröffnet inzwischen auch Kleinanlegern vielfältige Möglichkeiten, um auch bei unklarer Marktstimmung sich widersprechende Szenarien in einem Depot profitabel zu handeln.

Hier gelangen Sie zu den zehn Risiken beim Investieren

Preisrisiko

Modellrisiko

Liquiditätsrisiko

Währungsrisiko

Emittentenrisiko

Rechtliches Risiko

Sonstige Risiken:

Operationelles Risiko

Settlement Risiko

Politisches Risiko

Systemisches Risiko

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Über den Autor Thomas Kallwass

Thomas Kallwass ist unser Spezialist für alternative Investment-Chancen. Seine Handelsstrategien sind wissenschaftlich untermauert.

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Alte Kommentare
  • Fuchs schrieb am 11.10.2012, 10:39 Uhr

    Hallo, ich lese schon seit geraumer Zeit den Devisen-Monitor, bevorzugt den Teil von Hr. Kallwaß. Obwohl ich die meisten Beiträge interessant finde, erkenne ich doch eine Wiederholungsschleife. Ich würde mir mehr Grundlagen zur technischen Analyse wünschen. Das wäre doch sicher schnell aufgesetzt und hätte bei ihren Lesern einen echten Lerneffekt.